Restless Legs 2026: ICD-10 G25.81 + Therapie

Restless Legs 2026: ICD-10 G25.81 + Therapie

Du liegst abends im Bett, deine Beine kribbeln, zucken oder ziehen – und du musst sie ständig bewegen, damit die Beschwerden nachlassen? Das sind die typischen Zeichen des Restless-Legs-Syndroms (RLS). Die neurologische Erkrankung ist mit einer Häufigkeit von 5–10 % in der deutschen Bevölkerung verbreitet, wird aber oft erst nach Jahren erkannt. Die wichtigste Therapie-Stütze sind Dopaminagonisten; ein häufiger Auslöser – der behandelbar ist – ist Eisenmangel. Wenn du die Diagnose stellst und behandelst, kannst du deinen Schlaf und deine Lebensqualität deutlich verbessern – und einige Sozialleistungen einordnen.

📌 Restless Legs Syndrom (ICD-10-Code G25.81) ist eine neurologische sensorisch-motorische Erkrankung mit unangenehmen Empfindungen in den Beinen und Bewegungsdrang in Ruhe. Die Therapie umfasst nicht-medikamentöse Maßnahmen (Schlafhygiene, Bewegung), Behandlung einer Ursache – vor allem Eisenmangel – und medikamentöse Therapie mit Dopaminagonisten (Pramipexol, Ropinirol), alpha-2-delta-Liganden (Gabapentin, Pregabalin) und in Einzelfällen Opioiden.


Was ist das Restless-Legs-Syndrom? Definition und ICD-10 G25.81

Das Restless-Legs-Syndrom (RLS, im Englischen Willis-Ekbom-Disease) ist eine neurologische Erkrankung, die durch vier diagnostische Kernkriterien definiert ist. Der ICD-10-Code G25.81 wurde eigens für diese Erkrankung in die German Modification (GM) aufgenommen, um sie von sonstigen extrapyramidalen Krankheiten abzugrenzen.

Die vier UKB-Kriterien – so stellst du RLS fest

Die Internationale Restless-Legs-Studiengruppe (IRLSSG) hat die Diagnose-Kriterien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) festgelegt. Alle vier müssen erfüllt sein:

  • Bewegungsdrang der Beine – meist begleitet von unangenehmen Empfindungen wie Kribbeln, Ziehen, Brennen oder Schmerzen
  • Beginn oder Verschlechterung in Ruhe (Sitzen, Liegen)
  • Besserung durch Bewegung – Aufstehen, Umhergehen, Dehnen
  • Abends und nachts schlimmer als tagsüber (zirkadiane Komponente)

Wenn du diese vier Punkte bei dir wiedererkennst, ist RLS sehr wahrscheinlich – eine neurologische Abklärung sichert die Diagnose und schließt andere Ursachen aus.

ICD-10-Codes im Überblick

In der ICD-10-GM 2026 sind für das Restless-Legs-Syndrom und verwandte Diagnosen folgende Codes relevant:

  • G25.81 Restless-Legs-Syndrom (eigener Code seit 2019)
  • G25.80 Periodische Beinbewegungen im Schlaf (PLMS) ohne RLS-Symptomatik
  • G25.88 Sonstige näher bezeichnete extrapyramidale Krankheiten
  • G25.9 Extrapyramidale Krankheit, nicht näher bezeichnet

Wenn du in einem Arztbrief oder Bescheid den Code G25.81 liest, ist die Diagnose klar – und du kannst Therapie sowie Sozialleistungen gezielt einordnen.


Symptome: Wie sich RLS anfühlt

RLS-Symptome sind sehr unterschiedlich – von leichtem Kribbeln bis zu heftigem Bewegungsdrang mit Schlafentzug. Wichtig zu wissen: Die Erkrankung verläuft meist chronisch, kann aber schubweise stärker oder schwächer ausgeprägt sein.

Sensorische Symptome – Kribbeln, Ziehen, Schmerzen

Die meisten Betroffenen beschreiben unangenehme Empfindungen in den Unterschenkeln – seltener in Oberschenkeln, Füßen oder Armen. Häufige Schilderungen:

  • Kribbeln („als ob Ameisen laufen“)
  • Ziehen oder Reißen tief in den Muskeln
  • Brennen oder Hitzegefühl
  • Schmerzen, die sich nicht zuordnen lassen
  • Innere Unruhe mit starkem Bewegungsdrang

Die Symptome treten beidseitig auf, können aber seitendifferent sein. In schweren Fällen greifen sie auf Arme und sogar den Rumpf über.

Motorische Symptome – periodische Beinbewegungen (PLMS)

Etwa 80 % der RLS-Betroffenen haben zusätzlich periodische Beinbewegungen im Schlaf (Periodic Limb Movements in Sleep, PLMS). Dabei zucken die Beine alle 20–40 Sekunden unwillkürlich – oft ohne dass du es bemerkst. Die Folgen sind fragmentierter Schlaf, Tagesmüdigkeit und Konzentrationsprobleme. Eine Schlaflabor-Untersuchung (Polysomnographie) kann PLMS objektiv messen.

Tagesmüdigkeit, Erschöpfung und psychische Folgen

Dauerhafter Schlafentzug durch RLS hat erhebliche Folgen: Tagesmüdigkeit, Reizbarkeit, depressive Verstimmungen und Konzentrationsprobleme. Eine aktuelle Auswertung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie zeigt, dass RLS-Patientinnen und -Patienten ein zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko für Depression und Angststörungen haben – nicht wegen der Erkrankung selbst, sondern wegen des chronischen Schlafmangels.


Eisenmangel als häufigste behandelbare Ursache

Eisenmangel ist der wichtigste behandelbare Auslöser von RLS – und sollte immer als Erstes untersucht werden. Die Verbindung zwischen Eisen und Dopamin-Stoffwechsel im Gehirn ist heute gut verstanden.

Warum Eisen so wichtig ist

Eisen ist Cofaktor der Tyrosin-Hydroxylase, dem Schlüsselenzym der Dopamin-Synthese. Wenn der Eisenspiegel im Gehirn sinkt – auch bei normalem Blut-Eisen – funktioniert die Dopamin-Übertragung schlechter. Das Nervensystem wird übererregbar, was sich als RLS-Symptome äußert. Studien zeigen, dass ein Ferritin-Wert unter 75 µg/l mit deutlich verstärkten RLS-Beschwerden einhergeht.

Welche Blutwerte du prüfen lassen solltest

Bei Verdacht auf RLS gehört ein Eisenstatus zur Basisdiagnostik. Wichtig sind diese Werte:

  • Ferritin (Speichereisen) – Zielwert bei RLS: > 75 µg/l, besser 100 µg/l
  • Transferrin-Sättigung – sollte über 20 % liegen
  • Hämoglobin – bei Eisenmangel-Anämie erniedrigt
  • CRP – hilft, Ferritin bei Entzündung richtig zu interpretieren

Dein Hausarzt oder deine Hausärztin kann diese Werte anordnen. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse nach § 27 SGB V (Behandlung) bzw. über die hausärztliche Versorgung.

Eisen-Substitution: oral oder intravenös?

Wenn der Ferritin-Wert unter 75 µg/l liegt, ist eine Eisen-Substitution sinnvoll. Es gibt zwei Wege:

  • Oral: Eisen-Tabletten oder -Kapseln (z. B. Eisen(II)-Sulfat). Günstig, aber magenreizend und langsam wirksam (3–6 Monate).
  • Intravenös: Eisen-Infusion (z. B. Eisencarboxymaltose). Wirkt innerhalb von Wochen, wird eingesetzt, wenn orale Präparate nicht vertragen werden oder schneller Wirkung erforderlich ist.

Die DGN-Leitlinie empfiehlt bei RLS-Patientinnen und -Patienten mit Ferritin unter 75 µg/l bevorzugt die intravenöse Gabe, weil sie schneller wirkt. Die Kosten übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen, wenn die ärztliche Begründung dokumentiert ist.


Dopaminagonisten – das medikamentöse Standbein

Wenn nicht-medikamentöse Maßnahmen und Eisensubstitution nicht ausreichen, sind Dopaminagonisten die erste Wahl in der medikamentösen RLS-Therapie. Sie wirken direkt an den Dopamin-Rezeptoren und lindern den Bewegungsdrang.

Welche Wirkstoffe eingesetzt werden

In Deutschland sind für RLS zugelassen:

  • Pramipexol (z. B. Sifrol®) – häufigstes RLS-Medikament, niedrige Dosis (0,125–0,75 mg)
  • Ropinirol (z. B. Adartrel®) – ähnliche Wirkweise
  • Rotigotin (Neupro® Pflaster) – bei Schlafproblemen praktisch, gleichmäßige Wirkung über 24 Stunden

Die Dosis ist bei RLS deutlich niedriger als bei Parkinson – oft reichen Bruchteile der Parkinson-Dosis. Wichtig: Die Aufsättigung sollte langsam erfolgen, um Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Schwindel zu minimieren.

Wichtige Warnung: Augmentation

Eine häufige Nebenwirkung ist die sogenannte Augmentation: Die Symptome werden im Laufe der Zeit stärker, treten früher am Tag auf und breiten sich auf andere Körperteile aus. Etwa 5–10 % der Patientinnen und Patienten pro Behandlungsjahr sind davon betroffen. Wenn du merkst, dass deine Medikamente nachlassen oder die Beschwerden zunehmen, sprich mit deinem Neurologen – eine Dosisanpassung oder ein Wechsel auf alpha-2-delta-Liganden (Gabapentin, Pregabalin) kann helfen.

Alternative: alpha-2-delta-Liganden

Bei Augmentation, bei RLS mit Schmerzen oder bei Patientinnen und Patienten mit zusätzlicher Depression sind alpha-2-delta-Liganden die bessere Wahl:

  • Gabapentin (z. B. Neurontin®)
  • Pregabalin (z. B. Lyrica®)

Beide wirken nicht direkt auf Dopamin, sondern modulieren die Calcium-Kanäle im Nervensystem. Sie bessern sowohl die sensorischen Symptome als auch den Schlaf.


Diagnose: Was beim Neurologen passiert

Die Diagnose RLS ist primär klinisch – das heißt, sie wird durch das Gespräch und die typische Symptomatik gestellt. Es gibt keinen einzelnen Bluttest oder Apparate-Test, der RLS beweist. Aber verschiedene Untersuchungen schließen andere Ursachen aus.

Anamnese und Fragebogen

Dein Neurologe oder deine Neurologin wird dir gezielte Fragen stellen: Wann treten die Beschwerden auf? Was bessert sie? Gibt es RLS in der Familie? Auch Fragebögen wie die IRLSSG-Skala (International RLS Severity Scale) helfen, den Schweregrad zu bestimmen – Werte über 20 zeigen ein mittleres, über 30 ein schweres RLS.

Laboruntersuchungen

Zum Ausschluss anderer Ursachen und zur Therapieplanung werden folgende Werte bestimmt:

  • Eisenstatus (Ferritin, Transferrin-Sättigung, CRP)
  • Nierenwerte (Kreatinin, GFR) – Niereninsuffizienz ist ein häufiger RLS-Auslöser
  • Schilddrüsenwerte (TSH, fT3, fT4)
  • Blutzucker und HbA1c – Diabetes mellitus als Ursache
  • Vitamin B12 und Folsäure

Schlaflabor (Polysomnographie)

Bei unklarem Befund oder zur Abgrenzung gegen andere Schlafstörungen kann ein Schlaflabor-Aufenthalt sinnvoll sein. Die Polysomnographie zeichnet Hirnströme, Atmung und Beinbewegungen während des Schlafs auf und erkennt PLMS (periodische Beinbewegungen) sicher. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten bei medizinischer Notwendigkeit nach § 27 SGB V.


Therapie ohne Medikamente: Was du selbst tun kannst

Nicht-medikamentöse Maßnahmen sind bei leichtem bis mittlerem RLS oft die erste Empfehlung – und sie ergänzen die medikamentöse Therapie sinnvoll.

Schlafhygiene: Die Basis

Eine gute Schlafhygiene hilft, den zirkadianen Anteil der RLS-Symptome zu mildern:

  • Feste Schlafenszeiten – auch am Wochenende
  • Abends kein Koffein, Alkohol oder schwere Mahlzeiten
  • Kühles, dunkles Schlafzimmer (16–18 °C)
  • Bildschirmzeit 1–2 Stunden vor dem Schlafen reduzieren

Bewegung und Dehnung

Regelmäßige, moderate Bewegung bessert RLS-Symptome oft deutlich. Gut geeignet sind:

  • Spaziergänge am Abend
  • Dehnübungen für Waden und Oberschenkel vor dem Schlafen
  • Yoga oder Pilates – Studien zeigen Linderung bei regelmäßiger Praxis
  • Radfahren oder Schwimmen

Achtung: Übermäßiges Training am Abend kann RLS hingegen verschlechtern – die Dosis macht’s.

Massage, Wechselduschen und Kälte/Wärme

Einige Patientinnen und Patienten schwören auf Beinmassagen, kalte oder warme Fußbäder und Wechselduschen. Die Wirkung ist individuell verschieden – probiere aus, was dir guttut.


Sozialleistungen und Schwerbehinderung bei RLS

RLS ist nicht heilbar, aber gut behandelbar. Wenn die Erkrankung schwerwiegend ist und den Alltag erheblich einschränkt, kommen Sozialleistungen in Frage – vor allem Schwerbehinderung (GdB) und Pflegegrad.

GdB-Tabelle nach Versorgungsmedizin-Verordnung (VersMedV)

Die Versorgungsmedizin-Verordnung (VersMedV) bewertet Funktionsstörungen nach Schweregrad. Bei RLS gilt:

  • GdB 10–20: Leichtes RLS, seltene Beschwerden
  • GdB 30–40: Mittelgradiges RLS mit regelmäßigen, aber behandelbaren Beschwerden
  • GdB 50: Schweres RLS mit ständiger Therapie und deutlicher Alltagseinschränkung
  • GdB 50–80: Sehr schweres RLS, therapieresistent oder mit Augmentation

Für die Antragstellung brauchst du ein aussagekräftiges ärztliches Attest – idealerweise vom Neurologen oder einer Spezialambulanz. Wie du den Antrag stellst, erklären wir im GdB 50 Ratgeber.

Pflegegrad bei RLS – wann sinnvoll?

Wenn dein Schlaf so stark gestört ist, dass du dich nicht mehr selbst versorgen kannst (Konzentration, Mobilität), kann ein Pflegegrad nach SGB XI in Frage kommen. Die Krankenkasse prüft den Antrag nach § 27 SGB V in Verbindung mit § 14 SGB XI über ein Begutachtungsverfahren durch den MDK. In akuten Fällen hilft dir der Pflegegrad Sofortantrag.

Krankschreibung und Wiedereingliederung

Bei schwerer Symptomatik kann eine Krankschreibung sinnvoll sein – insbesondere, wenn die RLS-Medikamente neu eingestellt werden. Dein Hausarzt oder Neurologe stellt die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung aus. Wenn du länger als 6 Wochen krank bist, kommt die stufenweise Wiedereingliederung (Hamburger Modell) in Frage – gesetzliche Grundlage ist § 74 SGB V.


FAQ

Was ist der ICD-10-Code für Restless Legs Syndrom?

Das Restless-Legs-Syndrom hat in der ICD-10-GM 2026 den eigenen Code G25.81. Er wurde eingeführt, um die Erkrankung von sonstigen extrapyramidalen Bewegungsstörungen abzugrenzen und eine klare Diagnose-Codierung zu ermöglichen.

Welcher Arzt ist für Restless Legs zuständig?

Erste Anlaufstelle ist dein Hausarzt oder deine Hausärztin für die Basisdiagnostik (Blutwerte, Anamnese). Bei Verdacht auf RLS oder zur Therapie-Einstellung überweist er oder sie dich zum Neurologen. Spezialambulanzen für Schlafmedizin oder Bewegungsstörungen gibt es an größeren Kliniken.

Wie viel Eisen brauche ich bei RLS?

Der Ferritin-Wert im Blut sollte über 75 µg/l liegen, idealerweise über 100 µg/l. Das ist höher als der Normalwert für die Allgemeinbevölkerung. Bei Werten darunter empfiehlt die DGN-Leitlinie eine Eisensubstitution – bevorzugt intravenös, weil sie schneller wirkt.

Sind Dopaminagonisten bei RLS gefährlich?

Dopaminagonisten sind wirksam, aber nicht nebenwirkungsfrei. Die häufigste Langzeit-Nebenwirkung ist die Augmentation (Zunahme der Symptome trotz Medikamenteneinnahme). Außerdem können Impulskontrollstörungen auftreten (z. B. Spielsucht, Kaufsucht, Hypersexualität). Sprich mit deinem Neurologen über diese Risiken und melde Veränderungen sofort.

Ist RLS vererbbar?

Ja – etwa 40–60 % der Patientinnen und Patienten haben eine familiäre Häufung. Mehrere Gen-Varianten sind bekannt, die das Risiko erhöhen (u. a. BTBD9, MEIS1). Wenn Verwandte ersten Grades ebenfalls betroffen sind, steigt dein eigenes Risiko um ein Vielfaches.

Welche Sozialleistungen helfen bei Restless Legs am meisten?

Bei schwerem RLS sind vor allem drei Leistungen relevant: Schwerbehinderung (GdB) mit den entsprechenden Nachteilsausgleichen (Steuerfreibetrag, Parkerleichterung bei Merkzeichen G), Pflegegrad bei eingeschränkter Selbstversorgung und stationäre oder ambulante Schlaflabor-Diagnostik nach § 27 SGB V bei der Krankenkasse.

Was kann ich selbst gegen RLS tun?

Die wichtigsten Selbsthilfe-Maßnahmen sind: Eisenstatus prüfen und substituieren, regelmäßige Bewegung (nicht zu spät am Abend), gute Schlafhygiene, Koffein und Alkohol am Abend vermeiden und Dehnübungen vor dem Schlafen. Im Polyneuropathie-Beitrag findest du weitere Nerven- und Schlaf-Tipps.


Praxisbeispiele aus der Beratung

Fall 1: 54-jährige Frau mit Eisenmangel-RLS

Sabine M. (54) leidet seit drei Jahren an Schlafstörungen. Sie schläft erst gegen 3 Uhr ein, weil ihre Beine „nicht zur Ruhe kommen“. Die Hausärztin findet einen Ferritin-Wert von 18 µg/l – deutlich zu niedrig. Nach zwei Eisen-Infusionen und Pramipexol in niedriger Dosis (0,125 mg) bessern sich die Beschwerden innerhalb von vier Wochen. Sieben Monate später kann sie das Pramipexol schrittweise absetzen – das Eisen reicht jetzt aus.

Fall 2: 61-jähriger Mann mit Augmentation unter Pramipexol

Karl-Heinz B. (61) nimmt seit fünf Jahren Pramipexol (0,5 mg). Die Beschwerden haben sich aber verschlimmert: Sie treten jetzt schon am späten Nachmittag auf, nicht nur abends. Das ist eine klassische Augmentation. In Rücksprache mit dem Neurologen wird Pramipexol über vier Wochen ausgeschlichen und auf Pregabalin (150 mg) umgestellt. Nach sechs Wochen bessern sich die Symptome deutlich.

Fall 3: 38-jährige Frau in der Schwangerschaft

Lena K. (38) ist in der 28. Schwangerschaftswoche und bekommt erstmals RLS-Beschwerden. Schwangerschafts-RLS ist häufig (etwa 20 % der Schwangeren) und bessert sich meist nach der Entbindung. Therapie der Wahl ist Eisensubstitution (wenn Ferritin unter 75 µg/l) sowie Schlafhygiene und Bewegung. Medikamente werden in der Schwangerschaft nur zurückhaltend eingesetzt – ärztliche Rücksprache ist Pflicht.


Glossar: Fachbegriffe rund um Restless Legs

  • Augmentation: Verschlechterung der RLS-Symptome trotz gleichbleibender Medikamentendosis; typische Nebenwirkung von Dopaminagonisten.
  • Dopaminagonisten: Medikamente, die Dopamin-Rezeptoren aktivieren; erste Wahl bei RLS-Medikation.
  • Ferritin: Speicherform von Eisen im Blut; wichtigster Laborwert bei RLS-Diagnostik.
  • ICD-10-GM: German Modification der International Classification of Diseases; deutscher Diagnose-Katalog.
  • IRLSSG: International Restless Legs Syndrome Study Group – internationales Fachgremium, das Diagnosekriterien und Forschung koordiniert.
  • PLMS: Periodic Limb Movements in Sleep – periodische Beinbewegungen im Schlaf, häufige Begleiterscheinung von RLS.
  • Polysomnographie: Messung im Schlaflabor; zeichnet Hirnströme, Atmung und Bewegungen auf.
  • VersMedV: Versorgungsmedizin-Verordnung; Grundlage für GdB-Bewertung beim Versorgungsamt.

Nächste Schritte — was du jetzt tun kannst

Wenn du den Verdacht hast, dass du Restless Legs hast, ist der erste Schritt ein Termin beim Hausarzt für eine Blutabnahme (Eisenstatus, Schilddrüse, Nierenwerte). Bei Bestätigung folgt die Überweisung zum Neurologen. Wichtig: Setze Dopaminagonisten nicht eigenmächtig ab – das kann schwere Rebound-Symptome auslösen. Im Container-Beitrag zu neurologischen Erkrankungen findest du weitere Übersichten zu Migräne, Epilepsie und Co.

Hinweis: Dieser Beitrag informiert über das Restless-Legs-Syndrom und stellt medizinisches Hintergrundwissen vor. Er ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapie. Bei akuten Beschwerden oder vor Therapie-Änderungen sprich bitte mit deinem Arzt oder deiner Ärztin. Die Inhalte wurden nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert, können aber Fehler enthalten. Stand: 21.06.2026. Autor-Team Sozialrat Deutschland e. V.

Geprüft von: Salomo Swoboda, Vereinsgründer Sozialrat Deutschland e. V. Stand: 21.06.2026.

Quellen (extern):

Quellen (intern):

Autor: Salomo Swoboda, Vereinsgründer Sozialrat Deutschland e. V.

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