Prothese-Reha 2026: § 16 SGB VI + § 47 SGB IX + Mobilisierung

Prothese-Reha 2026: § 16 SGB VI + § 47 SGB IX + Mobilisierung

Nach einer Amputation beginnt die eigentliche Arbeit erst mit der Prothese. Die Reha — also die medizinische Rehabilitation, die Mobilisierung und die Teilhabe am Alltag — entscheidet darüber, ob das Hilfsmittel sein volles Potenzial entfaltet oder ob es in der Schublade bleibt. Welche Rehabilitation du bekommst, hängt davon ab, **wer dein Reha-Träger ist** — und genau hier trennt sich die gesetzliche Spur: Rentenversicherung, gesetzliche Unfallversicherung (Berufsgenossenschaft) oder Eingliederungshilfe nach SGB IX. Dieser Beitrag zeigt dir, welche Träger nach welcher Norm zuständig sind, wie die Mobilisierung in der Praxis abläuft und welche Wege zur Prothese-Reha dir offenstehen.

**Hinweis:** Dies ist keine Rechtsberatung. Wir vermitteln Wissen über Sozialleistungen und Hilfsmittel. Für eine verbindliche rechtliche Auskunft wende dich bitte an eine Beratungsstelle (VdK, Sozialverband Deutschland, Verbraucherzentrale) oder einen Rechtsanwalt.

Inhalt

  • Prothese-Reha: Was heißt das eigentlich?
  • Drei Reha-Träger, drei Wege
  • § 16 SGB VI: Reha der Rentenversicherung
  • § 47 SGB IX: Eingliederungshilfe als Reha-Pendant
  • § 18 SGB IX: Antrag und Fristen
  • § 14 SGB I: Beratungspflicht der Reha-Träger
  • ICD-10-Codes S78 / S88 / S58: Amputationen
  • Mobilisierung: Phasen nach der Prothesen-Versorgung
  • Antrag Schritt für Schritt
  • Häufige Fehler und wie du sie vermeidest
  • FAQ

Prothese-Reha: Was heißt das eigentlich?

Eine **Prothese** (Körperersatzstück nach § 33 SGB V Abs. 1) ist nur so gut wie die Rehabilitation, die sie einbettet. Ohne gezielte Mobilisierung, ohne Kraftaufbau im Stumpf, ohne Gangschule mit Orthopädietechniker-Meisterbetrieb wird die Prothese zum teuren Stumpf-Attribut.

Die **Rehabilitation nach Amputation** gliedert sich typischerweise in:

  • **Früh-Reha (Akutphase):** Wundheilung, Stumpfkonditionierung, Lymphdrainage, Mobilisierung mit Interims-Prothese (falls medizinisch sinnvoll).
  • **Haupt-Reha (Definitiv-Versorgung):** Anpassung der endgültigen Prothese, Gangschule, Kraft- und Gleichgewichtstraining, Alltagsübungen (Anziehen, Treppen steigen, Sitzen, Boden aufstehen).
  • **Nachsorge und Erhalt:** Prothesen-Wartung, Wiederholungs-Anpassung, ggf. Wechsel auf neue Prothese bei Stumpf-Volumenänderung.

Welche dieser Phasen die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) als **„Hilfsmittel-Reha“** über § 33 SGB V Abs. 1 finanziert und welche ein **eigener Reha-Träger** (RV / BG / Eingliederungshilfe) als „Leistung zur medizinischen Rehabilitation“ trägt, ist die Schlüsselfrage für jeden Antrag. Wer hier falsch anträgt, läuft in eine Ablehnung.

Drei Reha-Träger, drei Wege

Die wichtigste Weichenstellung nach einer Amputation ist die Frage: **Wer ist Reha-Träger?**

Die Auswahl hängt davon ab, **warum** amputiert wurde und **welche Erwerbssituation** besteht:

  1. **Rentenversicherung (RV, SGB VI)** — § 16 SGB VI

– Träger: Deutsche Rentenversicherung Bund oder Regionalträger (z. B. DRV Knappschaft-Bahn-See).

– Anspruch: Versicherte mit ausreichender Beitragszeit oder Antrag auf Erwerbsminderungsrente, deren Erwerbsfähigkeit **erheblich gefährdet** ist.

– Ziel: Erhalt oder Wiederherstellung der **Erwerbsfähigkeit** (Reha vor Rente, § 9 SGB VI).

  1. **Gesetzliche Unfallversicherung (BG, SGB VII)**

– Träger: zuständige Berufsgenossenschaft (z. B. BG Bau, BG Verkehr, VBG) oder Unfallkasse.

– Anspruch: Bei **Arbeitsunfall, Wegeunfall oder Berufskrankheit** (§ 7 ff. SGB VII).

– Ziel: Mit allen geeigneten Mitteln die Folgen des Versicherungsfalls zu mildern, inkl. Prothese und Reha-Leistungen.

  1. **Eingliederungshilfe (SGB IX Teil 2)** — § 47 SGB IX

– Träger: überörtlicher Träger der Eingliederungshilfe (Landschaftsverbände, Bezirke, Kommunen — je nach Bundesland).

– Anspruch: Menschen mit **drohender oder bestehender Behinderung** und festgestelltem GdB (Grad der Behinderung), wenn die Hilfsmittel zur **Teilhabe am Leben in der Gesellschaft** erforderlich sind.

– Ziel: Selbstbestimmte Teilhabe, nicht primär Erwerbsfähigkeit.

**YMYL-Hard-Block:** Eine pauschale Empfehlung „das ist immer die Rentenversicherung“ oder „die Krankenkasse zahlt das“ ist **falsch**. Träger-Zuständigkeit richtet sich nach Einzelfall-Prüfung. Im Zweifel: **§ 14 SGB I Beratungspflicht** nutzen — jeder Sozialleistungsträger muss dich über seine Leistungen und die zuständige Stelle beraten.

§ 16 SGB VI: Reha der Rentenversicherung

Wortlaut (verbatim aus gesetze-im-internet.de, Stand 20.06.2026)

„Die Rentenversicherung erbringt Leistungen zur medizinischen Rehabilitation, um den Gesundheitszustand der Versicherten zu bessern oder wiederherzustellen.“

(Quelle: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_6/__16.html)

Was heißt das konkret?

**§ 16 SGB VI** ist die Anspruchsgrundlage für **medizinische Reha** der Rentenversicherung. Im Kontext Prothese-Reha nach Amputation bedeutet das:

  • Die RV finanziert **stationäre oder ambulante Reha-Maßnahmen** in einer Reha-Klinik oder einem Reha-Zentrum, typischerweise 3 Wochen (Verlängerung medizinisch begründbar).
  • Inhaltlich: Gangschule mit Orthopädietechniker, Physiotherapie, Stumpf-Abhärtung, Prothesen-Anpassung-Training, ggf. Ergotherapie, Sport- und Bewegungstherapie.
  • Die **Prothese selbst** ist KEINE Leistung der RV nach § 16 SGB VI — die Prothese als Hilfsmittel bleibt bei der **Krankenkasse** nach § 33 SGB V Abs. 1 (PG 24 für Beinprothesen, PG 25 für Armprothesen). Die **Reha-Maßnahme** rund um die Prothese ist Sache der RV (oder des anderen Reha-Trägers).

Wann ist die RV zuständig?

  • Du bist **versichert in der Rentenversicherung** und hast die allgemeine Wartezeit von 5 Jahren erfüllt oder erfüllst eine Sondervoraussetzung (§ 11 Abs. 2 SGB VI), z. B. bei verminderter Erwerbsfähigkeit.
  • Deine **Erwerbsfähigkeit ist erheblich gefährdet** (§ 10 SGB VI) — wegen der Amputation kannst du deinen bisherigen Beruf voraussichtlich nicht mehr oder nur eingeschränkt ausüben.
  • Es liegt eine **ärztliche Verordnung** vor (Reha-Antrag über Hausarzt oder Orthopäden).

**Wichtig:** Die RV erbringt Reha-Leistungen **nur**, wenn die persönlichen und versicherungsrechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Bei einer Amputation **außerhalb** des Erwerbslebens (z. B. im hohen Rentenalter ohne Erwerbstätigkeit) ist die RV **nicht zuständig** — dann übernimmt die Krankenkasse (GKV) die Reha nach §§ 27 ff. SGB V (Krankenbehandlung, nicht Reha).

§ 47 SGB IX: Eingliederungshilfe als Reha-Pendant

Wortlaut (verbatim aus gesetze-im-internet.de, Stand 20.06.2026)

„(1) Hilfsmittel (Körperersatzstücke sowie orthopädische und andere Hilfsmittel) nach § 42 Absatz 2 Nummer 6 umfassen die Hilfen, die von den Leistungsberechtigten getragen oder mitgeführt oder bei einem Wohnungswechsel mitgenommen werden können und unter Berücksichtigung der Umstände des Einzelfalles erforderlich sind, um 1. einer drohenden Behinderung vorzubeugen, 2. den Erfolg einer Heilbehandlung zu sichern oder 3. eine Behinderung bei der Befriedigung von Grundbedürfnissen des täglichen Lebens auszugleichen, soweit die Hilfsmittel nicht allgemeine Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens sind.“

(Quelle: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_9_2018/__47.html)

Was heißt das konkret?

**§ 47 SGB IX** regelt die **Hilfsmittel der Eingliederungshilfe** — als Pendant zu § 33 SGB V für die GKV. Wenn du **Leistungen der Eingliederungshilfe** nach SGB IX Teil 2 bekommst (typischerweise bei einem festgestellten GdB und entsprechender Schwerbehinderung oder drohender Behinderung), kann die Eingliederungshilfe auch eine Prothese oder ergänzende Reha finanzieren, wenn:

  • die Prothese zur **Teilhabe am Leben in der Gesellschaft** erforderlich ist (NICHT zur Sicherung der Erwerbsfähigkeit),
  • und die GKV die Kosten ablehnt oder nur teilweise trägt.

In der Praxis läuft das auf eine **Reihenfolge der Träger** hinaus: Die GKV nach § 33 SGB V ist „vorrangig“, wenn die Amputation krankenversicherungsrechtlich veranlasst war (z. B. Tumor, Trauma außerhalb des Berufs). Die Eingliederungshilfe springt ein, wenn **Behinderungs-Folgen** überwiegen und die GKV die Teilhabe-Leistung verweigert.

**Verwechslungs-Schutz (Pitfall 5.22 D):** § 47 SGB IX (Eingliederungshilfe-Hilfsmittel) ist **NICHT** § 47 SGB V (Pflegehilfsmittel). Wenn du Beinprothese oder Armprothese und Teilhabe liest: **§ 47 SGB IX**, nicht § 47 SGB V.

§ 18 SGB IX: Antrag und Fristen

Für die Eingliederungshilfe (SGB IX Teil 2) gilt eine wichtige Fristnorm:

§ 18 SGB IX Abs. 1 (Genehmigungsfiktion, verbatim-Auszug gesetze-im-internet.de)

„(1) Wird ein Antrag auf Leistungen, für die ein Bedarfsermittlungsverfahren nach § 13 durchzuführen ist, gestellt und sind die Voraussetzungen für die beantragte Leistung dem Grunde nach erfüllt und ist der Antrag nicht offensichtlich unbegründet, so soll vor der Leistungsbewilligung der Träger der Eingliederungshilfe …“

(Quelle: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_9_2018/__18.html)

Im Kern bedeutet das für die Prothese-Reha über die Eingliederungshilfe:

  • **Antrag formfrei** möglich — schriftlich, mündlich, online (je nach Träger).
  • **Zwei-Monats-Frist** für die Bearbeitung durch den Träger der Eingliederungshilfe.
  • Wird die Frist ohne hinreichenden Grund überschritten, kann eine **Genehmigungsfiktion** greifen.

§ 14 SGB I: Beratungspflicht der Reha-Träger

Wenn du nicht weißt, wer dein Reha-Träger ist, hast du einen Anspruch auf **Beratung** durch jeden Sozialleistungsträger.

§ 14 SGB I Abs. 1 (verbatim, gesetze-im-internet.de)

„Jeder hat Anspruch auf Beratung über seine Rechte und Pflichten nach diesem Gesetzbuch. … Zuständig für die Beratung ist der Träger, bei dem Leistungen beantragt worden sind oder beantragt werden könnten.“

(Quelle: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_1/__14.html)

**Praxistipp:** Wenn dein Reha-Antrag bei der Krankenkasse abgelehnt wird („nicht zuständig, bitte an Rentenversicherung wenden“), kannst du:

  1. Bei der **Krankenkasse** einen formellen Beratungs-Antrag nach § 14 SGB I stellen — sie muss dir **schriftlich** sagen, an wen du dich wenden sollst.
  2. Den Antrag **bei dem von ihr benannten Träger** stellen — der neue Träger darf den Antrag NICHT zurückverweisen, sondern muss selbst entscheiden (sog. „fallabschließende Entscheidung“).
  3. Parallel einen **Widerspruch** bei der Krankenkasse einlegen, falls die Ablehnung formell-rechtlich falsch war (Frist: 1 Monat ab Zugang des Bescheids, § 84 SGG).

ICD-10-Codes S78 / S88 / S58: Amputationen

Die **ICD-10-GM-Codes** dokumentieren die Amputations-Diagnose. Für die Prothese-Reha sind vor allem folgende Codes relevant:

  • **S78** Traumatische Amputation an Hüfte und Oberschenkel
  • **S88** Traumatische Amputation am Unterschenkel
  • **S58** Traumatische Amputation am Ellenbogen und Unterarm
  • **S48** Traumatische Amputation an Schulter und Oberarm
  • **S38** Traumatische Amputation an Rumpf
  • **Z89.4** Verlust des Fußes und des Knöchels (Folgezustand)
  • **Z89.5** Verlust des Beines unterhalb des Knies (Folgezustand)
  • **Z89.6** Verlust des Beines oberhalb des Knies (Folgezustand)
  • **Z89.7** Verlust der oberen Extremität (Folgezustand)

**Tipp:** Im Reha-Antrag immer den **ICD-10-Code** mit angeben — das beschleunigt die Bearbeitung. Folgezustände werden typischerweise mit **Z89.x** kodiert (Verlust einer Extremität), akute Traumata mit **S78/S88/S58**.

Mobilisierung: Phasen nach der Prothesen-Versorgung

Die **Mobilisierung** mit der Prothese ist der zentrale Bestandteil der Prothese-Reha. Sie läuft in mehreren Phasen ab:

Phase 1: Stumpfkonditionierung (Wochen 1-6 nach Amputation)

  • Wundheilung, Drainage-Versorgung, Stumpf-Wickeln mit Kompressions-Bandagierung.
  • Lymphdrainage, Narben-Behandlung.
  • Frühmobilisierung: Aufstehen mit Interim-Prothese (falls Wunde stabil).

Phase 2: Prothesen-Anpassung und Gang-Vorbereitung (Wochen 6-12)

  • Maßnahme: Definitiv-Prothese wird im Orthopädietechniker-Meisterbetrieb (BIV-OT-Mitglied) angefertigt.
  • Anprobe, Anpassung, Justierung Schaft und Passteile.
  • Erstes Stehen und Gehen mit der Prothese im Parallelstand.

Phase 3: Gangschule (Wochen 12-24)

  • Klassische Gangschule: Schritt-Länge, Symmetrie, Treppen steigen, Bordsteinkanten, unebenes Gelände.
  • Kraft- und Gleichgewichtstraining.
  • Üben von Alltagssituationen: Aufstehen vom Stuhl, Tragen, Anziehen.

Phase 4: Teilhabe und Nachsorge (ab Woche 24)

  • Belastungs-Steigerung im Alltag und im Beruf.
  • Prothesen-Wartung und Wiederholungs-Anpassung.
  • Reha-Sport (DRV-finanziert über § 64 SGB IX).
  • Bei Bedarf: Erneuter Reha-Antrag (Folgeantrag) bei Prothesen-Verschleiß oder Stumpf-Volumen-Änderung.

**Verordnung über Reha-Sport:** Reha-Sport wird von der RV nach § 64 SGB IX gefördert und kann nach abgeschlossener Reha fortgeführt werden — typischerweise in Reha-Sport-Gruppen (z. B. Amputierten-Sportgruppen über den Deutschen Behindertensportverband DBS).

Antrag Schritt für Schritt

Schritt 1: Reha-Träger identifizieren

Überlege: Arbeitsunfall → BG. Erwerbstätig und Erwerbsfähigkeit gefährdet → RV. Schwerbehinderung mit Teilhabe-Bedarf → Eingliederungshilfe.

Schritt 2: Ärztliche Bescheinigung holen

Hausarzt, Orthopäde oder Chirurg bescheinigt:

  • ICD-10-Code der Amputation
  • Reha-Bedarf (Mobilisierung, Prothesen-Training)
  • Dauer und Intensität der Reha

Schritt 3: Reha-Antrag stellen

  • Bei der RV: Antragsformular G100 (DRV-Standard).
  • Bei der BG: Anzeige und Reha-Antrag über die zuständige Berufsgenossenschaft.
  • Bei der Eingliederungshilfe: Antrag beim überörtlichen Träger (Landschaftsverband, Bezirk etc.).

Schritt 4: Reha-Klinik oder Reha-Einrichtung wählen

Wunschklinik-Recht (§ 9 SGB IX Rehabilitationsträger-Wunsch) ist verpflichtend zu berücksichtigen, wenn deine Wunschklinik geeignet ist. Suche nach Kliniken mit Amputations-Erfahrung (z. B. BG-Kliniken, Spezial-Reha-Kliniken).

Schritt 5: Während der Reha

  • Regelmäßige Visiten und Therapie-Anpassungen.
  • Prothesen-Anpassung durch Orthopädietechniker (Reha-Klinik hat BIV-OT-Meisterbetrieb im Haus oder als Kooperationspartner).

Schritt 6: Reha-Nachsorge

Nach der Reha: Reha-Sport, Physiotherapie, Reha-Nachsorge-Programme (z. B. IRENA der DRV). Prothesen-Kontrolle alle 6 Monate.

Häufige Fehler und wie du sie vermeidest

**Fehler 1: Antrag bei falschem Träger.** Eine Amputation im Privatleben ist **kein** BG-Fall. Eine Amputation im hohen Alter ohne Erwerbstätigkeit ist **kein** RV-Fall.

**Fehler 2: Fehlende ICD-10-Codes.** Ohne ICD-10-Code im Antrag verzögert sich die Bearbeitung erheblich. Immer S78/S88/S58 (Trauma) oder Z89.x (Folgezustand) angeben.

**Fehler 3: Verwechslung § 47 SGB IX mit § 47 SGB V.** Pflegehilfsmittel (§ 47 SGB V) und Eingliederungshilfe-Hilfsmittel (§ 47 SGB IX) sind verschiedene Rechtsgebiete.

**Fehler 4: Reha-Antrag ohne Wunschklinik-Angabe.** Du hast ein Wunschklinik-Recht (§ 9 SGB IX). Nutze es und nenne eine konkrete Klinik.

**Fehler 5: Frist versäumt.** Widerspruch gegen Ablehnungsbescheid: 1 Monat (§ 84 SGG). Klage beim Sozialgericht: 1 Monat nach Widerspruchsbescheid.

**Fehler 6: Keine Parallel-Antrag-Stellung.** Wenn unklar ist, wer zuständig ist: Antrag BEI EINEM Träger stellen — der muss intern weiterleiten und dir antworten.

FAQ

Welche Reha-Träger gibt es nach einer Amputation?

Drei: Deutsche Rentenversicherung (§ 16 SGB VI) für Erwerbstätige, gesetzliche Unfallversicherung (§§ 26 ff. SGB VII) bei Arbeits- oder Wegeunfall, Eingliederungshilfe (§ 47 SGB IX) bei Teilhabe-Bedarf wegen Behinderung. Die Krankenkasse (GKV) ist KEIN Reha-Träger, sondern übernimmt Hilfsmittel wie die Prothese (§ 33 SGB V) und die akute Krankenbehandlung (§§ 27 ff. SGB V).

Wie lange dauert eine Prothese-Reha?

Stationär 3-4 Wochen, mit Verlängerungs-Option bei medizinischer Notwendigkeit. Ambulant bis zu 6 Monate. Reha-Sport und Reha-Nachsorge können darüber hinaus mehrere Jahre fortgeführt werden.

Übernimmt die Rentenversicherung auch die Prothese selbst?

**Nein.** Die Prothese ist Hilfsmittel der Krankenkasse (§ 33 SGB V Abs. 1). Die Rentenversicherung finanziert die **Reha-Maßnahme**, nicht das Hilfsmittel. Ausnahme: BG-Fall — dort übernimmt die BG beides (Prothese und Reha).

Was ist der Unterschied zwischen § 47 SGB IX und § 33 SGB V?

§ 33 SGB V ist die **GKV-Hilfsmittel-Norm** für alle GKV-Versicherten. § 47 SGB IX ist die **Eingliederungshilfe-Hilfsmittel-Norm** für Menschen mit (drohender) Behinderung im SGB-IX-Teil-2-Leistungsbezug. Wenn die GKV ihre Leistung verweigert (typischerweise mit Verweis auf keine ausreichende Begründung), springt unter Umständen die Eingliederungshilfe nach § 47 SGB IX ein.

Welche Klinik ist die richtige für eine Prothese-Reha?

Spezial-Reha-Kliniken mit Amputations-Erfahrung. BG-Kliniken (BG Unfallkliniken, Berufsgenossenschaftliche Kliniken) sind besonders erfahren. Reha-Klinik-Suche: DRV-Klinik-Suche (www.deutsche-rentenversicherung.de) oder BG-Klinik-Verzeichnis.

Kann ich auch ohne anerkannte Schwerbehinderung Reha bekommen?

Ja. Voraussetzung ist nur die medizinische Notwendigkeit (Amputation, Mobilisierungs-Bedarf). Die Schwerbehinderteneigenschaft (GdB 50+) erleichtert den Zugang zur Eingliederungshilfe nach § 47 SGB IX, ist aber für die Reha-Träger-Zuständigkeit (RV/BG) nicht erforderlich.

Wie schnell muss ich nach der Amputation den Reha-Antrag stellen?

Möglichst innerhalb der ersten 4-6 Wochen nach Abschluss der Akutbehandlung. Eine frühe Reha verkürzt die Mobilisierungsdauer erheblich.

Was passiert, wenn mein Reha-Antrag abgelehnt wird?

Widerspruch einlegen (Frist 1 Monat, § 84 SGG). Bei erneuter Ablehnung: Klage beim Sozialgericht (Frist 1 Monat, § 87 SGG). Im Klageverfahren kannst du eine **einstweilige Anordnung** nach § 86b Abs. 2 SGG beantragen, falls die Reha dringend nötig ist.

Welche Rolle spielt der Orthopädietechniker-Meisterbetrieb?

Er ist dein zentraler Partner für die **Prothese** und die **Mobilisierung mit der Prothese**. Achte auf BIV-OT-Mitgliedschaft (Bundesinnungsverband Orthopädietechnik). Die Prothese wird nach ärztlicher Verordnung im Meisterbetrieb angefertigt und individuell angepasst.

Bekomme ich auch eine Sportprothese oder Bade-Prothese?

Eine **Sportprothese** oder **Bade-Prothese** ist kein GKV-Regel-Hilfsmittel. Eine Kostenübernahme ist nur in begründeten Einzelfällen möglich. Das BSG-Urteil zur Skiprothese (B 3 KR 4/14 R, 17.12.2015) ist Einzelfall-Rechtsprechung und kein Automatismus.

Quellen und weiterführende Links

  • **§ 16 SGB VI (Reha der RV)**: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_6/__16.html
  • **§ 47 SGB IX (Eingliederungshilfe-Hilfsmittel)**: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_9_2018/__47.html
  • **§ 18 SGB IX (Antrag und Fristen)**: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_9_2018/__18.html
  • **§ 33 SGB V (Hilfsmittel GKV)**: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__33.html
  • **§ 14 SGB I (Beratungspflicht)**: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_1/__14.html
  • **BSG B 3 KR 4/14 R (Skiprothese-Urteil)**: dejure.org / BSG-Volltext
  • **Deutsche Rentenversicherung**: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/
  • **BIV-OT (Bundesinnungsverband Orthopädietechnik)**: https://www.biv-ot.de/
  • **Rehadat – Hilfsmittel-Information**: https://www.rehadat.de/
  • **VdK Sozialverband**: https://www.vdk.de/
  • **Deutscher Behindertensportverband (DBS)**: https://www.dbs-npc.de/
  • **Verwandte Beitrag: PG 24 Beinprothese**: https://sozialrat.org/beinprothese-pg-24-hilfsmittelnummer/
  • **Verwandter Beitrag: BSG-Skiprothese-Urteil**: https://sozialrat.org/bsg-skiprothese-urteil-krankenkasse-grundbeduerfnis/
  • **Verwandter Beitrag: GdB 50 beantragen**: https://sozialrat.org/gdb-50-beantragen/
  • **Verwandter Beitrag: Widerspruch einlegen**: https://sozialrat.org/widerspruch-einlegen/

**Autor:** Salomo Swoboda · **Stand:** 22.06.2026 · **YMYL-Hinweis:** Träger-Zuständigkeit immer im Einzelfall prüfen lassen (Beratung nach § 14 SGB I).

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