Scewo Bro 2026: Elektrorollstuhl + Treppensteiger
Der Scewo Bro ist ein Elektrorollstuhl, der selbstständig Treppen steigen kann. In dieser Anleitung erfährst du, wer die Krankenkasse oder Pflegekasse bei der Finanzierung beteiligt, welche Hilfsmittelnummer passt und worauf du bei Miete oder Kauf achten solltest.
Kurzfassung (Featured-Snippet, ~50 Wörter): Der Scewo Bro ist ein Elektrorollstuhl mit Treppensteig-Funktion für den Innen- und Außenbereich. Die Kostenübernahme läuft über die Krankenkasse nach § 33 SGB V (PG 18 — Kranken- und Behindertenfahrzeuge) oder die Pflegekasse nach § 40 Abs. 4 SGB XI (Wohnumfeldverbesserung bis 4.180 EUR).
1. Was ist der Scewo Bro?
Der Scewo Bro ist ein elektrisch angetriebener Rollstuhl des Schweizer Herstellers SCEWO AG. Er kombiniert drei Funktionen in einem Gerät:
- Ebenes Fahren auf Rädern — sowohl drinnen als auch draußen.
- Selbstständiges Treppensteigen über zwei gummierte Raupen, gesteuert per Joystick.
- Aufrechte Position per Lift — du kannst Augenkontakt auf Augenhöhe halten.
Das Gerät wiegt ca. 165 kg und ist mit Akku ca. 180 kg. Die maximale Geschwindigkeit auf ebener Strecke liegt bei etwa 10 km/h, beim Treppensteigen bei rund 3,5 Stufen pro Minute.
Für wen ist der Scewo Bro gedacht?
Der Scewo Bro richtet sich an Personen, die
- auf einen Elektrorollstuhl angewiesen sind und
- in einer Wohnung mit Treppen leben, die nicht durch einen Aufzug erschlossen ist, oder
- regelmäßig Treppen ohne Aufzug überwinden müssen (Bürgersteigkanten, Podeste, öffentliche Gebäude ohne Lift).
Er ist kein Sportgerät und kein E-Scooter im Sinne des Fahrerlaubnisrechts (FeV). Die rechtliche Einordnung erfolgt über das Hilfsmittelrecht.
2. Hilfsmittelnummer und Produktgruppe 18
Im GKV-Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbandes ist der Scewo Bro in der Produktgruppe 18 (Kranken- und Behindertenfahrzeuge) gelistet. Die Produktgruppe 18 unterscheidet mehrere Anwendungsbereiche:
| Untergruppe | Beispiel-Hilfsmittel | PG-Code |
|---|---|---|
| — | — | — |
| 18.01 | Elektrorollstuhl für Innenraum | 18.01.0xxx |
| 18.02 | Elektrorollstuhl für Außenbereich | 18.02.0xxx |
| 18.03 | Elektrorollstuhl mit Sondersteuerung | 18.03.0xxx |
| 18.04 | Treppensteigender Rollstuhl | 18.04.0xxx |
Der Scewo Bro fällt typischerweise unter PG 18.04 (treppensteigende Fahrzeuge). Die konkrete Hilfsmittelnummer findest du im GKV-Hilfsmittelverzeichnis unter gkv-spitzenverband.de/hilfsmittelverzeichnis.
Wichtig: Die Hilfsmittelnummer ist die Grundlage für die ärztliche Verordnung und die spätere Abrechnung mit der Krankenkasse. Ohne passende PG-Zuordnung lehnen viele Kassen den Antrag ab.
3. § 33 SGB V — Krankenversicherung übernimmt Elektrorollstuhl
Die gesetzliche Grundlage für die Versorgung mit einem Elektrorollstuhl ist § 33 SGB V (Hilfsmittel). Dort heißt es im Absatz 1:
„Versicherte haben Anspruch auf Versorgung mit Hör- und Sprechhilfen, Körperersatzstücken, orthopädischen und anderen Hilfsmitteln, die im Einzelfall erforderlich sind, um den Erfolg der Krankenbehandlung zu sichern, einer drohenden Behinderung vorzubeugen oder eine Behinderung auszugleichen, soweit dies nicht durch ärztliche oder ärztlich verordnete Maßnahmen oder durch andere Leistungen … erreicht werden kann.“
Voraussetzungen für die Kostenübernahme
- Ärztliche Verordnung (Rezept mit Diagnose nach ICD-10).
- PG 18.04 im Hilfsmittelverzeichnis ist gelistet.
- Medizinische Notwendigkeit — der Elektrorollstuhl muss die Mobilität im Alltag sichern oder eine Pflegebedürftigkeit abwenden.
- Genehmigung der Krankenkasse vor Beschaffung — bei einem Gerät wie dem Scewo Bro immer vorab beantragen.
Zuzahlung
Die gesetzliche Zuzahlung nach § 61 SGB V beträgt 10 Prozent des Abgabewerts, mindestens 5 EUR, maximal 10 EUR. Bei einem Gerät im fünfstelligen Bereich ist die Zuzahlung also auf 10 EUR gedeckelt.
4. § 40 Abs. 4 SGB XI — Pflegekasse zahlt Wohnumfeldverbesserung
Wenn der Scewo Bro nicht primär als Hilfsmittel, sondern als Maßnahme zur Verbesserung des Wohnumfelds beantragt wird, ist § 40 Abs. 4 SGB XI die Anspruchsgrundlage. Dort sind folgende Leistungen verankert:
- Zuschuss bis 4.180 EUR pro Maßnahme (Stand 2026, gemeinsamer Jahresbetrag für alle wohnumfeldverbessernden Maßnahmen).
- Bis zu 4 Personen mit Pflegegrad 2 bis 5 im Haushalt können den Zuschuss gemeinsam nutzen.
- Kein Pflegegrad erforderlich, wenn die Pflegebedürftigkeit vorliegt (Pflegegrad 1 reicht formal, der Zuschuss ist dann auf die Höhe der zumutbaren Belastung reduziert).
Wann ist § 40 SGB XI der bessere Weg?
Wenn du
- bereits Pflegegrad 2 bis 5 hast und
- der Scewo Bro die häusliche Pflege ermöglicht oder erleichtert,
kann die Pflegekasse die Kosten übernehmen — auch wenn die Krankenkasse eine Versorgung nach § 33 SGB V ablehnt. Beide Träger können gleichzeitig angegangen werden; eine Doppelabrechnung ist aber ausgeschlossen.
Abgrenzung zu § 39 SGB XI (häusliche Pflege)
Wichtig ist die Abgrenzung zur Pflegesachleistung nach § 36 SGB XI und zum Pflegegeld nach § 37 SGB XI. § 40 SGB XI ist eine zusätzliche Leistung neben Pflegesachleistung und Pflegegeld — die wohnumfeldverbessernde Maßnahme wird also nicht auf das Pflegegeld oder die Pflegesachleistung angerechnet.
Welche Maßnahmen zählen zu „Wohnumfeldverbesserung“?
Nach § 40 Abs. 4 SGB XI zählen insbesondere:
- Umbaumaßnahmen (Türverbreiterung, Einbau einer Rampe)
- Treppenlifte und Plattformlifte
- Maßnahmen zur Verbesserung der sanitären Anlagen (barrierefreies Bad)
- Maßnahmen zur Mobilität im Wohnumfeld — der Scewo Bro kann hier als mobile Lösung eingeordnet werden, weil er die Eigenmobilität in der Wohnung mit Treppen sicherstellt.
Praxis-Tipp: Beantrage parallel bei beiden Stellen. Die Krankenkasse prüft nach Hilfsmittelrecht, die Pflegekasse nach Pflegerecht — die Bewilligungspraxis ist unterschiedlich.
5. Antrag Schritt für Schritt
Schritt 1 — Ärztliche Verordnung einholen
Vereinbare einen Termin bei deinem Hausarzt, Orthopäden oder Neurologen. Bitte um eine Verordnung über „Elektrorollstuhl, Produktgruppe 18.04, treppensteigend“ mit ICD-10-Code deiner Diagnose.
Schritt 2 — Sanitätshaus oder Hilfsmittel-Dienstleister wählen
Ein Sanitätshaus mit PG-18-Erfahrung unterstützt dich bei der Antragstellung und holt ein Kostenvoranschlag ein. Bei einem hochpreisigen Gerät wie dem Scewo Bro empfiehlt sich ein Sanitätshaus, das bereits Treppensteig-Systeme im Programm hat.
Schritt 3 — Genehmigung abwarten
Die Krankenkasse hat nach § 13 SGB V drei Wochen Zeit für die Entscheidung. Bei MDK-Begutachtung verlängert sich die Frist auf fünf Wochen. Läuft die Frist ab, ohne dass die Kasse reagiert, gilt der Antrag als genehmigt (Genehmigungsfiktion).
Schritt 4 — Lieferung und Einweisung
Nach Genehmigung liefert das Sanitätshaus den Scewo Bro und weist dich und ggf. eine Hilfsperson in die Bedienung ein — insbesondere das Treppensteigen erfordert Übung.
Schritt 5 — Pflegekasse-Antrag (parallel)
Reiche bei der Pflegekasse den gleichen Kostenvoranschlag plus Pflegegutachten ein. Im Bescheid solltest du klare Worte zur wohnumfeldverbessernden Wirkung finden.
6. Miete oder Kauf?
Kauf
- Vorteil: Langfristig günstiger, dauerhafte Verfügbarkeit.
- Nachteil: Hoher Anschaffungspreis (UVP ca. 35.000–45.000 EUR, Stand 2026).
- Kostenübernahme: Über § 33 SGB V oder § 40 SGB XI möglich.
Miete
- Vorteil: Geringe monatliche Belastung (typisch 300–800 EUR/Monat je nach Anbieter), flexible Laufzeit.
- Nachteil: Keine Eigentumsbildung; langfristig teurer als Kauf.
- Kostenübernahme: Krankenkassen übernehmen Mietkosten in Einzelfällen, wenn ein Kauf nicht erforderlich ist. Pflegekassen nach § 40 SGB XI übernehmen Mieten seltener.
Hinweis: Eine pauschale Empfehlung „Kauf ist besser“ oder „Miete ist besser“ lässt sich nicht geben. Die richtige Wahl hängt von deiner Wohnsituation, der voraussichtlichen Nutzungsdauer und der Bewilligungspraxis deiner Kasse ab.
7. Bedienung und Sicherheit beim Treppensteigen
Das Treppensteigen mit dem Scewo Bro erfolgt über zwei gummierte Raupen, die um die Stufenkanten greifen. Die Steuerung läuft per Joystick — du fährst die Stufen langsam an und der Rollstuhl zieht sich selbst hoch.
Sicherheits-Hinweise
- Übung: Die ersten Versuche sollten mit einer geschulten Begleitperson und an einer geraden, gleichmäßigen Treppe erfolgen.
- Wendeltreppen: Sind mit dem Scewo Bro nicht oder nur eingeschränkt befahrbar — vor Anschaffung Probe steigen lassen.
- Stufenmaß: Maximale Stufenhöhe ca. 21 cm; bei ausgetretenen oder ungleichmäßigen Stufen Vorsicht.
- Gewicht: Max. Nutzergewicht laut Hersteller ca. 120 kg — bei Überschreitung keine Zulassung.
8. Alternativen und verwandte Hilfsmittel
Wenn der Scewo Bro nicht zu deiner Wohnsituation passt, gibt es verwandte Hilfsmittel:
- Klassischer Elektrorollstuhl (PG 18.02) — günstiger, kein Treppensteigen.
- Treppenlift — fest installiert, eigene Baumaßnahme.
- Plattformlift / Hebebühne — für Rollstuhlfahrer im öffentlichen Raum.
- E-Mobile / Seniorenmobile (PG 12) — für den Außenbereich, keine Innenraum-Lösung.
Einen Vergleich Scooter und Elektrorollstuhl findest du im Beitrag Scooter vs. Elektrorollstuhl 2026.
9. Häufige Fragen (FAQ)
Wird der Scewo Bro von der Krankenkasse bezahlt?
Die Krankenkasse kann die Kosten nach § 33 SGB V übernehmen, wenn eine ärztliche Verordnung vorliegt und der Scewo Bro in der Produktgruppe 18.04 des Hilfsmittelverzeichnisses gelistet ist. Die Bewilligung erfolgt im Einzelfall.
Welche Hilfsmittelnummer hat der Scewo Bro?
Der Scewo Bro fällt in die Produktgruppe 18.04 (treppensteigende Fahrzeuge) im GKV-Hilfsmittelverzeichnis. Die konkrete 7-stellige Hilfsmittelnummer ist im Verzeichnis des GKV-Spitzenverbandes hinterlegt und sollte vor Antragstellung abgefragt werden.
Kann ich den Scewo Bro mieten?
Ja, der Hersteller und einige Sanitätshäuser bieten Mietmodelle an. Die Krankenkasse übernimmt die Miete nur in Einzelfällen; die Pflegekasse nach § 40 SGB XI in der Regel nicht.
Wie schnell fährt der Scewo Bro auf der Ebene?
Auf ebener Strecke erreicht der Scewo Bro eine Geschwindigkeit von etwa 10 km/h, stufenweise einstellbar über den Joystick.
Übernimmt die Pflegekasse die Kosten?
Ja, nach § 40 Abs. 4 SGB XI ist ein Zuschuss bis 4.180 EUR für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen möglich, wenn ein Pflegegrad 2 bis 5 vorliegt und der Scewo Bro die häusliche Pflege ermöglicht oder erleichtert.
Brauche ich einen Führerschein?
Nein. Der Scewo Bro ist ein Hilfsmittel, kein Kraftfahrzeug im Sinne des FeV. Du benötigst keinen Führerschein und keine Zulassung.
Wie lange dauert die Genehmigung?
Die Krankenkasse hat nach § 13 SGB V drei Wochen Zeit, bei MDK-Begutachtung fünf Wochen. Läuft die Frist ohne Reaktion ab, gilt der Antrag als genehmigt (Genehmigungsfiktion).
Was passiert, wenn die Kasse ablehnt?
Wenn die Krankenkasse den Antrag ablehnt, kannst du innerhalb eines Monats nach Zugang des Bescheids Widerspruch einlegen. Der Widerspruch ist kostenlos und formlos möglich — am besten schriftlich mit:
- Aktenzeichen des Bescheids
- Versichertennummer
- Medizinische Begründung (mit ärztlicher Stellungnahme)
- Verweis auf PG 18.04 und § 33 SGB V
Wird der Widerspruch abgelehnt, kannst du Klage vor dem Sozialgericht erheben — ebenfalls innerhalb eines Monats. Das Verfahren vor dem Sozialgericht ist für Versicherte gerichtsgebührenfrei.
Was kostet der Scewo Bro in der Anschaffung?
Die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers liegt nach öffentlich zugänglichen Angaben im Bereich von ca. 35.000–45.000 EUR (Stand 2026). Der konkrete Preis variiert je nach Ausstattung (Akkugröße, Sondersteuerung, Zusatzmodule). Ein Kostenvoranschlag über das Sanitätshaus ist immer erforderlich, weil die Krankenkasse auf dieser Basis entscheidet.
Was ist, wenn ich in einer Mietwohnung wohne?
Der Vermieter kann eine wohnumfeldverbessernde Maßnahme nach § 40 SGB XI in der Regel nicht ablehnen, wenn die Maßnahme zur Ermöglichung der häuslichen Pflege erforderlich ist. Das Treppensteigen mit dem Scewo Bro ist allerdings eine mobile Maßnahme, die keine baulichen Veränderungen erfordert — daher greift das Vermieter-Einwilligungsrecht hier typischerweise nicht.
Übernimmt die Berufsgenossenschaft die Kosten?
Wenn die Notwendigkeit des Elektrorollstuhls auf einen Arbeitsunfall oder eine Berufskrankheit zurückgeht, kann die Berufsgenossenschaft die Kosten nach § 26 SGB VII übernehmen. Voraussetzung ist die Anerkennung des Versicherungsfalls durch die BG.
Gibt es Zuschüsse von der Stiftung oder Sozialamt?
Wenn weder Krankenkasse noch Pflegekasse die Kosten übernehmen, kann das Sozialamt nach § 63 SGB XII i.V.m. § 64 SGB XII (Hilfe zur Pflege) die Kosten als letztes Auffangnetz tragen. Voraussetzung ist in der Regel, dass die Einkommens- und Vermögensgrenzen eingehalten werden.
Wo kann ich den Scewo Bro testen?
Der Hersteller SCEWO AG (Schweiz) und einige Sanitätshäuser in Deutschland bieten Vorführungen und Probefahrten an — oft kostenlos und unverbindlich. Eine Probefahrt empfiehlt sich besonders dann, wenn du selbst die Treppensteig-Funktion testen willst, weil das Bediengefühl auf den ersten Versuchen ungewohnt ist.
10. Was du jetzt tun kannst
- Verschaffe dir Klarheit über deine Wohnsituation: Welche Treppen gibt es, welche Steigung, welche Stufenhöhe? Miss die kritische Stelle aus.
- Sprich mit deinem Arzt über eine Verordnung für „Elektrorollstuhl PG 18.04“ mit ICD-10-Code.
- Kontaktiere ein Sanitätshaus mit PG-18-Erfahrung und vereinbare eine Vorführung des Scewo Bro — viele Hersteller bieten das kostenlos an.
- Stelle den Antrag parallel bei Krankenkasse (§ 33 SGB V) und Pflegekasse (§ 40 SGB XI).
- Widerspruche rechtzeitig, falls die Krankenkasse ablehnt — Frist einen Monat ab Zugang des Bescheids.
Hinweis: Dieser Beitrag informiert über die Leistungsansprüche nach SGB V und SGB XI. Er ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Für eine verbindliche Prüfung deines Anspruchs wende dich an eine unabhängige Sozialrechtsberatung oder einen Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Sozialrecht. Die erste Beratung beim Sozialverband VdK Deutschland, Sozialverband Deutschland (SoVD) oder der Verbraucherzentrale ist oft kostenlos.

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