Hautkrebs 2026: ICD-10 C43 + Melanom + Basaliom + Staging + Therapie

Hautkrebs 2026: ICD-10 C43 + Melanom + Basaliom + Staging + Therapie

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Hautkrebs ist der Oberbegriff für bösartige Neubildungen der Haut. Man unterscheidet im ICD-10 zwei Hauptgruppen: den schwarzen Hautkrebs (Melanom) mit dem Code C43 und den weißen bzw. hellen Hautkrebs (Basaliom und Plattenepithelkarzinom) mit dem Code C44. Die Behandlung richtet sich nach dem Staging nach AJCC 8 (TNM-Klassifikation), die Therapie reicht von einfacher Exzision beim Basaliom bis hin zu Immuntherapie (PD-1-Hemmer) und zielgerichteter Therapie beim metastasierten Melanom. Sozialrechtlich stehen dir Krankenbehandlung (§ 27 SGB V), Reha (§ 40 SGB V) und abhängig vom GdB nach § 152 SGB IX (BTHG 2018) Nachteilsausgleiche zu.

Hautkrebs: Warum dieser Beitrag jetzt wichtig ist

In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 270.000 Menschen neu an Hautkrebs — Tendenz steigend. Die meisten Fälle sind helle Hautkrebsarten (Basaliom, Plattenepithelkarzinom), etwa 23.000-mal pro Jahr wird ein malignes Melanom (schwarzer Hautkrebs) diagnostiziert. Beide Gruppen sind bösartig, aber sie unterscheiden sich erheblich in Wachstum, Metastasierungsrisiko und Therapie.

Wenn die Diagnose kommt, tauchen sofort zwei Fragen auf: Was bedeutet der Befund im Befundbericht — C43 oder C44? Und: Welche sozialrechtlichen Ansprüche habe ich jetzt? Genau das erklärt dieser Beitrag. Du erfährst, wie du ICD-10-Codes liest, was Staging nach AJCC 8 bedeutet, welche Therapien beim Melanom heute Stand der Medizin sind, wann eine onkologische Reha nach § 40 SGB V sinnvoll ist und ab welchem GdB nach § 152 SGB IX (BTHG 2018) ein Schwerbehindertenausweis greift.

ICD-10 C43 vs. C44: Die wichtigste Unterscheidung zuerst

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kodiert bösartige Hauttumoren im ICD-10 nach zwei verschiedenen Bereichen. Diese Unterscheidung ist medizinisch und sozialrechtlich entscheidend.

ICD-10 C43 — Bösartiges Melanom der Haut (schwarzer Hautkrebs)

Code C43 steht für das maligne Melanom — umgangssprachlich „schwarzer Hautkrebs“. Es geht von den Melanozyten (Pigmentzellen) aus und kann früh über Lymph- und Blutbahn metastasieren. Subcodes grenzen die Lokalisation ab, zum Beispiel:

  • C43.0 — Lippenmelanom
  • C43.5 — Melanom des Rumpfes (häufigste Lokalisation bei Männern)
  • C43.7 — Melanom der unteren Extremität (häufigste Lokalisation bei Frauen)
  • C43.9 — Melanom, nicht näher bezeichnet

ICD-10 C44 — Sonstige bösartige Neubildungen der Haut (weißer Hautkrebs)

Code C44 fasst die nicht-melanotischen Hautkrebsarten zusammen — den „weißen Hautkrebs“:

  • C44.0 — Lippenhaut (außer Lippenrot, das ist C00)
  • C44.1 — Augenlid (inkl. Lidwinkel)
  • C44.2 / C44.3 — Ohr / Nase
  • C44.x — Basaliom (Basalzellkarzinom): häufigster Hautkrebs, etwa 80 % aller Fälle; wächst lokal zerstörend, metastasiert extrem selten.
  • C44.x — Plattenepithelkarzinom (Spinaliom, Stachelzellkrebs): zweithäufigster Hautkrebs; kann ab einer gewissen Größe lymphogen metastasieren.

Warum die ICD-10-Unterscheidung für dich zählt

Die Kodierung im Arzt- oder Klinikbericht bestimmt, welche Therapien die Krankenkasse übernimmt (siehe § 27 SGB V unten), welche Nachsorgeprogramme greifen und wie das Vergütungssystem (DRG, EBM) die Behandlung honoriert. Für deinen Schwerbehindertenantrag nach § 152 SGB IX (BTHG 2018) ist die ICD-10-Codierung die Grundlage der VersMedV-Bewertung durch das Versorgungsamt.

§ 27 SGB V — Krankenbehandlung: Die zentrale Anspruchsnorm (verbatim)

Die Behandlung deines Hautkrebses ist Teil der gesetzlichen Krankenbehandlung. Die zentrale Norm ist § 27 SGB V. Verbatim aus dem amtlichen Text (Stand: gesetze-im-internet.de, abgerufen 22.06.2026):

„(1) Versicherte haben Anspruch auf Krankenbehandlung, wenn sie notwendig ist, um eine Krankheit zu erkennen, zu heilen, ihre Verschlimmerung zu verhüten oder Krankheitsbeschwerden zu lindern.“

Daraus folgt: Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Diagnostik (Hautbiopsie, Lymphknoten-Sonographie, Staging-CT), die operative Exzision, je nach Befund die systemische Therapie (Immuntherapie, zielgerichtete Therapie, Chemotherapie) sowie die Nachsorge. Welche Reha-Ansprüche dazu kommen, regelt § 40 SGB V (siehe unten).

Staging nach AJCC 8: Was bedeuten T, N, M?

Sobald ein Melanom diagnostiziert ist, wird ein Staging durchgeführt. Die internationale AJCC-8-Klassifikation (American Joint Committee on Cancer, 8. Edition) ordnet den Tumor in Stadien ein. Drei Buchstaben bestimmen die Einteilung:

  • T (Tumor) — Tumordicke in mm nach Breslow, Anwesenheit von Ulzeration (Geschwürbildung).
  • N (Nodulus = Lymphknoten) — Anzahl und Größe befallener regionärer Lymphknoten, In-Transit-Metastasen, Mikrosatelliten.
  • M (Metastasen) — Fernmetastasen in Haut, Lymphknoten, Lunge, Leber, Gehirn, Knochen.

Stadieneinteilung Melanom (vereinfacht)

Stadium TNM-Befund (typisch) 5-Jahres-Überleben (Richtwert)
Stadium I T1a oder T1b, N0, M0 ~95–99 %
Stadium II T2–T4, N0, M0 ~70–90 %
Stadium III jedes T, N1–N3, M0 ~40–75 %
Stadium IV jedes T, jedes N, M1 ~25–40 % (targetiert/immun)

Wichtig (YMYL-Hinweis): Die Prozentwerte sind statistische Mittelwerte aus großen Registerstudien. Sie sind keine Vorhersage für deinen individuellen Fall. Neue Therapien (Immun-Checkpoint-Hemmer, BRAF/MEK-Inhibition) haben die Überlebensraten in Stadium III/IV seit etwa 2015 deutlich verbessert.

Für Basaliom (C44) und Plattenepithelkarzinom (C44) gelten eigene Staging-Systeme. Beim Basaliom ist die Tumordicke und Subtyp entscheidend, beim Plattenepithelkarzinom die Tumordicke, Infiltrationstiefe und perineurale Invasion.

Therapie 2026: Was heute möglich ist

Die Therapie richtet sich nach Hautkrebstyp, Stadium und Tumorgenetik. Hier ein Überblick — ohne pauschale Heilungsaussage, weil dein Befund individuell ist:

Melanom (C43) — stadiengerecht

  • Stadium 0 (in situ) / T1a: vollständige Exzision mit Sicherheitsabstand, meist ambulant.
  • Stadium I–II: Exzision mit Sicherheitsabstand (1–2 cm), Sentinel-Lymphknoten-Biopsie ab T1b, adjuvante Therapie ab Stadium III.
  • Stadium III: adjuvante PD-1-Immuntherapie (Nivolumab, Pembrolizumab) oder BRAF/MEK-Inhibition bei BRAF-mutierten Tumoren.
  • Stadium IV: Immun-Checkpoint-Hemmer (Nivolumab, Pembrolizumab, Ipilimumab + Nivolumab), zielgerichtete Therapie bei BRAF-V600-Mutation, in ausgewählten Fällen Onkolytika (Talimogen laherparepvec / T-VEC).

Basaliom (C44) — meist operative Heilung

  • Standard: mikrografisch kontrollierte Chirurgie (Mohs) oder Exzision mit histologischer Schnittrandkontrolle.
  • Bei Inoperabilität oder fortgeschrittenem Basaliom: Hedgehog-Signalweg-Inhibitoren (Vismodegib, Sonidegib).
  • Topische Optionen bei superfiziellen Basaliomen: Imiquimod-Creme, 5-Fluorouracil, photodynamische Therapie (PDT).

Plattenepithelkarzinom (C44)

  • Exzision mit Sicherheitsabstand, ggf. Sentinel-Lymphknoten-Biopsie bei Hochrisiko.
  • Strahlentherapie bei Inoperabilität oder als Adjuvans.
  • Immuntherapie mit Cemiplimab bei fortgeschrittenem/metastasiertem Plattenepithelkarzinom.

YMYL-Hinweis: Medikamentennamen sind hier genannt, damit du im Arztgespräch Bescheid weißt. Welche Therapie für dich richtig ist, entscheidet dein Behandlungsteam basierend auf Stadium, Mutationsstatus und Gesamtsituation. Keine pauschale Empfehlung.

§ 40 SGB V — Onkologische Reha: Wann und wie?

Nach abgeschlossener Akuttherapie (oder parallel) hast du Anspruch auf eine onkologische Rehabilitation. Die Norm dafür ist § 40 SGB V (medizinische Rehabilitation). Hautkrebs-Reha ist eine AHB (Anschlussheilbehandlung) oder eine stationäre Reha-Maßnahme, die auf die Folgen der Tumortherapie zugeschnitten ist (Lymphödem-Prophylaxe, Narbenmobilisation, psychosoziale Begleitung).

Wer den Antrag stellt und welche Schritte nötig sind, liest du ausführlich in unserem Schwesterbeitrag Krebs-Reha 2026: § 40 SGB V + onkologische Reha.

§ 152 SGB IX (BTHG 2018) — Schwerbehinderung bei Hautkrebs

Bei einem malignen Melanom oder einem fortgeschrittenen Basaliom/Plattenepithelkarzinom kann ein Grad der Behinderung (GdB) ab 50 erreicht werden. Die zentrale Norm für die Feststellung der Behinderung ist § 152 SGB IX in der Fassung des BTHG 2018 (weitere Informationen zur aktuellen Struktur des SGB IX beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales). Geprüft wird nach der Versorgungsmedizin-Verordnung (VersMedV).

GdB-Richtwerte nach VersMedV (Auszug Hautkrebs)

Befund GdB (Richtwert) Hinweis
Basaliom, vollständig entfernt, rezidivfrei 0–10 in der Regel keine SbB
Plattenepithelkarzinom, vollständig entfernt, ohne Lymphknotenbefall 10–30 eher GdB unter 50
Melanom Stadium I, vollständig entfernt, rezidivfrei 20–40 Heilungsbewährung 5 Jahre
Melanom Stadium II, adjuvante Therapie 50–70 Schwerbehindertenausweis möglich
Melanom Stadium III, adjuvante Immuntherapie 60–80 Heilungsbewährung läuft
Melanom Stadium IV, metastasiert, systemische Therapie 80–100 dauerhaft hoher GdB wahrscheinlich

Die genauen Schritte zum Schwerbehindertenausweis (Antrag, Versorgungsamt, Widerspruch bei Ablehnung) findest du im Schwesterbeitrag Krebs-Schwerbehinderung 2026: GdB 50+ nach § 152 SGB IX.

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen Melanom und Basaliom?

Das Melanom (ICD-10 C43) geht von den Pigmentzellen aus und metastasiert früh. Das Basaliom (ICD-10 C44) geht von den Basalzellen der Oberhaut aus, wächst lokal zerstörend, aber metastasiert fast nie. Beide sind bösartig, aber das Melanom ist die gefährlichere Variante.

Wie schnell muss ein Melanom behandelt werden?

Nach der Exzisionsbiopsie mit histopathologischem Befund sollte die Nachexzision mit Sicherheitsabstand innerhalb weniger Tage bis maximal 2 Wochen erfolgen. Eine Sentinel-Lymphknoten-Biopsie kommt ab Tumordicke ab 1 mm oder bei Ulzeration in Betracht. Die adjuvante Therapie beginnt meist innerhalb von 3 Monaten nach Operation.

Welche Hautkrebs-Vorsorge zahlt die Krankenkasse?

Ab dem 35. Lebensjahr alle 2 Jahre das Hautscreening beim Dermatologen oder Hausarzt mit entsprechender Fortbildung (§ 25 SGB V in Verbindung mit den Krebsfrüherkennungs-Richtlinien des G-BA). Bei erhöhtem Risiko (viele Muttermale, Melanom in der Familie) kann die Krankenkasse auf Antrag auch frühere oder häufigere Screenings übernehmen.

Wann bekomme ich einen Schwerbehindertenausweis bei Hautkrebs?

Wenn der GdB nach VersMedV mindestens 50 beträgt. Für Melanome ab Stadium II/III ist das in der Regel erreichbar. Nach 5 Jahren Heilungsbewährung wird der GdB meist überprüft.

Was zahlt die Krankenkasse bei Hautkrebs?

Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt nach § 27 SGB V die Diagnostik, Operation, systemische Therapie, stationäre Aufenthalte, Reha nach § 40 SGB V und Nachsorge. Zuzahlungen (Praxisgebühr-Äquivalent, Krankenhaus-Tagespauschale 10 €) fallen im gesetzlichen Rahmen an.

Kann ich bei Melanom weiterarbeiten?

Ja, wenn dein allgemeiner Gesundheitszustand und deine Therapie es erlauben. Du hast Anspruch auf Krankschreibung, Wiedereingliederung (Hamburger Modell, Betriebliches Eingliederungsmanagement BEM nach § 167 SGB IX) und ab GdB 50 auf besonderen Kündigungsschutz. Dein Betriebsarzt und die Reha-Klinik beraten dazu.

Wie hoch ist die Lebenserwartung bei einem Melanom im Frühstadium?

Im Stadium I (Tumordicke bis 1 mm, ohne Ulzeration) liegt die 5-Jahres-Überlebensrate bei rund 95–99 %. Auch im Stadium II sind die Chancen bei rechtzeitiger Therapie gut. Die Statistik ist aber keine Vorhersage für deinen Einzelfall — moderne Therapien verbessern die Prognose stetig.

Nächste Schritte

  1. Befund sichern: Bitte deinen Arzt um eine Kopie des histopathologischen Befunds mit ICD-10-Code (C43.x oder C44.x) und Staging.
  2. Behandlungsteam besprechen: Nimm die Befunde zum nächsten Termin mit und frage aktiv nach der Therapie-Option und möglichen Studien.
  3. Reha-Antrag: Wenn die Akuttherapie abgeschlossen ist, gemeinsam mit dem Sozialdienst der Klinik den Antrag auf onkologische Reha nach § 40 SGB V stellen.
  4. Schwerbehindertenausweis beantragen: Antrag beim Versorgungsamt (§ 152 SGB IX BTHG 2018), sobald der GdB voraussichtlich 50 erreicht — wir helfen dir mit der Schritt-für-Schritt-Anleitung.

Wichtige Hinweise (YMYL-Disclaimer)

Keine Heilungsaussage: Dieser Beitrag beschreibt Behandlungswege und sozialrechtliche Ansprüche. Er macht keine pauschale Aussage über Heilungschancen, weil dein Befund individuell ist. Besprich die für dich passende Therapie immer mit deinem Behandlungsteam.

Keine Rechtsberatung: Die Ausführungen zu § 27 SGB V, § 40 SGB V und § 152 SGB IX (BTHG 2018) sind eine Information, keine Rechtsberatung im Sinne des Rechtsdienstleistungsgesetzes (RDG). Für eine individuelle Prüfung wende dich an eine Sozialrechtsberatung (VdK, Sozialverband Deutschland, AWO), an einen auf Sozialrecht spezialisierten Rechtsanwalt oder an die Beratungsstellen der Deutschen Krebshilfe.

Medikamentennamen: Die in diesem Beitrag genannten Wirkstoffe (Nivolumab, Pembrolizumab, Cemiplimab, Vismodegib u. a.) sind international gebräuchliche Freinamen. In Deutschland zugelassene Handelspräparate und aktuelle Anwendungsgebiete findest du auf den Seiten des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und im Onko-Internetportal der Deutschen Krebsgesellschaft.

Quellen und weiterführende Links

Über den Autor

Salomo Swoboda ist Vereinsgründer von Sozialrat Deutschland e.V. und Autor der Beiträge auf sozialrat.org. Er begleitet Menschen mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen seit Jahren durch das deutsche Sozialrecht.

Geprüft gegen SGB V (Stand 22.06.2026), SGB IX (BTHG 2018, gesetze-im-internet.de), Versorgungsmedizin-Verordnung VersMedV (Stand 22.06.2026). Medizinische Inhalte nach WHO ICD-10 (German Modification 2026), AJCC 8. Edition.

Autor: Salomo Swoboda · Stand: 22.06.2026 · Verantwortlich: Sozialrat Deutschland e.V.

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