Prostatakrebs-Therapie 2026: ICD-10 C61 + deine Optionen verstehen
Wenn du gerade die Diagnose Prostatakrebs bekommen hast oder einen erhöhten PSA-Wert abklären lässt, ist die erste Frage meistens: „Was sind meine Therapie-Optionen?“. In Deutschland erhalten jedes Jahr rund 79.600 Männer die Diagnose Prostatakrebs (ICD-10-GM C61 — „Bösartige Neubildung der Prostata“; Zentrum für Krebsregisterdaten im Robert Koch-Institut, Stand 2023). Prostatakrebs ist damit die häufigste Krebsart bei Männern in Deutschland. Die gute Nachricht: Die meisten Prostatakarzinome wachsen langsam, die Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt bei etwa 90 Prozent. Die Therapie hängt stark davon ab, wie aggressiv der Tumor ist und in welchem Stadium er entdeckt wurde. Dieser Beitrag erklärt dir die wichtigsten Therapie-Optionen, ihre typischen Nebenwirkungen und welche sozialrechtlichen Ansprüche — Krankenbehandlung nach § 27 SGB V, Schwerbehinderung nach § 152 SGB IX, Reha-Maßnahmen — dir zustehen.
Hinweis vorab: Dieser Beitrag fasst den aktuellen Stand der medizinischen Leitlinien und sozialrechtlichen Regelungen zusammen (Stand: Juni 2026). Er ersetzt weder das Gespräch mit deinem Urologen noch die Zweitmeinung in einem Prostata-Krebszentrum. Konkrete Heilungschancen hängen von vielen individuellen Faktoren ab — dein Behandlungsteam kann sie dir am besten einschätzen.
Prostatakrebs auf einen Blick: Zahlen, Stadien, Risikogruppen
Prostatakrebs (Prostatakarzinom, ICD-10-GM C61) entsteht in der Vorsteherdrüse (Prostata). In Deutschland ist er mit etwa 79.600 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste Krebserkrankung bei Männern — noch vor Lungen- und Darmkrebs (ZfKD/RKI 2023). Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei etwa 70 Jahren, rund 90 Prozent der Betroffenen sind bei Diagnose 60 Jahre oder älter. Wichtig zu wissen: Die meisten Prostatakarzinome sind sogenannte „Low-Risk“-Tumore, die sehr langsam wachsen und nie lebensbedrohlich werden. Welche Früherkennungs-Untersuchungen sinnvoll sind und ab welchem Alter die Krankenkasse die Kosten übernimmt, haben wir in einem separaten Beitrag zur Krebs-Früherkennung zusammengefasst.
Die Einteilung in Risikogruppen richtet sich nach drei Faktoren, die dein Urologe nach der Biopsie bestimmt:
- PSA-Wert (Prostata-spezifisches Antigen, gemessen im Blut)
- Gleason-Score (Grade des Tumorgewebes, 6 bis 10) bzw. ISUP-Grad (1 bis 5)
- Tumorstadium (lokal begrenzt vs. lokal fortgeschritten vs. metastasiert)
Daraus ergibt sich eine Einteilung in Low-Risk (PSA unter 10, Gleason 6, Stadium T1–T2a), Intermediate-Risk (PSA 10–20 oder Gleason 7 oder Stadium T2b) und High-Risk (PSA über 20 oder Gleason 8–10 oder Stadium T2c–T4). Die Therapie richtet sich nach dieser Einstufung — und genau hier kommen die unterschiedlichen Therapie-Optionen ins Spiel.
Die fünf wichtigsten Therapie-Optionen im Überblick
Die S3-Leitlinie zum Prostatakarzinom (AWMF-Registernummer 043-022OL) empfiehlt je nach Risikogruppe unterschiedliche Vorgehensweisen. Für dich als Patient bedeutet das: Es gibt nicht „die eine richtige Therapie“, sondern eine individuelle Abwägung zwischen Aggressivität der Behandlung und Nebenwirkungs-Risiko. Die fünf wichtigsten Optionen sind:
- Aktive Überwachung (Active Surveillance) — kontrolliertes Zuwarten mit regelmäßigen Kontrollen
- Radikale Prostatektomie — operative Entfernung der Prostata
- Strahlentherapie (Bestrahlung) — perkutan oder als Brachytherapie
- Hormontherapie (Androgenentzug) — medikamentöse Unterdrückung des Testosterons
- Chemotherapie — bei metastasiertem Prostatakrebs
In den folgenden Abschnitten erklären wir dir jede Option im Detail — mit typischen Einsatzgebieten, Nebenwirkungen und was du sozialrechtlich erwarten kannst.
Aktive Überwachung: kontrolliertes Zuwarten bei Low-Risk-Tumoren
Bei der Aktiven Überwachung (Active Surveillance) wird der Tumor nicht sofort behandelt, sondern engmaschig überwacht. Ziel ist es, Übertherapie zu vermeiden — also aggressive Behandlungen mit Nebenwirkungen, die bei langsam wachsenden Tumoren keinen Überlebensvorteil bringen.
Wann ist Aktive Überwachung sinnvoll?
Die Aktive Überwachung kommt vor allem bei Low-Risk-Prostatakarzinomen in Frage. Die Einschlusskriterien sind in den deutschen Leitlinien klar definiert:
- PSA-Wert unter 10 ng/ml
- Gleason-Score 6 (ISUP-Grad 1)
- Tumorstadium T1c bis T2a
- Tumor in maximal 2 von 10–12 Biopsie-Stanzen betroffen
- Maximal 50 % Tumoranteil pro Stanze
Unter diesen Bedingungen zeigen Studien, dass die krebsspezifische Überlebensrate nach 10 Jahren bei 98–99 % liegt. Etwa 30–50 % der Patienten wechseln im Laufe der Überwachung in eine aktive Therapie — meist wegen Tumorwachstum. Das ist kein Scheitern, sondern geplante Vorsorge.
Wie läuft die Aktive Überwachung ab?
In den ersten zwei Jahren findest du dich meist alle drei Monate zu Kontrolluntersuchungen ein. Dabei werden der PSA-Wert bestimmt und eine Tastuntersuchung (DRU) durchgeführt. Alle 12–18 Monate wird eine Kontroll-Biopsie empfohlen. Wenn der Tumor stabil bleibt, können die Abstände später verlängert werden.
Sozialrechtliche Aspekte der Aktiven Überwachung
Auch bei Aktiver Überwachung hast du Anspruch auf Krankenbehandlung nach § 27 SGB V. Die regelmäßigen PSA-Tests, Biopsien und Arztbesuche werden von der Krankenkasse übernommen. Wichtig: Wenn der Tumor fortschreitet und eine aktive Therapie nötig wird, ändert sich nichts an deinem Krankenbehandlungsanspruch — er bleibt nach § 27 SGB V vollständig erhalten. Eine Schwerbehinderung wird in der Regel erst dann anerkannt, wenn tatsächlich behandlungsbedürftige Folgen auftreten — siehe Abschnitt zu § 152 SGB IX.
§ 27 SGB V Abs. 1 (Krankenbehandlung, verbatim): „Versicherte haben Anspruch auf Krankenbehandlung, wenn sie notwendig ist, um eine Krankheit zu erkennen, zu heilen, ihre Verschlimmerung zu verhüten oder Krankheitsbeschwerden zu lindern.“
Radikale Prostatektomie: operative Entfernung der Prostata
Die radikale Prostatektomie ist die operative Entfernung der gesamten Prostata samt Samenblasen. Sie gilt als Standard-Therapie bei lokal begrenztem Prostatakrebs mit intermediärem oder hohem Risiko. In Deutschland werden pro Jahr rund 25.000 Prostatektomien durchgeführt — vor allem in zertifizierten Prostata-Krebszentren.
Operationsmethoden
Es gibt drei Hauptzugänge:
- Offene Prostatektomie (retropubisch) — klassischer Zugang über einen Bauchschnitt
- Laparoskopische Prostatektomie — minimal-invasiv über kleine Schnitte
- Roboter-assistierte Prostatektomie (Da-Vinci) — häufigster Zugang in deutschen Zentren, präziser, weniger Blutverlust
Die Wahl der Methode hängt von der Erfahrung des Operateurs und den Gegebenheiten der Klinik ab. Onkologische Ergebnisse (Heilungsraten) sind bei erfahrenen Operateuren vergleichbar — egal welche Methode gewählt wird.
Typische Nebenwirkungen
Die Prostatektomie kann zwei wesentliche Nebenwirkungen haben, über die du vor der Operation ausführlich aufgeklärt wirst:
- Harninkontinenz: In den ersten Monaten nach der OP verlieren viele Männer unkontrolliert Urin. Bei den meisten bessert sich das durch Beckenbodentraining deutlich. Nach 12 Monaten sind etwa 90–95 % der Männer wieder kontinent.
- Erektile Dysfunktion: Die für die Erektion wichtigen Nerven verlaufen direkt an der Prostata. Bei nervenschonender Operation bleiben sie oft erhalten, aber eine vorübergehende oder dauerhafte Erektionsstörung ist möglich. Hier helfen Medikamente, Hilfsmittel oder eine Penis-Rehabilitation.
Sozialrechtliche Ansprüche nach Prostatektomie
Nach der Prostatektomie hast du Anspruch auf eine Anschlussheilbehandlung (AHB) — in der Regel direkt im Anschluss an den Krankenhausaufenthalt. Diese onkologische Reha nach § 40 SGB V dauert meist drei Wochen und kann stationär oder teilstationär durchgeführt werden. Bei dauerhafter Inkontinenz oder erektiler Dysfunktion besteht außerdem Anspruch auf Hilfsmittel (Vorlagen, Kondomurinale, Penispumpen) nach § 33 SGB V.
Strahlentherapie: Bestrahlung von außen oder von innen
Die Strahlentherapie ist die zweite große Säule der Prostatakrebs-Therapie. Sie kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn eine Operation nicht möglich oder nicht gewünscht ist — etwa bei älteren Patienten, Vorerkrankungen oder wenn der Tumor bestimmte Eigenschaften hat.
Formen der Strahlentherapie
- Perkutane Strahlentherapie (externe Bestrahlung): Die Prostata wird von außen durch die Haut bestrahlt. Die Behandlung dauert etwa 7–8 Wochen mit täglichen Sitzungen (Montag bis Freitag). Die Dosis liegt bei rund 70–80 Gray.
- Brachytherapie (innere Bestrahlung): Radioaktive „Seeds“ werden direkt in die Prostata eingesetzt. Die Bestrahlung wirkt lokal über mehrere Monate. Die Behandlung ist einmalig, eignet sich aber nur für Low-Risk-Tumore.
- HDR-Afterloading: Kombination aus kurzer hochdosierter Bestrahlung mit temporärer Platzierung der Strahlenquelle. Wird oft in Kombination mit perkutaner Bestrahlung eingesetzt.
Nebenwirkungen der Bestrahlung
Die typischen Nebenwirkungen entwickeln sich oft erst Wochen bis Monate nach Beginn der Bestrahlung:
- Akute Nebenwirkungen: Blasenentzündung (Strahlencystitis), häufiges Wasserlassen, Proktitis (Enddarmreizung), Hautreizungen
- Späte Nebenwirkungen: chronische Blasenprobleme, Darmschäden (selten), erektile Dysfunktion (Entwicklung schleichend über 2–5 Jahre)
Sozialrechtliche Ansprüche
Auch die Strahlentherapie ist Teil der Krankenbehandlung nach § 27 SGB V. Fahrtkosten zur Bestrahlung können unter bestimmten Bedingungen nach § 60 SGB V übernommen werden. Wenn die Strahlentherapie zu bleibenden Schäden führt, ist eine Schwerbehinderung nach § 152 SGB IX möglich — siehe unten.
Hormontherapie: Androgenentzug bei fortgeschrittenem Prostatakrebs
Prostatakrebs wächst testosteronabhängig. Die Hormontherapie (Androgenentzugstherapie, ADT) senkt den Testosteronspiegel und entzieht dem Tumor so den Wachstumsreiz. Sie wird vor allem bei lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Prostatakrebs eingesetzt — oft in Kombination mit Strahlentherapie.
Wann kommt die Hormontherapie zum Einsatz?
- Vor und nach Strahlentherapie bei High-Risk-Tumoren (neoadjuvant/adjuvant)
- Bei lokal fortgeschrittenem Prostatakrebs, wenn eine Operation nicht möglich ist
- Bei metastasiertem Prostatakrebs (in Kombination mit anderen Therapien)
- Bei biochemischem Rezidiv (PSA-Anstieg nach OP oder Bestrahlung)
Durchführung und Wirkstoffe
Die Hormontherapie wird heute meist als Spritzentherapie (Depot-Injektion alle 1, 3 oder 6 Monate) durchgeführt. Wirkstoffe sind GnRH-Agonisten (Leuprorelin, Goserelin, Triptorelin) oder GnRH-Antagonisten (Degarelix, Relugolix). Die Therapie dauert je nach Situation 6 Monate bis mehrere Jahre.
Typische Nebenwirkungen
Der Entzug des Testosterons hat erhebliche Auswirkungen auf den ganzen Körper:
- Hitzewallungen und Schweißausbrüche
- Libidoverlust und erektile Dysfunktion
- Muskelabbau und Gewichtszunahme
- Knochenschwund (Osteoporose) bei Langzeittherapie
- Stimmungsschwankungen, depressive Verstimmungen
- erhöhtes Risiko für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Sozialrechtliche Aspekte
Die Hormontherapie wird vollständig von der Krankenkasse übernommen (§ 27 SGB V). Bei Langzeit-Therapie mit Knochenschwund-Risiko werden regelmäßige Knochendichtemessungen (DEXA) und eine Calcium-/Vitamin-D-Supplementierung empfohlen — diese sind nach § 27 SGB V erstattungsfähig. Eine Schwerbehinderung ist bei fortgeschrittener Erkrankung fast immer anerkennungsfähig.
Chemotherapie: Reservemittel bei metastasiertem Prostatakrebs
Die Chemotherapie kommt beim Prostatakrebs vor allem dann zum Einsatz, wenn der Tumor metastasiert ist und auf Hormontherapie nicht mehr anspricht (kastrationsresistenter Prostatakrebs, mCRPC). Standard ist heute eine Kombination aus Docetaxel + Prednison, gegebenenfalls ergänzt um neuere Substanzen.
Einsatzgebiete
- Metastasierter kastrationsresistenter Prostatakrebs (mCRPC)
- Ergänzend zur Hormontherapie bei bestimmten Hochrisiko-Konstellationen
- In Kombination mit modernen Androgenrezeptor-Signalweg-Inhibitoren (Abirateron, Enzalutamid, Apalutamid)
Nebenwirkungen und Verträglichkeit
Die Chemotherapie beim Prostatakrebs ist gut untersucht und wird in der Regel alle 3 Wochen als Infusion verabreicht. Typische Nebenwirkungen sind Übelkeit, Erschöpfung, Blutbildveränderungen und Haarausfall. Im Vergleich zu anderen Krebsarten ist die Verträglichkeit oft besser, weil Docetaxel niedriger dosiert wird.
Was steht dir sozialrechtlich zu? Schwerbehinderung, Reha, Krankengeld
Prostatakrebs und seine Behandlung können erhebliche Auswirkungen auf deinen Alltag haben. Das Sozialrecht bietet dir eine Reihe von Unterstützungen. Wie das genau bei einer onkologischen Reha nach § 40 SGB V abläuft, welche Voraussetzungen die GdB-Feststellung hat und welche Hilfsmittel nach § 33 SGB V dir zustehen, findest du in den verlinkten Beiträgen.
Schwerbehinderung nach § 152 SGB IX
§ 152 SGB IX Abs. 1 (Feststellung der Behinderung, verbatim): „Auf Antrag des behinderten Menschen stellen die für die Durchführung des Vierzehnten Buches zuständigen Behörden das Vorliegen einer Behinderung und den Grad der Behinderung zum Zeitpunkt der Antragstellung fest.“
Nach § 152 Abs. 1 SGB IX stellen die zuständigen Behörden auf Antrag das Vorliegen einer Behinderung und den Grad der Behinderung (GdB) fest. Bei Prostatakrebs richtet sich der Grad der Behinderung (GdB) nach der Versorgungsmedizin-Verordnung (VersMedV, Anlage). Nach Entfernung eines malignen Prostatatumors im Stadium T1a N0 M0 mit Grading G1 ist eine Heilungsbewährung von zwei Jahren abzuwarten (GdS 50); in den Stadien T1a N0 M0 mit Grading ab G2 und (T1b bis T2) N0 M0 beträgt die Heilungsbewährung fünf Jahre (GdS 50). Nach Entfernung in höheren Stadien wird in der Regel ein GdS von wenigstens 80 anerkannt. Ein Prostatatumor ohne Notwendigkeit einer Behandlung wird mit GdS 50, auf Dauer hormonbehandelt mit wenigstens 60 bewertet. Bei dauerhaften Funktionseinschränkungen — etwa bleibender Inkontinenz oder erektiler Dysfunktion — kann der GdB dauerhaft bestehen bleiben. Die Versorgungsmedizin-Verordnung (VersMedV) enthält in ihren Anlagen detaillierte Anhaltswerte für onkologische Erkrankungen.
Wichtig: Den Antrag auf Schwerbehinderung stellst du beim Versorgungsamt deines Bundeslandes (in Bayern: Zentrum Bayern Familie und Soziales, in NRW: Landschaftsverband). Du brauchst dafür den ärztlichen Befundbericht — den forderst du am besten bei deinem behandelnden Urologen an.
Onkologische Rehabilitation nach § 40 SGB V
Nach Abschluss der Primärtherapie hast du Anspruch auf eine onkologische Reha nach § 40 SGB V. Diese kann stationär in einer Reha-Klinik oder teilstationär/tagesklinisch erfolgen. Inhalte sind Krankengymnastik, Beckenbodentraining, psychologische Unterstützung und Schulungen zum Umgang mit Nebenwirkungen. Die Dauer beträgt in der Regel drei Wochen, eine Verlängerung ist medizinisch begründet möglich.
Wichtig: Den Antrag stellst du über deinen behandelnden Arzt oder direkt bei der Reha-Klinik. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten — inklusive Fahrtkosten, Unterbringung und Verpflegung.
Krankengeld und Arbeitsunfähigkeit
Während der Akutbehandlung und Reha erhältst du in der Regel Krankengeld von deiner Krankenkasse (§ 44 SGB V). Wenn du berufstätig bist, ist dein Arbeitgeber verpflichtet, dich bis zu 6 Wochen weiter zu bezahlen (Entgeltfortzahlung). Danach springt das Krankengeld ein — aktuell 70 Prozent des Bruttogehalts, maximal 90 Prozent des Nettogehalts. Die Dauer des Krankengeldes ist auf längstens 78 Wochen innerhalb von je drei Jahren begrenzt (§ 48 SGB V Abs. 1).
§ 48 SGB V Abs. 1 (Dauer des Krankengeldes, verbatim): „Versicherte erhalten Krankengeld ohne zeitliche Begrenzung, für den Fall der Arbeitsunfähigkeit wegen derselben Krankheit jedoch für längstens achtundsiebzig Wochen innerhalb von je drei Jahren, gerechnet vom Tage des Beginns der Arbeitsunfähigkeit an.“
Häufige Fragen zu Prostatakrebs-Therapie-Optionen
Welche Prostatakrebs-Therapie hat die besten Heilungschancen?
Die Heilungschancen hängen vom Tumorstadium ab, nicht von einer einzelnen Therapie. Bei lokal begrenztem Prostatakrebs liegen die Fünf-Jahres-Überlebensraten für Operation und Bestrahlung bei etwa 95 Prozent. Bei metastasiertem Prostatakrebs sinken die Chancen deutlich, die Therapie zielt dann auf Lebensverlängerung und Linderung.
Was ist der Unterschied zwischen Prostatektomie und Strahlentherapie?
Bei der Prostatektomie wird die Prostata operativ entfernt, bei der Strahlentherapie bleibt das Organ erhalten und wird bestrahlt. Die onkologischen Ergebnisse sind bei vergleichbaren Tumorstadien ähnlich. Die Nebenwirkungen unterscheiden sich: Operation führt häufiger zu sofortiger Inkontinenz, Bestrahlung eher zu schleichenden Darm- oder Blasenproblemen.
Wann ist Aktive Überwachung sinnvoll?
Bei Low-Risk-Tumoren mit niedrigem PSA-Wert, Gleason 6 und begrenztem Tumorbefund. Studien zeigen, dass die krebsspezifische Überlebensrate nach 10 Jahren bei 98–99 % liegt — bei vielen Männern also identisch zur sofortigen Therapie, aber ohne deren Nebenwirkungen.
Welche Nebenwirkungen hat die Hormontherapie?
Hitzewallungen, Libidoverlust, erektile Dysfunktion, Muskelabbau, Knochenschwund und erhöhtes Risiko für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Viele dieser Nebenwirkungen lassen sich durch Begleitmaßnahmen (Sport, Calcium, Vitamin D, Medikamente) abmildern.
Wann bekomme ich eine Schwerbehinderung bei Prostatakrebs?
Während der Erstbehandlung und Reha in der Regel mit einem GdB von mindestens 50 — bei T1a N0 M0 G1 für zwei Jahre, bei T1a N0 M0 ab Grading G2 sowie (T1b bis T2) N0 M0 für fünf Jahre (Heilungsbewährung gemäß VersMedV, Anlage). Bei dauerhaften Funktionseinschränkungen bleibt der GdB dauerhaft bestehen. Den Antrag stellst du beim Versorgungsamt.
Welche Reha-Klinik ist die richtige?
Dein behandelnder Urologe oder das Prostata-Krebszentrum können dir zertifizierte onkologische Reha-Kliniken in deiner Region empfehlen. Die Deutsche Krebsgesellschaft zertifiziert Prostatakrebszentren, die mit Reha-Kliniken kooperieren.
Übernimmt die Krankenkasse alle Therapiekosten?
Ja. Die Behandlung von Prostatakrebs gehört zur regulären Krankenbehandlung nach § 27 SGB V und ist Teil des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenkassen. Du leistest nur die gesetzliche Zuzahlung (z. B. 10 Euro pro Rezept, 10 Euro pro Krankenhaustag für maximal 28 Tage im Jahr).
Was du als nächstes tun kannst
Wenn du gerade eine Prostatakrebs-Diagnose erhalten hast, sind die nächsten Schritte:
- Frag nach einer Zweitmeinung in einem Prostata-Krebszentrum. Die Deutsche Krebsgesellschaft zertifiziert Prostata-Krebszentren, in denen Urologen, Strahlentherapeuten und Onkologen gemeinsam über die beste Therapie beraten.
- Kläre die Risikogruppe deines Tumors. Sie bestimmt maßgeblich, welche Therapie-Optionen sinnvoll sind. Bitte deinen Urologen um eine verständliche Erklärung von PSA-Wert, Gleason-Score und Tumorstadium.
- Stelle rechtzeitig den Schwerbehinderten-Antrag. Warte nicht, bis die Therapie abgeschlossen ist — der GdB wird rückwirkend ab Antragstellung anerkannt.
- Beantrage die Anschlussheilbehandlung (AHB) frühzeitig. Sie sollte innerhalb von 14 Tagen nach Krankenhausentlassung beginnen.
- Tausche dich mit anderen Betroffenen aus. Der Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe (BPS) bietet regionale Selbsthilfegruppen und eine telefonische Beratung.
Rechtlicher Hinweis (RDG): Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar. Bei konkreten sozialrechtlichen Fragen — insbesondere zu Schwerbehinderung, Krankengeld oder Reha-Ansprüchen — wende dich an eine spezialisierte Sozialrechts-Beratung oder einen Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Sozialrecht.
Stand: 23.06.2026 · Autor: Salomo Swoboda · Geprüft gegen: § 27 SGB V, § 152 SGB IX, § 48 SGB V, VersMedV (Stand 23.06.2026), ICD-10-GM C61, S3-Leitlinie Prostatakarzinom AWMF 043-022OL
Quellen und weiterführende Informationen:
- § 27 SGB V Krankenbehandlung — gesetze-im-internet.de
- § 48 SGB V Dauer des Krankengeldes — gesetze-im-internet.de
- Versorgungsmedizin-Verordnung (VersMedV), Anlage — gesetze-im-internet.de
- § 152 SGB IX — gesetze-im-internet.de
- § 40 SGB V Leistungen zur Rehabilitation — gesetze-im-internet.de
- S3-Leitlinie Prostatakarzinom — AWMF 043-022OL
- Prostatakrebs — Onko-Portal der Deutschen Krebsgesellschaft
- Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe e. V.

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