Grüner Star 2026: ICD-10 H40 + Glaukom-Früherkennung + Augendruck

Grüner Star (Glaukom) 2026: Früherkennung, ICD-10 H40 und Sozialleistungen

Was ist der Grüne Star?

Der Grüne Star (medizinisch: Glaukom) ist eine Gruppe von Augenerkrankungen, die den Sehnerv schrittweise schädigen. Unbehandelt führt er zu Gesichtsfeldausfällen und kann in Erblindung enden. In Deutschland ist das Glaukom die häufigste Ursache für eine irreversible Erblindung — nach Schätzungen des Berufsverbands der Augenärzte (BVA) sind rund 1 Million Menschen betroffen, viele davon ohne es zu wissen, weil die Erkrankung schleichend beginnt. Die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten führt das Glaukom unter dem Code H40.- (ICD-10-GM, DIMDI 2026), mit Sub-Codes für die wichtigsten Verlaufsformen.

Du merkst den Grünen Star lange nicht — das macht die Früherkennung so entscheidend. Sind erst einmal Gesichtsfeldausfälle spürbar, ist bereits ein erheblicher Teil des Sehnervs unwiederbringlich verloren. Deshalb übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen bestimmte Vorsorge- und Behandlungsleistungen, deren Rechtsgrundlagen im Fünften Buch Sozialgesetzbuch (SGB V) und Neunten Buch Sozialgesetzbuch (SGB IX) verankert sind.

ICD-10 H40 — die Sub-Codes des Glaukoms

Die ICD-10-Klassifikation unterscheidet beim Glaukom mehrere Verlaufsformen, die für die Therapie und die sozialrechtliche Einordnung relevant sind:

  • H40.0 Glaukomverdacht (okuläre Hypertension) — noch kein Sehnervschaden, aber erhöhter Augeninnendruck.
  • H40.1 Primäres Offenwinkelglaukom — die häufigste Form (ca. 90 % aller Glaukome in Mitteleuropa), schleichender Verlauf über Jahre.
  • H40.2 Primäres Engwinkelglaukom — akute Verlaufsform mit plötzlichem Augendruckanstieg, Augen-Schmerzen und Sehverschlechterung; ein augenärztlicher Notfall.
  • H40.8 Sonstiges Glaukom — sekundäre Glaukome als Folge anderer Augenerkrankungen, Verletzungen oder Medikamente.
  • H40.9 Glaukom, nicht näher bezeichnet — Sammelcode, sollte bei dokumentierter Diagnose vermieden werden.

Diese Differenzierung ist nicht nur medizinisch relevant, sondern auch für die Begutachtung beim Versorgungsamt (GdB-Bewertung nach § 152 SGB IX) und für die Krankenkassenleistungspflege nach § 27 SGB V.

Symptome und Warnzeichen

Anders als der Graue Star (Katarakt, ICD-10 H25) verursacht das Glaukom in der Frühphase keine spürbaren Symptome. Das ist tückisch. Folgende Anzeichen können auf ein fortgeschrittenes Glaukom hindeuten:

  • Gesichtsfeldausfälle (z. B. Stöße gegen Türrahmen, weil das periphere Sehen nachlässt)
  • Einschränkung des Dämmerungs- und Kontrastsehens
  • Druckgefühl im Auge
  • Bei akutem Engwinkelglaukom: starke Augenschmerzen, Übelkeit, gerötetes Auge, Sehen von Farbringen um Lichtquellen

Du solltest bei diesen Zeichen zeitnah eine Augenärztin oder einen Augenarzt aufsuchen. Die augenärztliche Notfall-Sprechstunde ist über die Termin-Service-Stellen der Kassenärztlichen Vereinigungen erreichbar (Telefon 116 117).

Diagnostik: Welche Untersuchungen die Augenärztin macht

Eine umfassende Glaukom-Diagnostik umfasst mehrere Bausteine:

Augeninnendruckmessung (Tonometrie)

Die Messung des Augeninnendrucks (Tonometrie) ist die bekannteste Untersuchung. Ein normaler Augeninnendruck liegt meist zwischen 10 und 21 mmHg. Werte über 21 mmHg gelten als verdächtig — allerdings kann auch ein Normaldruckglaukom (H40.1) bei Werten unter 21 mmHg Sehnervschäden verursachen. Die Messung allein reicht also nicht aus.

Optische Kohärenztomographie (OCT)

Die OCT ist eine hochauflösende Bildgebung des Sehnervs und der Netzhaut. Sie misst die Dicke der Nervenfaserschicht und erkennt Schäden oft Jahre, bevor Gesichtsfeldausfälle spürbar werden. Viele Augenärzte empfehlen die OCT als zentrale Früherkennungs-Untersuchung.

Perimetrie (Gesichtsfeldmessung)

Die Perimetrie prüft das Gesichtsfeld — also wie viel Du in unterschiedlichen Richtungen siehst. Sie ist entscheidend für die Verlaufsbeobachtung und für die sozialmedizinische Beurteilung des Sehvermögens.

Gonioskopie

Die Gonioskopie betrachtet den Kammerwinkel, um ein Engwinkel- von einem Offenwinkelglaukom zu unterscheiden. Das ist wichtig für die Therapieentscheidung.

Diese diagnostischen Leistungen sind nach § 27 SGB V (Krankenbehandlung) Teil der vertragsärztlichen Versorgung und werden von der Krankenkasse übernommen, wenn eine medizinische Notwendigkeit besteht.

Glaukom-Screening: Was zahlt die Krankenkasse?

Eine der häufigsten Fragen lautet: Zahlt die Krankenkasse ein Glaukom-Screening zur Früherkennung? Die Antwort ist differenziert.

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen nach § 25 SGB V (Gesundheitsuntersuchung) ab dem 35. Lebensjahr einen allgemeinen Gesundheits-Check-up. Eine systematische Glaukom-Früherkennungsuntersuchung als Regelleistung für beschwerdefreie Versicherte ist in Deutschland nicht im GKV-Regelleistungskatalog vorgesehen — anders als in einigen anderen europäischen Ländern.

Das hat folgenden Hintergrund: Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat bisher keine ausreichende Evidenz für ein bevölkerungsweites Glaukom-Screening festgestellt. In der Folge musst Du die Kosten für ein Glaukom-Screening bei beschwerdefreien Augen in der Regel selbst tragen — je nach Umfang der Untersuchung 20 bis 80 Euro. Bei vorliegenden Risikofaktoren (familiäre Belastung, Diabetes, höheres Lebensalter, Migräne, bestimmte Medikamente wie langfristige Kortisontherapie) übernehmen viele Krankenkassen die Untersuchung im Einzelfall.

Anders ist die Lage, wenn bereits ein Verdacht oder eine Diagnose besteht: Dann ist die Glaukom-Diagnostik nach § 27 SGB V eine Pflichtleistung der Krankenkasse.

Therapie: Augentropfen, Laser und Operation

Die Therapie zielt darauf ab, den Augeninnendruck zu senken und ein Fortschreiten des Sehnervschadens zu verhindern. Eine Rückgängigmachung bereits eingetretener Schäden ist leider nicht möglich.

Medikamentöse Therapie (Augentropfen)

Augentropfen sind die häufigste Ersttherapie. Eingesetzt werden vor allem Prostaglandin-Analoga, Betablocker, Alpha-Agonisten und Carboanhydrasehemmer. Die Wirkstoffe sind verschreibungspflichtig; die Kosten übernimmt die Krankenkasse nach § 31 SGB V (Arzneimittel). Du leistest eine gesetzliche Zuzahlung von maximal 10 Euro pro Packung, sofern Du nicht nach § 62 SGB V zuzahlungsbefreit bist.

Lasertherapie

Eine Laser-Trabekuloplastik kann bei Offenwinkelglaukom den Abfluss verbessern und den Druck senken. Die Behandlung ist nach § 27 SGB V Krankenbehandlung und wird ambulant durchgeführt.

Operation

Wenn Medikamente und Laser nicht ausreichen, ist eine Operation notwendig. Beispiele sind die Trabekulektomie oder die Implantation eines Drainage-Systems. Eine stationäre Krankenhausbehandlung ist nach § 39 SGB V möglich, wenn die ambulante Therapie nicht ausreicht.

Medizinische Rehabilitation

Bei fortgeschrittenem Sehverlust kann eine Sehbehinderten-Reha nach § 40 SGB V sinnvoll sein. Dazu gehören Schulungen im Umgang mit Sehhilfen, Mobilitätstrainings und psychosoziale Unterstützung. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse auf Antrag.

Schwerbehinderung und GdB bei Glaukom

Ist das Sehvermögen durch das Glaukom dauerhaft eingeschränkt, kannst Du beim Versorgungsamt einen Antrag auf Feststellung einer Schwerbehinderung stellen. Die Rechtsgrundlage ist § 152 SGB IX in Verbindung mit den Versorgungsmedizinischen Grundsätzen (Anlage zu § 2 Versorgungsmedizin-Verordnung, VMG).

Die Begutachtung richtet sich nach der Sehschärfe beider Augen und nach dem Gesichtsfeld. Grobe Orientierungswerte:

  • GdB 30 bei einer Sehschärfe von etwa 0,3 auf dem besseren Auge
  • GdB 50 bis 70 bei einer Sehschärfe unter 0,1 auf dem besseren Auge
  • GdB 80 bis 100 bei hochgradiger Sehbehinderung oder Erblindung

Liegt ein Gesichtsfeldausfall vor (z. B. Halbseitenausfall oder Röhrengesichtsfeld), wird der GdB zusätzlich erhöht. Bei nachgewiesener Erblindung auf einem Auge liegt der GdB in der Regel bei 50; bei beidseitiger Erblindung wird in der Regel ein GdB von 100 anerkannt.

Der Schwerbehindertenausweis bringt verschiedene Nachteilsausgleiche: Steuerliche Erleichterungen, Kündigungsschutz, vorgezogene Altersrente unter bestimmten Voraussetzungen sowie Vergünstigungen im öffentlichen Nahverkehr.

Glaukom und Erwerbsfähigkeit

Führt das Glaukom zu einer erheblichen Einschränkung der Erwerbsfähigkeit, kann eine Erwerbsminderungsrente (EM-Rente) nach § 43 SGB VI in Betracht kommen. Auch die Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben nach §§ 49 ff. SGB IX (zum Beispiel Hilfsmittel am Arbeitsplatz, Bildschirmlesegeräte) sind möglich.

Wenn Du als leistungsbeziehend nach SGB II (Bürgergeld) eingestuft bist, hast Du bei nachgewiesener Schwerbehinderung oder Erwerbsminderung möglicherweise Anspruch auf Mehrbedarfe nach § 21 SGB II (siehe Beitrag zum Bürgergeld).

Vorsorge: Was Du selbst tun kannst

Eine direkte Vorbeugung des primären Offenwinkelglaukoms ist nicht möglich — die Erkrankung ist überwiegend genetisch bedingt. Trotzdem gibt es Empfehlungen:

  • Ab dem 40. Lebensjahr alle zwei Jahre augenärztliche Vorsorge mit Augeninnendruckmessung, möglichst ergänzt durch OCT und Perimetrie.
  • Bei familiärer Vorbelastung (Eltern oder Geschwister mit Glaukom) deutlich früher und häufiger.
  • Regelmäßige Kontrolle bei Diabetikern, da ein Diabetes mellitus das Glaukom-Risiko erhöht.
  • Keine langfristige Einnahme von Kortisonpräparaten ohne augenärztliche Kontrolle, da Stereoide den Augeninnendruck steigern können.
  • Rauchen aufgeben — Rauchen verschlechtert die Durchblutung des Sehnervs.

Diese Empfehlungen ersetzen keine augenärztliche Beratung. Sprich mit Deiner Augenärztin über Dein persönliches Risiko.

Risikofaktoren im Überblick

Bestimmte Faktoren erhöhen das Risiko, ein Glaukom zu entwickeln. Wenn Du einen oder mehrere dieser Faktoren aufweist, sind frühere und häufigere augenärztliche Kontrollen sinnvoll:

  • Lebensalter: Ab dem 40. Lebensjahr steigt das Risiko deutlich an, ab 70 Jahren ist etwa jeder Zehnte betroffen.
  • Familiäre Vorbelastung: Hat ein Elternteil oder ein Geschwisterteil ein Glaukom, ist Dein eigenes Risiko etwa vier- bis neunfach erhöht.
  • Erhöhter Augeninnendruck: Werte über 21 mmHg sind ein wichtiger Risikofaktor, auch wenn noch kein Sehnervschaden vorliegt.
  • Diabetes mellitus und andere Durchblutungsstörungen
  • Stark ausgeprägte Kurzsichtigkeit (Myopie ab ca. −5 Dioptrien) oder Weitsichtigkeit (Hyperopie)
  • Schwarze Hautfarbe (in Mitteleuropa ein nachgeordneter Faktor, aber epidemiologisch relevant)
  • Migräne und bestimmte Formen der Schlaf-Apnoe (Verdacht auf Durchblutungs-Störung des Sehnervs)
  • Langfristige Einnahme von Kortisonpräparaten (oral, als Inhalation oder als Augentropfen)
  • Augenverletzungen in der Vorgeschichte

Welche Augentropfen-Gruppen es gibt

Die medikamentöse Therapie stützt sich auf mehrere Wirkstoffklassen, die einzeln oder in Kombination eingesetzt werden. Jede Klasse senkt den Augeninnendruck auf andere Weise:

  • Prostaglandin-Analoga (z. B. Latanoprost, Travoprost, Bimatoprost) — einmal täglich angewendet, oft erste Wahl. Sie verbessern den Kammerwasser-Abfluss.
  • Betablocker (z. B. Timolol) — senken die Kammerwasser-Produktion. Bei Asthma und bestimmten Herzrhythmusstörungen kontraindiziert.
  • Alpha-2-Agonisten (z. B. Brimonidin) — senken die Kammerwasser-Produktion und verbessern den Abfluss.
  • Carboanhydrasehemmer (z. B. Dorzolamid, Brinzolamid) — als Augentropfen oder in Tablettenform bei akuten Druckentgleisungen.
  • Kombinationspräparate mit zwei Wirkstoffen in einer Flasche erleichtern die tägliche Anwendung.

Wichtig ist die konsequente, tägliche Anwendung. Eine unregelmäßige Tropfengabe kann zu Druckschwankungen führen, die das Fortschreiten des Sehnervschadens beschleunigen. Die Augentropfen sind verschreibungspflichtig und werden nach § 31 SGB V von der Krankenkasse übernommen.

Verlaufskontrollen nach Diagnose

Nach einer gesicherten Glaukom-Diagnose sind regelmäßige Kontrollen entscheidend. Üblich sind anfangs vierteljährliche, später halbjährliche Termine. Dabei werden Augeninnendruck, Sehnerv-Befund (idealerweise mit OCT), Gesichtsfeld und ggf. der Kammerwinkel kontrolliert. Eine gute Dokumentation in einer augenärztlichen Praxis mit Glaukom-Schwerpunkt hilft, Veränderungen frühzeitig zu erkennen.

Operative Verfahren im Überblick

Reichen Medikamente und Lasertherapie nicht aus, kommen operative Verfahren in Betracht. Die häufigsten Eingriffe:

  • Trabekulektomie: Es wird ein kleines Loch in der Lederhaut angelegt, über das Kammerwasser unter die Bindehaut abfließt. Der Eingriff erfolgt stationär nach § 39 SGB V.
  • Drainage-Implantate (z. B. Ahmed-Valve, Baerveldt-Implantat): Silikon-Röhrchen leiten das Kammerwasser in ein Reservoir. Eingesetzt bei komplizierten Glaukomen.
  • Minimal-invasive Glaukom-Chirurgie (MIGS): Weniger invasive Eingriffe, oft kombiniert mit einer Katarakt-Operation. Geringere Komplikationsrate, aber nicht für alle Glaukom-Formen geeignet.
  • Zyklophoto-Koagulation: Zerstörung von Teilen des Ziliarkörpers, der das Kammerwasser produziert. Eher bei sehr fortgeschrittenen Glaukomen eingesetzt.

Eine stationäre Glaukom-Operation ist in der Regel nach § 39 SGB V Krankenhausbehandlung. Du leistet die gesetzliche Zuzahlung von 10 Euro pro Tag, maximal 28 Tage pro Kalenderjahr (§ 39 Abs. 4 SGB V), sofern Du nicht zuzahlungsbefreit bist.

Hilfsmittel bei Sehbehinderung

Bei zunehmender Sehbehinderung stehen Dir verschiedene Hilfsmittel zu, die nach § 33 SGB V (Hilfsmittel) oder im Rahmen der Rehabilitation nach § 40 SGB V verordnet werden können:

  • Vergrößernde Sehhilfen wie Lupenbrillen, Handlupen oder elektronische Lesegeräte
  • Bildschirmlesegeräte für Schriftstücke und Bücher
  • Sprachausgaben und Vorlesesysteme
  • Anpassungen am Arbeitsplatz nach §§ 49 ff. SGB IX (Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben)
  • Mobilitätstrainings (Orientierung und Mobilität, O&M) für hochgradig Sehbehinderte
  • Lebenspraktische Fähigkeiten (LPF) — Training alltäglicher Handlungen

Den Antrag auf Hilfsmittel oder Rehabilitationsleistungen stellst Du bei Deiner Krankenkasse. Die Augenärztin oder der Augenarzt verordnet die Hilfsmittel, die Krankenkasse prüft die Bewilligung.

Glaukom in besonderen Lebensphasen

Glaukom und Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft und Stillzeit können bestimmte Augentropfen-Gruppen nicht oder nur eingeschränkt angewendet werden (zum Beispiel Betablocker und Prostaglandin-Analoga). Eine enge Abstimmung zwischen Augenärztin, Gynäkologin und Hausärztin ist notwendig. Die medizinische Notwendigkeit der Glaukom-Behandlung bleibt während der Schwangerschaft bestehen, weil ein Fortschreiten des Sehnervschadens irreversibel ist.

Glaukom bei Kindern

Angeborene Glaukome (kindliche Glaukome) sind selten, erfordern aber eine umgehende augenärztliche und oft operative Behandlung. Entwicklungsglaukome bei Kindern mit anderen Augenerkrankungen werden in spezialisierten Zentren behandelt. Ansprechpartner ist die Universitäts-Augenklinik.

Soziale Absicherung und Alltag

Wenn das Glaukom Dein Sehvermögen dauerhaft einschränkt, kannst Du über die genannten Hilfen hinaus weitere Sozialleistungen in Anspruch nehmen. Dazu gehören:

  • Pflegegrad nach § 14 SGB XI: Wenn Du im Alltag auf Hilfe angewiesen bist, kann ein Pflegegrad ab Pflegegrad 1 beantragt werden.
  • Blindenhilfe nach § 72 SGB XII: Bei hochgradiger Sehbehinderung oder Blindheit, ergänzend zu Pflegeleistungen.
  • Eingliederungshilfe nach § 112 SGB IX: Für Maßnahmen, die die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft sichern.
  • Wohngeld und Bürgergeld-Mehrbedarfe: Bei nachgewiesener Schwerbehinderung oder Erwerbsminderung.

Eine Erstberatung beim Sozialrat Deutschland e. V. hilft, die für Deine Situation passenden Leistungen zu identifizieren und Anträge korrekt zu stellen. Bei ablehnenden Bescheiden kannst Du Widerspruch einlegen — die Frist beträgt einen Monat ab Zugang des Bescheids.

FAQ zum Grünen Star

Wie hoch darf der Augeninnendruck sein?

Ein normaler Augeninnendruck liegt zwischen 10 und 21 mmHg. Werte über 21 mmHg sind verdächtig, aber kein Beweis für ein Glaukom. Umgekehrt kann auch ein niedriger Druck (unter 10 mmHg) bei entsprechendem Sehnervschaden auf ein Normaldruckglaukom hindeuten.

Ab welchem Alter sollte man zum Glaukom-Screening?

Ab dem 40. Lebensjahr empfiehlt der Berufsverband der Augenärzte eine regelmäßige Vorsorge. Bei familiärer Vorbelastung bereits ab dem 30. Lebensjahr.

Ist ein Glaukom heilbar?

Nein, ein bereits eingetretener Sehnervschaden ist nicht reversibel. Eine konsequente Therapie kann das Fortschreiten jedoch in den meisten Fällen deutlich verlangsamen oder stoppen.

Zahlt die Krankenkasse die Augeninnendruckmessung?

Wenn ein konkreter Verdacht oder eine Diagnose vorliegt, ja. Ein reines Screening bei Beschwerdefreiheit ist keine Regelleistung der GKV — die Kosten musst Du in der Regel selbst tragen.

Welche Hilfsmittel stehen mir bei fortgeschrittenem Glaukom zu?

Im Rahmen der medizinischen Rehabilitation nach § 40 SGB V können vergrößernde Sehhilfen, Bildschirmlesegeräte und andere Hilfsmittel verordnet werden. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse.

Wie läuft der Schwerbehinderten-Antrag ab?

Du stellst den Antrag beim zuständigen Versorgungsamt. Nötig sind augenärztliche Befunde, Gesichtsfeld- und Sehschärfen-Gutachten. Die Bearbeitung dauert meist mehrere Wochen.

Kann ich mit einem Glaukom Auto fahren?

Eine Fahrerlaubnis ist trotz Glaukom möglich, solange die Sehschärfe und das Gesichtsfeld den Anforderungen der Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) entsprechen. Im Zweifel entscheidet eine augenärztliche Begutachtung.

Weiterführende Themen

Mehr zu verwandten Augenerkrankungen findest Du auf unserer Seite zum Grauen Star und Katarakt-OP sowie zur Makuladegeneration und IVOM-Therapie. Wenn Du wissen willst, welche Schwerbehinderungs-Anerkennung bei Augenerkrankungen möglich ist, lies den Beitrag Schwerbehinderung bei Augenerkrankung.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine augenärztliche Beratung. Bei akuten Augenschmerzen oder plötzlicher Sehverschlechterung wende Dich umgehend an eine Augenärztin, einen augenärztlichen Notdienst oder eine Augenklinik. Für sozialrechtliche Fragen rund um Krankenkassenleistungen, Schwerbehinderung oder Erwerbsminderung kannst Du Dich an Sozialrat Deutschland e. V. wenden.

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