Grundsicherung bei Erwerbsminderung und Schwerbehinderung 2026

Grundsicherung bei Erwerbsminderung und Schwerbehinderung 2026


# Entwurf: Grundsicherung bei Erwerbsminderung und Schwerbehinderung 2026

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**Author:** 1 (Salomo Swoboda)
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**Datum:** 24.06.2026
**Quellen-Stand:** 24.06.2026 (gesetze-im-internet.de live verifiziert)
**Tonalität:** Du-Form
**YMYL:** Ja — CLO-Stage-3 pflichtig
**Wortziel:** 2.500-3.000

**DISCLAIMER (Pitfall #13 prominent platziert):** Dies ist keine Rechtsberatung im Sinne des § 2 RDG. Wir informieren über die Grundsicherung bei Erwerbsminderung mit Schwerbehinderung nach SGB XII und SGB IX. Für eine verbindliche Beratung wende dich an eine zugelassene Beratungsstelle (VdK, Sozialverband Deutschland, AWO, Caritas, Diakonie) oder einen Rechtsanwalt mit Sozialrechts-Schwerpunkt.

# Grundsicherung bei Erwerbsminderung und Schwerbehinderung 2026

Wenn du dauerhaft voll erwerbsgemindert bist und gleichzeitig einen Schwerbehindertenausweis mit GdB ab 50 hast, greifen mehrere Sozialleistungen ineinander: die **Erwerbsminderungsrente (EM-Rente)** aus der gesetzlichen Rentenversicherung und die **Grundsicherung bei Erwerbsminderung** nach dem 4. Kapitel des SGB XII. In diesem Ratgeber zeigen wir dir, welche Voraussetzungen gelten, wie sich EM-Rente und Grundsicherung zueinander verhalten und welche Besonderheiten für Menschen mit anerkannter Schwerbehinderung gelten.

## 1. Was bedeutet dauerhafte volle Erwerbsminderung?

Leistungsberechtigt nach dem 4. Kapitel SGB XII sind Personen, die ihren **notwendigen Lebensunterhalt nicht oder nicht ausreichend aus Einkommen und Vermögen bestreiten können** und die Altersgrenze noch nicht erreicht haben. Die entscheidende Voraussetzung ist die **dauerhafte volle Erwerbsminderung** nach **§ 41 Abs. 3 SGB XII** (Verfahrensregelung in § 45 SGB XII).

> § 41 Abs. 1 SGB XII (Leistungsberechtigte): „Leistungsberechtigt nach diesem Kapitel sind Personen mit gewöhnlichem Aufenthalt im Inland, die ihren notwendigen Lebensunterhalt nicht oder nicht ausreichend aus Einkommen und Vermögen nach § 43 bestreiten können, wenn sie die Voraussetzungen nach Absatz 2, 3 oder 3a erfüllen.“

Die Feststellung der dauerhaften vollen Erwerbsminderung übernimmt der **Träger der Rentenversicherung** (in der Regel die Deutsche Rentenversicherung). Seine Entscheidung ist für den Sozialhilfeträger bindend (§ 45 SGB XII). Wenn du also bereits eine **EM-Rente nach § 43 SGB VI** beziehst (befristet oder unbefristet), liegt in der Regel die Voraussetzung für die Grundsicherung nach SGB XII vor.

**Wichtige Abgrenzung:** Die Erwerbsminderungsrente ist **kein Bürgergeld** und **kein Arbeitslosengeld**. Sie wird aus der Rentenversicherung gezahlt und richtet sich nach deinen Entgeltpunkten. Die Grundsicherung bei EM ist eine **steuerfinanzierte Sozialleistung**, die den Lebensunterhalt sicherstellt, wenn die EM-Rente nicht ausreicht oder keine EM-Rente ausgezahlt wird.

**Unterschied zur Erwerbsminderungsrente:** Die Grundsicherung nach SGB XII ist **bedarfsabhängig** (Einkommen und Vermögen werden geprüft), die EM-Rente nach SGB VI ist **beitragsabhängig** (abhängig von deinen eingezahlten Beiträgen und Entgeltpunkten). Beide Leistungen schließen sich nicht aus, sondern ergänzen sich.

## 2. Schwerbehinderung und GdB: Was bringt dir der Ausweis?

Ein Schwerbehindertenausweis wird ausgestellt, wenn das **Versorgungsamt einen Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 50** feststellt. Die Feststellung erfolgt auf Antrag nach § 152 SGB IX:

> § 152 Abs. 1 SGB IX: „Auf Antrag des behinderten Menschen stellen die für die Durchführung des Vierzehnten Buches zuständigen Behörden das Vorliegen einer Behinderung und den Grad der Behinderung zum Zeitpunkt der Antragstellung fest.“

Folgende Merkzeichen sind für die Schnittstelle zur Grundsicherung besonders relevant:

– **G** – erhebliche Gehbehinderung (z. B. dauerhafte Mobilitätseinschränkung)
– **aG** – außergewöhnliche Gehbehinderung (z. B. Rollstuhlpflicht)
– **B** – Begleitperson bei Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln erforderlich
– **H** – hilflos (im Sinne des Einkommensteuergesetzes)
– **RF** – Befreiung von der Rundfunkbeitragspflicht
– **Bl** – blind / hochgradig sehbehindert
– **TBL** – taubblind
– **GDB 50, 60, 70, 80, 90, 100** – unterschiedliche Schutz- und Nachteilsausgleiche

Wenn dein Schwerbehindertenausweis das Merkzeichen **G**, **aG**, **H** oder **Bl** enthält, kannst du unter Umständen einen **Mehrbedarf nach § 42b SGB XII** beanspruchen. Dieser Mehrbedarf wird zusätzlich zur Regelbedarfsstufe gewährt und ist nicht auf den Regelsatz anzurechnen.

**GdB 50** allein reicht für den Schwerbehindertenausweis. Die GdB-Höhe beeinflusst weitere Nachteilsausgleiche, etwa den **Steuerfreibetrag** nach § 33b EStG oder den erhöhten Kündigungsschutz nach § 168 SGB IX am Arbeitsplatz.

## 3. EM-Rente und Grundsicherung: So werden sie verrechnet

Die EM-Rente zählt als **Einkommen** im Sinne des § 43 SGB XII. Das bedeutet: Dein Grundsicherungsanspruch wird um die Höhe der EM-Rente gekürzt.

> § 43 Abs. 1 SGB XII (Einsatz von Einkommen und Vermögen): „Für den Einsatz des Einkommens sind die §§ 82 bis 84 und für den Einsatz des Vermögens die §§ 90 und 91 anzuwenden, soweit in den folgenden Absätzen nichts Abweichendes geregelt ist.“

Welche Einkünfte konkret angerechnet werden, regelt **§ 82 SGB XII**. Zum Einkommen gehören nach Absatz 1 alle Einkünfte in Geld oder Geldeswert, **mit Ausnahme** bestimmter Leistungen (zum Beispiel Sozialhilfeleistungen selbst, Grundrenten-Freibeträge, bestimmte Aufwandsentschädigungen).

Wichtig für EM-Renten-Bezieher: Wenn du **mindestens 33 Jahre an Grundrentenzeiten** nach § 76g Abs. 2 SGB VI nachweisen kannst, greift der **Grundrenten-Freibetrag nach § 82a SGB XII**. Dieser Freibetrag beträgt **100 Euro monatlich aus der gesetzlichen Rente** zuzüglich 30 Prozent des diesen Betrag übersteigenden Einkommens aus der gesetzlichen Rente, maximal jedoch 50 Prozent der Regelbedarfsstufe 1. Damit wird sichergestellt, dass langjährig Versicherte mit niedrigen Renten einen höheren Grundsicherungsrestanspruch behalten.

**Beispielrechnung (Stand 2026, vereinfacht):**
– EM-Rente brutto: 520 Euro monatlich
– Kein Grundrenten-Freibetrag (keine 33 Grundrentenjahre)
– Anrechenbares Einkommen: 520 Euro
– Regelbedarfsstufe 1 (Alleinstehende): 563 Euro
– Grundsicherungsbedarf: 563 − 520 = **43 Euro Grundsicherungsleistung**

Mit Grundrenten-Freibetrag (33 Jahre Grundrentenzeiten):
– EM-Rente brutto: 520 Euro
– Freibetrag nach § 82a SGB XII: 100 Euro (Sockelbetrag) + 30 % von (520 − 100) = 100 + 126 = **226 Euro Freibetrag**
– Anrechenbares Einkommen: 520 − 226 = 294 Euro
– Grundsicherungsbedarf: 563 − 294 = **269 Euro Grundsicherungsleistung**

Die genauen Beträge findest du auf der Seite des BMAS (Bundesministerium für Arbeit und Soziales). Dort werden jährlich die **Regelbedarfsstufen** für alle Haushaltsgrößen veröffentlicht.

## 4. Mehrbedarfe für schwerbehinderte Menschen

Wenn du einen Schwerbehindertenausweis mit bestimmten Merkzeichen hast, stehen dir unter Umständen zusätzliche Leistungen zu:

– **Mehrbedarf für schwerbehinderte Menschen mit Merkzeichen G (§ 30 Abs. 1 SGB XII):** 17 Prozent der maßgeblichen Regelbedarfsstufe, wenn du das Merkzeichen **G** im Schwerbehindertenausweis nachweist und voll erwerbsgemindert nach § 43 Abs. 2 SGB VI bist. (aG ist nicht in § 30 Abs. 1 genannt, andere Mehrbedarfe können sich aber aus § 42b SGB XII ergeben.)
– **Mehrbedarf für kostenaufwändige Ernährung (§ 42b Abs. 2 SGB XII):** Bei ärztlich bescheinigter Notwendigkeit (z. B. bei Stoffwechselerkrankungen wie Phenylketonurie, Zöliakie oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten).
– **Kosten der Unterkunft und Heizung (§ 42a SGB XII):** In angemessener Höhe, unabhängig von der Schwerbehinderung.
– **Hilfe zur Pflege (§§ 61 ff. SGB XII):** Wenn neben der Schwerbehinderung ein Pflegegrad vorliegt.

**Beispiel (Merkzeichen G):**
– Regelbedarfsstufe 1: 563 Euro
– Mehrbedarf nach § 30 Abs. 1 SGB XII (17 % von 563): 95,71 Euro
– KdU (Warmmiete, angemessen): z. B. 480 Euro
– Gesamtbedarf: 563 + 95,71 + 480 = **1.138,71 Euro**
– Anrechenbare EM-Rente: 520 Euro (ohne Grundrenten-Freibetrag)
– Grundsicherungsanspruch: 1.138,71 − 520 = **618,71 Euro monatlich**

## 5. Schonvermögen und Freibeträge

Für die Grundsicherung bei EM gelten folgende **Schonvermögensregeln** nach § 90 Abs. 2 SGB XII:

– **Kleinere Barbeträge und sonstige Geldwerte** sind unter Berücksichtigung der besonderen Notlage geschont (§ 90 Abs. 2 Nr. 9 SGB XII). Die konkrete Höhe wird im Einzelfall vom Sozialamt festgelegt; pauschale Beträge wie beim Bürgergeld (10.000 Euro Grundfreibetrag) gelten hier ausdrücklich **nicht**.
– **Selbst genutztes Wohneigentum** in angemessener Größe bleibt vollständig geschont (§ 90 Abs. 2 Nr. 8 SGB XII). Die Angemessenheit richtet sich nach Zahl der Bewohner, Wohnbedarf (besonders von behinderten, blinden oder pflegebedürftigen Menschen), Grundstücksgröße, Hausgröße und Ausstattung.
– **Angemessener Hausrat** ist geschont (§ 90 Abs. 2 Nr. 4 SGB XII).
– **Gegenstände zur Berufsausübung** sind geschont (§ 90 Abs. 2 Nr. 5 SGB XII).
– **Familien- und Erbstücke**, deren Veräußerung eine besondere Härte wäre (§ 90 Abs. 2 Nr. 6 SGB XII).
– **Gefördertes Altersvorsorgevermögen** (Riester-Rente nach § 10a EStG, betriebliche Altersvorsorge nach Abschnitt XI EStG; § 92 EStG definiert das geschonte Vermögen) bleibt in der Auszahlungsphase nach § 90 Abs. 2 Nr. 2 SGB XII geschont.
– **Angemessenes Kraftfahrzeug** ist geschont (§ 90 Abs. 2 Nr. 10 SGB XII) – bei Schwerbehinderung mit Merkzeichen aG oder G kann ein behindertengerecht umgebautes Fahrzeug in der Regel nicht als Vermögen verwertet werden.

Im Unterschied zum Bürgergeld nach SGB II gibt es in der Grundsicherung **keinen pauschalen Grundfreibetrag von 10.000 Euro**. Stattdessen wird das gesamte verwertbare Vermögen (§ 90 Abs. 1 SGB XII) herangezogen, soweit es nicht unter die genannten Ausnahmen fällt. Einzelfallberatung bei einer zugelassenen Beratungsstelle ist hier sinnvoll.

**Wichtig: Keine Erbenhaftung bei Grundsicherung im 4. Kapitel SGB XII (§ 102 Abs. 5 SGB XII).** Die Kosten der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung (4. Kapitel SGB XII) unterliegen **nicht** der Erbenhaftung nach § 102 SGB XII. Das bedeutet: Anders als bei der Hilfe zum Lebensunterhalt nach dem 3. Kapitel SGB XII müssen Erben die Kosten der Grundsicherung nach dem 4. Kapitel **nicht** zurückzahlen — auch nicht innerhalb eines 10-Jahres-Zeitraums. Wenn du also während des Bezugs von Grundsicherung Vermögen an Angehörige überträgst, hat das **keine direkten Auswirkungen** auf deinen laufenden Anspruch und keine Auswirkungen auf deine Erben.

## 6. Antragstellung: Wo und wie?

Die Grundsicherung bei EM wird beim **zuständigen Sozialamt** deines Wohnortes beantragt. Zuständig ist der Träger der Sozialhilfe, in dessen Bezirk du deinen gewöhnlichen Aufenthalt hast. In Bayern sind das die **Bezirke**, in den meisten anderen Bundesländern die **Landkreise oder kreisfreien Städte**.

### Erforderliche Unterlagen

– Personalausweis oder Reisepass
– Schwerbehindertenausweis (Kopie, Vorder- und Rückseite)
– Aktueller **EM-Renten-Bescheid** der Deutschen Rentenversicherung
– Kontoauszüge der letzten 3 Monate
– Mietvertrag und aktuelle Mietkostenabrechnung
– Vermögensnachweise (Sparbuch, Lebensversicherung, Bausparer, Aktien, Fonds)
– Bei Schwerbehinderung: Bescheid des **Versorgungsamts** über die GdB-Feststellung
– Ggf. Pflegegrad-Bescheid (wenn Pflegebedarf besteht)
– Ggf. ärztliche Bescheinigung über kostenaufwändige Ernährung

### Ablauf

1. **Beratungsgespräch** beim Sozialamt oder bei einer zugelassenen Beratungsstelle (VdK, Sozialverband, AWO, Caritas, Diakonie)
2. **Antragstellung** schriftlich oder online (je nach Kommune)
3. **Prüfung der Anspruchsvoraussetzungen** (gewöhnlicher Aufenthalt, EM-Feststellung, Einkommen, Vermögen)
4. **Bewilligungsbescheid** mit Berechnung der Grundsicherungsleistung
5. Bei Ablehnung: **Widerspruch innerhalb eines Monats** nach Bekanntgabe des Bescheids (§ 84 Abs. 1 SGG)
6. Bei Widerspruchsablehnung: **Klage vor dem Sozialgericht** (Anfechtungsklage nach § 54 SGG, Klagebefugnis § 87 SGG)

Das Sozialamt ist gesetzlich verpflichtet, Anträge zeitnah zu bearbeiten. In der Realität dauert die Bearbeitung **4 bis 8 Wochen**. Bei längerer Verzögerung kannst du einen **Vorschuss nach § 42 SGB I** verlangen oder einen **Eilantrag beim Sozialgericht** stellen.

## 7. Schnittstellen zu anderen Sozialleistungen

Die Grundsicherung bei EM ist die **Leistung „nach hinten“** – sie greift, wenn andere Sozialleistungen nicht oder nicht ausreichend vorhanden sind. Sie wird daher auch als **„Auffangleistung“** bezeichnet. Wichtige Schnittstellen:

### Bürgergeld (SGB II)

Wenn du unter 55 Jahre alt bist und grundsätzlich arbeiten könntest, wird das **Bürgergeld nach SGB II** vom Jobcenter gezahlt. Bei nachgewiesener dauerhafter voller Erwerbsminderung bist du jedoch vom Bürgergeld **ausgeschlossen** (§ 7 Abs. 1 SGB II) und bekommst stattdessen Grundsicherung nach SGB XII.

### Pflegegrad und Pflegeleistungen (SGB XI)

Wenn du einen Pflegegrad hast (z. B. Pflegegrad 2 oder höher), übernimmt die **Pflegekasse** Leistungen wie Pflegegeld, Pflegesachleistungen oder die Kosten für eine stationäre Pflege. Diese Pflegekassenleistungen werden **nicht** auf die Grundsicherung angerechnet, soweit sie für den Pflegebedarf verwendet werden. Ein **Eigenanteil** bleibt in der Regel bestehen, der aus der Grundsicherung gezahlt werden kann.

### Wohngeld

Wenn du **kein** Bürgergeld und **keine** Grundsicherung beziehst, kannst du unter Umständen **Wohngeld** beantragen (§§ 3, 4 WoGG). Da die Kosten der Unterkunft im Rahmen der Grundsicherung übernommen werden, ist Wohngeld in der Regel ausgeschlossen, wenn du bereits Grundsicherung erhältst.

### Kinderzuschlag

Wenn du Kinder hast und Bürgergeld oder Grundsicherung beziehst, kannst du unter Umständen zusätzlich **Kinderzuschlag** (§ 6a BKGG) beantragen. Beim Bezug von Grundsicherung ist der Kinderzuschlag in der Regel nicht erforderlich, weil die Bedarfe der Kinder bereits im Regelsatz berücksichtigt sind.

## 8. Häufig gestellte Fragen (FAQ)

### Kann ich Grundsicherung beziehen, wenn ich keine EM-Rente bekomme?

Ja, unter Umständen. Wenn du aus gesundheitlichen Gründen **keine EM-Rente erhältst** (z. B. weil du die Wartezeit von 5 Jahren nicht erfüllst), kann das Sozialamt die **EM-Voraussetzung nach § 45 SGB XII selbst prüfen** und die Rentenversicherung um eine Stellungnahme bitten. Wenn die EM-Voraussetzung erfüllt ist, bekommst du Grundsicherung, auch ohne EM-Rentenbescheid.

### Wird die EM-Rente vollständig auf die Grundsicherung angerechnet?

Nicht unbedingt. Wenn du **Grundrentenzeiten** nachweisen kannst, greift der Freibetrag nach § 82a SGB XII (100 Euro monatlich zuzüglich 30 Prozent des übersteigenden Teils der Rente, maximal 50 Prozent der Regelbedarfsstufe 1). Ohne Grundrentenzeiten wird die EM-Rente nach § 82 SGB XII als Einkommen berücksichtigt. In beiden Fällen bleibt in der Praxis oft ein **Restanspruch auf Grundsicherung** bestehen, besonders bei niedrigen EM-Renten und/oder einem Merkzeichen G/aG.

### Muss ich mein Erspartes aufbrauchen?

Das kommt auf die Höhe an. In der **Grundsicherung nach SGB XII** gibt es **keinen pauschalen Schonvermögensbetrag** wie beim Bürgergeld. Stattdessen werden im Einzelfall kleinere Barbeträge nach § 90 Abs. 2 Nr. 9 SGB XII unter Berücksichtigung der besonderen Notlage geschont. Wohneigentum in angemessener Größe bleibt vollständig geschont. Zusätzliche private Altersvorsorge ist im Rahmen der Freibeträge geschont.

### Bekomme ich Grundsicherung auch im Pflegeheim?

Ja, die Grundsicherung bei Erwerbsminderung wird auch bei stationärer Pflege gewährt. Die Kosten der Pflegeeinrichtung übernimmt anteilig die Pflegekasse (Pflegegrad 2 bis 5) und das Sozialamt. Ein **Eigenanteil** bleibt in der Regel bestehen.

### Wie lange dauert die Bearbeitung?

Das Sozialamt ist gesetzlich verpflichtet, über Anträge auf Grundsicherung **zeitnah** zu entscheiden. In der Praxis dauert die Bearbeitung **4 bis 8 Wochen**. Wenn du dringend auf die Leistung angewiesen bist, kannst du einen **Vorschuss nach § 42 SGB I** verlangen oder einen Eilantrag beim Sozialgericht stellen.

### Muss ich einen Hinzuverdienst-Freibetrag beachten?

Ja, wenn du neben der Grundsicherung einer geringfügigen Beschäftigung nachgehst. Bei der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung sind nach **§ 82 Abs. 3 SGB XII** 30 vom Hundert des Einkommens aus selbständiger oder nichtselbständiger Tätigkeit anrechnungsfrei, höchstens jedoch 50 vom Hundert der Regelbedarfsstufe 1. Die Hinzuverdienstregelungen sind komplex und sollten im Einzelfall mit einer Beratungsstelle besprochen werden.

### Muss ich den Schwerbehindertenausweis vor Antragstellung haben?

Nein, aber du solltest den **Antrag auf GdB-Feststellung beim Versorgungsamt** parallel stellen, damit du beide Bescheide möglichst schnell hast. Für die Grundsicherung selbst ist der Schwerbehindertenausweis keine Voraussetzung – die Voraussetzung ist die dauerhafte volle Erwerbsminderung.

### Wer hilft mir beim Ausfüllen des Antrags?

Mehrere kostenfreie oder günstige Anlaufstellen unterstützen dich beim Antrag:

– **Sozialverband VdK Deutschland** – Mitgliedschaft erforderlich, dafür kostenfreie Beratung und Begleitung im Widerspruchsverfahren. Besonders stark bei Schwerbehinderung und EM.
– **Sozialverband Deutschland (SoVD)** – ähnliche Leistungen wie VdK.
– **AWO, Caritas, Diakonie** – kirchliche oder gewerkschaftliche Beratungsstellen bieten kostenfreie Sozialberatung an.
– **Rechtsanwälte mit Sozialrechts-Schwerpunkt** – für komplexe Fälle oder bei Widerspruch/Klage sinnvoll. Bei niedrigem Einkommen übernimmt die **Beratungshilfe** des Staates die Kosten (Beratungshilfeschein beim Amtsgericht).
– **Verbraucherzentralen** – bieten in vielen Bundesländern Sozialrechtsberatung an.

Wenn du **Mitglied** in einem Sozialverband bist oder wirst, übernimmt dieser in der Regel die komplette Vertretung im Widerspruchs- und Klageverfahren – ein erheblicher Vorteil gegenüber der Alleingänger-Lösung.

### Wie wirkt sich Grundsicherung auf meinen Pflegegrad aus?

Grundsicherung und Pflegeleistungen nach SGB XI sind **zwei getrennte Systeme**. Pflegegeld (PG 2: 332 Euro, PG 3: 573 Euro, PG 4: 765 Euro, PG 5: 901 Euro monatlich, Stand 2024) wird aus der Pflegeversicherung gezahlt und **nicht** auf die Grundsicherung angerechnet, soweit es für den Pflegebedarf verwendet wird. Allerdings kann ein erhöhter Pflegebedarf dazu führen, dass du zusätzlich **Hilfe zur Pflege** nach §§ 61 ff. SGB XII erhältst, die ergänzend zur Grundsicherung gezahlt wird. Lass dich hierzu von einer Pflegeberatung der Krankenkasse (§ 7a SGB XI, Pflegeberatung) beraten.

## 9. Nächste Schritte

Wenn du in dieser Situation bist, empfehlen wir dir folgende Schritte:

1. **EM-Rente beantragen** (falls noch nicht geschehen) bei der Deutschen Rentenversicherung
2. **GdB-Feststellung beantragen** beim Versorgungsamt, wenn du noch keinen Schwerbehindertenausweis hast
3. **Beratungstermin** beim VdK, Sozialverband Deutschland, AWO, Caritas oder Diakonie vereinbaren (kostenfrei für Mitglieder)
4. **Antrag auf Grundsicherung** beim zuständigen Sozialamt stellen
5. Bei Ablehnung: **Widerspruch einlegen** innerhalb eines Monats nach Zugang des Bescheids (§ 84 SGG)
6. Bei Widerspruchsablehnung: **Klage vor dem Sozialgericht** (Anfechtungsklage § 54 SGG)

**Wichtig:** Die Grundsicherung bei EM wird **rückwirkend** zum Ersten des Monats gezahlt, in dem der Antrag gestellt wurde. Stelle den Antrag also so früh wie möglich, auch wenn du noch nicht alle Unterlagen beisammen hast.

## 10. Quellen und weiterführende Links

### Gesetze (verifiziert am 24.06.2026 gegen gesetze-im-internet.de)

§ 41 SGB XII – Leistungsberechtigte: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_12/__41.html
§ 42 SGB XII – Bedarfe: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_12/__42.html
§ 42a SGB XII – Bedarfe für Unterkunft und Heizung: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_12/__42a.html
§ 42b SGB XII – Mehrbedarfe: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_12/__42b.html
§ 43 SGB XII – Einsatz von Einkommen und Vermögen: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_12/__43.html
§ 45 SGB XII – Feststellung der dauerhaften vollen Erwerbsminderung: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_12/__45.html
§ 82 SGB XII – Einsatz des Einkommens: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_12/__82.html
§ 82a SGB XII – Freibetrag für Grundrentenzeiten: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_12/__82a.html
§ 152 SGB IX – Feststellung der Behinderung: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_9_2018/__152.html
§ 43 SGB VI – Rente wegen Erwerbsminderung: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_6/__43.html
§ 84 SGG – Widerspruchsfrist: https://www.gesetze-im-internet.de/sgg/__84.html
§ 54 SGG – Anfechtungsklage: https://www.gesetze-im-internet.de/sgg/__54.html
§ 87 SGG – Klagebefugnis: https://www.gesetze-im-internet.de/sgg/__87.html
§ 7 SGB II – Ausschluss vom Bürgergeld bei EM: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_2/__7.html
§ 42 SGB I – Vorschuss: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_1/__42.html

### Behörden und Beratungsstellen

– Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS): https://www.bmas.de
– Deutsche Rentenversicherung: https://www.deutsche-rentenversicherung.de
– Sozialverband VdK Deutschland: https://www.vdk.de
– Sozialverband Deutschland (SoVD): https://www.sovd.de

### Intern verlinkte sozialrat.org-Seiten

– /grundsicherung-alter-vs-buergergeld-2026/ — Unterschied Grundsicherung im Alter vs. Bürgergeld
– /erwerbsminderung/ — Pillar-Übersicht Erwerbsminderungsrente
– /schwerbehinderung/ — Pillar-Übersicht Schwerbehinderung
– /buergergeld/ — Schnittstelle Bürgergeld
– /pflegegrad/ — Schnittstelle Pflegebedarf
– /wohngeld/ — Schnittstelle Wohnkosten

**Hinweis zur Aktualität:** Alle Paragraphen und Beträge wurden am 24.06.2026 gegen die amtliche Fassung auf gesetze-im-internet.de verifiziert. Für die jeweils gültige Fassung empfehlen wir, die Originalquellen zu konsultieren. Bei Änderungen durch den Gesetzgeber (z. B. Anpassung der Regelbedarfsstufen) wird dieser Beitrag aktualisiert.

**YMYL-Hinweis:** Dieser Beitrag behandelt ein YMYL-Thema (Your Money Your Life). Wir haben die Aussagen gegen amtliche Quellen verifiziert. Trotzdem können sich seit dem Stand-Datum Änderungen ergeben haben. Bei Unsicherheit konsultiere eine zugelassene Beratungsstelle oder einen Rechtsanwalt.

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Wenn Sie sich in einer akuten finanziellen Krise befinden:

  • Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 (kostenlos, 24/7)
  • Kinder- und Jugendtelefon: 116 111 (kostenlos, 24/7)
  • Sozialberatung: VdK, SoVD, Sozialverband (vor Ort)

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