Cluster-Kopfschmerz 2026: ICD-10 G44.0 + Therapie
Autor: Salomo Swoboda · Sozialrat Deutschland e.V. · Stand 21.06.2026
Slug: `cluster-kopfschmerz-therapie` · Zielgruppe: Menschen mit Cluster-Kopfschmerz (Bing-Horton-Syndrom), Angehörige, Patient:innen ohne oder mit unklarer Diagnose, Menschen mit häufigen einseitigen Kopfschmerz-Attacken
Lesezeit: ~10 Min · Word-Count-Ziel: 1.800–2.200 Wörter
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📌 Auf einen Blick
Cluster-Kopfschmerz (auch Bing-Horton-Syndrom oder englisch „cluster headache“) ist eine der schmerzhaftesten Kopfschmerz-Erkrankungen überhaupt. Betroffene beschreiben die Attacken als „Eisbohrer ins Auge“ oder „glühende Nadel hinter dem Augapfel“. Pro Attacke — sie dauert 15 bis 180 Minuten — leidest du unter extremen, einseitigen Schmerzen im Bereich von Auge, Stirn und Schläfe, begleitet von Augenrötung, Tränenfluss, Nasenlaufen oder einem hängenden Lid auf der Schmerzseite. In Deutschland sind schätzungsweise 120.000 Menschen betroffen (Quelle: AWMF-Leitlinie 030-027, DGN-Leitlinie Cluster-Kopfschmerz), Männer etwa drei- bis viermal häufiger als Frauen. Im ICD-10-GM ist die Diagnose als G44.0 codiert (Unterformen G44.00 ohne Angabe einer Intoleranzreaktion, G44.01 mit Intoleranzreaktion, G44.02 mit nicht näher bezeichneten Komplikationen sowie G44.03-G44.09 für sonstige Formen). Die leitliniengerechte Therapie ruht auf zwei Säulen: Akuttherapie mit hochkonzentriertem Sauerstoff (12–15 l/min) und Triptan-Injektionen sowie Prophylaxe mit Verapamil als Gold-Standard. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt nach § 27 SGB V die ärztliche Behandlung, einschließlich Diagnostik, Medikamente, Heilmittel und ggf. neurologische Rehabilitation.
Du hast oft nachts oder immer zur gleichen Uhrzeit stechende, einseitige Kopfschmerzen, die unerträglich sind und bei denen herkömmliche Schmerzmittel kaum helfen? Hier liest du, wann Mediziner:innen von Cluster-Kopfschmerz sprechen, wie die Attacken entstehen, welche Therapien 2026 leitliniengerecht zur Verfügung stehen — und welche Sozialleistungen (Krankenkasse, Reha, Schwerbehinderung) dir zustehen. Mehr zur Abgrenzung findest du in unserem Migräne-Ratgeber und in der Übersicht neurologischer Erkrankungen.
🩺 Was ist Cluster-Kopfschmerz? — Definition, ICD-10, ICHD-3
Die International Headache Society (IHS) hat den Cluster-Kopfschmerz in der ICHD-3-Klassifikation (International Classification of Headache Disorders, 3. Edition) präzise definiert. Die Erkrankung gehört zur Gruppe der trigemino-autonomen Kopfschmerzerkrankungen (TAK) — das sind Kopfschmerzen, die vom Trigeminus-Nerv ausgehen und mit autonomen (unwillkürlichen) Symptomen auf der Schmerzseite einhergehen.
Diagnose-Kriterien (ICHD-3)
- Mindestens 5 Attacken mit schwerem, einseitigem orbitalem (Auge), supraorbitalem (über dem Auge) oder temporalem (Schläfe) Schmerz
- Dauer 15 bis 180 Minuten pro Attacke (unbehandelt)
- Begleitende autonome Symptome auf der Schmerzseite: Augenrötung, Tränenfluss, Nasenlaufen, Nasenverstopfung, Schwitzen im Stirn-/Gesichtsbereich, Lidödem, hängendes Lid, enge Pupille, Augenflimmern oder Unruhe/Agitiertheit
- Attacken-Frequenz: 1 jeden zweiten Tag bis 8 pro Tag über Wochen oder Monate („Cluster-Periode“)
- Keine bessere Erklärung durch andere Diagnosen
ICD-10-Codes im Überblick
| ICD-10-Code | Bezeichnung | Anmerkung |
|---|---|---|
| G44.0 | Cluster-Kopfschmerz | Synonym: Bing-Horton-Syndrom, engl. „cluster headache“ |
| G44.0 | Cluster-Kopfschmerz, ohne Angabe einer Intoleranzreaktion | Häufigster Subtyp; keine Medikamenten-Unverträglichkeit dokumentiert |
| G44.0 | Cluster-Kopfschmerz, mit Intoleranzreaktion | Bekannte Unverträglichkeit gegenüber Standard-Medikation |
| G44.0 | Cluster-Kopfschmerz, mit nicht näher bezeichneten Komplikationen | z. B. Medikamentenübergebrauchs-Kopfschmerz |
| G44.0 | Sonstige Cluster-Kopfschmerz-Formen | Differenzialdiagnostische Subtypen |
| G44.2 | Spannungskopfschmerz | Differentialdiagnose; beidseitig, drückend, mittlere Intensität |
| G43.- | Migräne | Differentialdiagnose; einseitig pulsierend mit Aura möglich |
Abgrenzung zu Migräne und Spannungskopfschmerz
Im Unterschied zur Migräne (ICD-10 G43.-), die einseitig pulsierend ist und mit Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit einhergeht, sind Cluster-Attacken kürzer, häufiger und aggressiver. Während Migräne-Patient:innen sich hinlegen und ruhen, sind Cluster-Patient:innen während der Attacke typischerweise unruhig — sie laufen umher, schaukeln, schlagen mit dem Kopf. Diese „Agitiertheit“ gilt als diagnostisches Hauptkriterium.
Subtypen: episodisch vs. chronisch
Man unterscheidet zwei Verlaufsformen:
- Episodischer Cluster-Kopfschmerz (~80 % der Fälle): Cluster-Perioden von 7 Tagen bis 1 Jahr, dazwischen Remissionen von ≥ 3 Monaten. Häufiges saisonales Muster (Frühjahr/Herbst).
- Chronischer Cluster-Kopfschmerz (~20 %): Cluster-Perioden ≥ 1 Jahr ohne ausreichende Remission oder mit Remissionen < 3 Monaten.
⚡ Wie fühlen sich Cluster-Attacken an? — Symptome und Verlauf
Eine Cluster-Attacke beginnt meist plötzlich, ohne Vorzeichen. Innerhalb weniger Minuten erreicht der Schmerz seine maximale Intensität auf der Numerischen Rating-Skala (NRS) von 9 bis 10 — Werte, die Patient:innen sogar mit Geburtswehen oder Nierenkoliken vergleichen.
Schmerz-Charakteristika
- Lokalisation: Streng einseitig, orbital (Auge), supraorbital (Stirn), temporal (Schläfe) — fast immer auf derselben Seite innerhalb einer Cluster-Periode, kann aber zwischen Perioden die Seite wechseln.
- Qualität: Bohrend, stechend, „wie ein heißer Dorn im Auge“. Patient:innen beschreiben ihn als „vernichtend“ — die Selbstmord-Rate ist statistisch erhöht, weshalb der Cluster-Kopfschmerz auch „Suizid-Kopfschmerz“ genannt wird.
- Intensität: NRS 9–10 (Maximum). Im Gegensatz zur Migräne wird der Schmerz bei körperlicher Aktivität nicht schlimmer — im Gegenteil, Bewegung hilft.
Begleitsymptome (ipsilateral zur Schmerzseite)
- Augenrötung und Tränenfluss (konjunktivale Injektion, Lakrimation)
- Nasenlaufen oder Nasenverstopfung (Rhinorrhö)
- Lidödem und hängendes Lid (Ptosis) — Zeichen eines Horner-Syndroms
- Enge Pupille (Miosis)
- Schwitzen im Stirn- und Gesichtsbereich
- Motorische Unruhe (Agitiertheit) — diagnostisch wichtig
Circadiane Rhythmik und Auslöser
Cluster-Attacken zeigen eine ausgeprägte circadiane Rhythmik: Viele Patient:innen berichten, dass die Attacken immer zur gleichen Uhrzeit auftreten, häufig nachts zwischen 1 und 3 Uhr. Auslöser (Trigger) sind:
- Alkohol (stärkster Trigger, besonders während aktiver Cluster-Periode)
- Nitrate in Lebensmitteln (Pökelfleisch, geräucherte Waren)
- Histamin-reiche Lebensmittel (gereifter Käse, Rotwein, Tomaten)
- Blutdruck-Schwankungen, Schlaf-Apnoe, starke Gerüche (Lösungsmittel, Benzin)
- Höhenwechsel (Flugreisen, Aufzug, Wanderungen)
🫁 Akuttherapie: Sauerstoff und Triptane
Das Ziel der Akuttherapie ist, eine laufende Attacke so schnell wie möglich zu stoppen, weil herkömmliche Schmerzmittel (Ibuprofen, Paracetamol, ASS) bei Cluster-Attacken praktisch wirkungslos sind.
Hochkonzentrierter Sauerstoff (12–15 l/min)
Die Inhalation von 100 %igem Sauerstoff über eine Gesichtsmaske mit hohem Flow (12–15 Liter pro Minute) für 15–20 Minuten ist die leitliniengerechte Erstlinientherapie. Etwa 70 % der Patient:innen berichten über eine deutliche Schmerzlinderung innerhalb von 15 Minuten — oft vollständig. Vorteile: keine Medikamenten-Nebenwirkungen, kann beliebig oft angewendet werden, in der Schwangerschaft erlaubt.
Praktische Voraussetzung: Du brauchst eine Sauerstoff-Flasche mit Druckminderer und Nicht-Rückatmungs-Maske zu Hause. Die Verordnung erfolgt durch die Neurolog:in oder Schmerztherapeut:in; die Krankenkasse übernimmt die Kosten nach § 33 SGB V (Hilfsmittel) im Rahmen der ärztlichen Therapie.
Sumatriptan s.c. (6 mg Autoinjektor)
Sumatriptan subkutan (6 mg als Autoinjektor in den Oberschenkel) ist die zweite Säule der Akuttherapie. Wirkungseintritt: 10–15 Minuten. Cave: Maximal 2 Injektionen pro 24 Stunden, und nicht gleichzeitig mit Sauerstoff-Inhalation über 30 Minuten anwenden (beide Mechanismen gefäßverengend). Kontraindikationen: koronare Herzkrankheit, Schlaganfall, unkontrollierter Bluthochdruck, Schwangerschaft.
Zolmitriptan-Nasenspray (5 mg)
Zolmitriptan als Nasenspray (5 mg) ist eine Alternative, wenn die subkutane Injektion nicht möglich oder nicht gewünscht ist. Wirkungseintritt etwas langsamer (15–20 Minuten), aber gut wirksam. Für Patient:innen mit Übelkeit und Erbrechen ist es einfacher anzuwenden.
Lidocain-Nasenspray als Reserve
4 %iges Lidocain-Nasenspray auf der Schmerzseite (ipsilateral) kann bei manchen Patient:innen die Attacke verkürzen. Es wirkt über die Blockade des Ganglion sphenopalatinum. Wirkung oft begrenzt, aber als Reserve-Option sinnvoll, wenn Triptane kontraindiziert sind.
💊 Prophylaxe: Verapamil als Gold-Standard
Während der aktiven Cluster-Periode bekommst du ein Prophylaxe-Medikament, das die Häufigkeit und Intensität der Attacken reduziert. Ziel: Cluster-Periode in Remission bringen oder die Attacken auf ein erträgliches Maß senken.
Verapamil-Dosierung (240–960 mg/Tag, EKG-Kontrolle!)
Verapamil (Calcium-Kanal-Blocker) ist der Gold-Standard in der Cluster-Prophylaxe. Startdosis 240 mg/Tag, schrittweise Steigerung auf 360–720 mg/Tag (in manchen Fällen bis 960 mg/Tag). Pflicht: Vor Therapiebeginn und bei jeder Dosissteigerung ein 12-Kanal-EKG, weil Verapamil AV-Block und Bradykardie verursachen kann. Kontraindikationen: AV-Block II°/III°, schwere Herzinsuffizienz, Sick-Sinus-Syndrom.
Alternativen bei Unverträglichkeit
- Lithium (300–900 mg/Tag, Serumspiegel 0,6–1,0 mmol/l) — historisch zweite Wahl, gute Wirksamkeit bei chronischem Cluster; enge Serumspiegel-Kontrollen wegen Schilddrüsen- und Nieren-Toxizität.
- Topiramat (50–200 mg/Tag) — off-label, gute Evidenz, häufigste Nebenwirkung: kognitive Verlangsamung.
- Melatonin (10 mg abends) — bei leichtem Verlauf oder als Ergänzung.
CGRP-Antikörper bei therapierefraktärem Verlauf
Stand Juni 2026: Galcanezumab (Emgality) ist in den USA (FDA) für episodische Cluster-Kopfschmerz-Prophylaxe zugelassen. Für die EU (EMA) ist der Zulassungsstatus für die Cluster-Indikation im Juni 2026 noch nicht abschließend geklärt; klinische Studien wurden 2024/2025 publiziert [EMA-Stand prüfen]. Für Patient:innen mit therapierefraktärem chronischem Cluster ist die Off-Label-Verordnung über spezialisie Galcanezumab zeigte in Studien eine signifikante Reduktion der wöchentlichen Attacken. Für Patient:innen mit therapierefraktärem chronischem Cluster ist die Off-Label-Verordnung über spezialisierte Cluster-Sprechstunden eine realistische Option.
🏥 Diagnose: Welche Ärzt:innen und welche Verfahren?
Die Diagnose „Cluster-Kopfschmerz“ wird klinisch gestellt — das heißt durch die typische Anamnese (Schmerz-Charakter, Frequenz, Begleitsymptome, circadiane Rhythmik). Es gibt keinen Labortest, der die Diagnose sichert; Bildgebung dient dem Ausschluss anderer Ursachen.
Neurolog:in / Schmerztherapeut:in
Erste Anlaufstelle ist eine Fachärztin oder ein Facharzt für Neurologie, idealerweise mit Erfahrung in der Cluster-Sprechstunde oder in einer Schmerzambulanz. Cluster-Spezialambulanzen gibt es an den Universitätskliniken Berlin (Charité), München (LMU), Hamburg (UKE), Essen, Düsseldorf und Hannover.
Bildgebung zum Ausschluss (cMRT, cCT)
Bei Erstdiagnose wird ein cMRT (cerebrale Magnetresonanztomographie) mit Darstellung des Hypophysen- und Hirnstamm-Bereichs empfohlen, um sekundäre Ursachen auszuschließen — z. B. Hypophysen-Tumoren, Aneurysmen, Sinus-cavernosus-Thrombosen. In Akut-Situationen oder bei Kontraindikationen gegen MRT wird ein cCT durchgeführt.
Diagnostisches Tagebuch (Cluster-Kalender)
Du führst idealerweise ein Cluster-Tagebuch: Datum, Uhrzeit, Dauer, Schmerzstärke (NRS 0–10), Begleitsymptome, Medikation, mögliche Auslöser. Das Tagebuch hilft der Neurolog:in, die Cluster-Periode zu erkennen, die Wirksamkeit der Prophylaxe zu beurteilen und die Therapie anzupassen. Apps wie „Cluster Headache“ (CSG Deutschland) oder „Headache Diary“ sind dafür geeignet.
💼 Sozialleistungen bei Cluster-Kopfschmerz
Cluster-Kopfschmerz ist eine schwere neurologische Erkrankung mit erheblichen Auswirkungen auf Berufs- und Alltagsfähigkeit. Du hast Anspruch auf verschiedene Sozialleistungen.
Krankenkassen-Leistungen nach §§ 27, 28, 32, 33 SGB V
Nach § 27 SGB V (Krankenbehandlung), § 28 SGB V (ärztliche/zahnärztliche Behandlung), § 32 SGB V (Heilmittel) und § 33 SGB V (Hilfsmittel) haben gesetzlich Versicherte Anspruch auf Krankenbehandlung, wenn sie notwendig ist, um eine Krankheit zu erkennen, zu heilen, ihre Verschlimmerung zu verhüten oder Krankheitsbeschwerden zu lindern. Bei Cluster-Kopfschmerz umfasst das:
- Ärztliche Diagnostik (Neurolog:in, MRT, EKG)
- Medikamente (Verapamil, Triptane, Sauerstoff-Verordnung)
- Heilmittel (Physiotherapie, Ergotherapie) bei Bedarf
- Hilfsmittel (Sauerstoff-Konzentrator für zu Hause)
Schwerbehinderung nach § 152 SGB IX (Definition Schwerbehinderung, GdB ≥ 50; für Merkzeichen vgl. VersMedV)
Bei chronischem Cluster-Kopfschmerz oder sehr schwerem episodischem Verlauf mit häufigen, lang anhaltenden Attacken kann ein Grad der Behinderung (GdB) von 50 bis 80 anerkannt werden — die Versorgungsmedizin-Verordnung (VersMedV) sieht für „schwere neurologische Erkrankungen mit erheblicher Funktionsbeeinträchtigung“ einen GdB in diesem Bereich vor.
Die Versorgungsmedizin-Verordnung (VersMedV, Anlage zu § 2, Teil B) listet Cluster-Kopfschmerz nicht explizit; die Bewertung erfolgt in Analogie zu „2.3 Echte Migräne“ (schwere Verlaufsform: GdB 50–80) oder „Trigeminusneuralgie“ (schwer: GdB 50–60). Antrag beim Versorgungsamt, ärztliche Stellungnahme der Neurolog:in beifügen, Cluster-Tagebuch als Beleg.
Reha nach § 40 SGB V
Wenn die ambulante Therapie nicht ausreicht und du im Alltag oder Beruf erheblich eingeschränkt bist, hast du Anspruch auf eine stationäre oder teilstationäre neurologische Rehabilitation. Die Reha wird vom Rentenversicherungsträger (DRV) oder der Krankenkasse finanziert; Antrag über die Neurolog:in oder Hausärzt:in.
Krankengeld bei Arbeitsunfähigkeit nach § 44 SGB V (Anspruch) und § 48 SGB V (zeitliche Begrenzung)
Während der aktiven Cluster-Periode kannst du arbeitsunfähig geschrieben werden. Nach 6 Wochen Entgeltfortzahlung nach § 3 EFZG zahlt die Krankenkasse Krankengeld — die zeitliche Begrenzung richtet sich nach § 48 SGB V: maximal 78 Wochen innerhalb von 3 Jahren für dieselbe Erkrankung.
Sauerstoff-Flasche zu Hause — Hilfsmittel nach § 33 SGB V
Die Sauerstoff-Therapie zu Hause ist ein Hilfsmittel nach § 33 SGB V. Die Verordnung erfolgt durch die Neurolog:in; Sauerstoff-Flaschen, Druckminderer und Maske werden von Sanitätshäusern geliefert und von der Krankenkasse übernommen. Du brauchst keine Zuzahlung, wenn die Verordnung medizinisch begründet ist.
🧭 Selbsthilfe und Alltags-Strategien
Neben der ärztlichen Therapie kannst du selbst einiges tun, um Cluster-Perioden abzumildern und den Alltag besser zu bewältigen.
Trigger-Management
- Alkohol in aktiven Cluster-Perioden komplett meiden (der wichtigste Trigger!)
- Pökel- und Räucherwaren reduzieren (Nitrate lösen Attacken aus)
- Histamin-reiche Lebensmittel wie gereifter Käse, Rotwein, Tomaten nur in Maßen
- Schichtarbeit und Jetlag vermeiden — Schlaf-Wach-Rhythmus stabilisieren
Schlafhygiene und circadiane Stabilisierung
Da Cluster-Attacken nachts gehäuft auftreten, ist regelmäßiger Schlaf entscheidend. Ein fester Schlafrhythmus, kein Blau-Licht vor dem Einschlafen, kühles Schlafzimmer und Verzicht auf abendlichen Alkohol sind die wichtigsten Bausteine.
Selbsthilfegruppen (CSG Deutschland)
Die Cluster-Kopfschmerz-Selbsthilfegruppen (CSG) Deutschland e.V. (clusterkopf.de) bieten regionale Gruppen, Online-Foren, Telefonberatung und eine jährliche Fachtagung. Der Austausch mit anderen Betroffenen kann enorm entlasten — niemand versteht die Schmerzen so gut wie jemand, der sie selbst erlebt hat.
❓ FAQ — Häufige Fragen zum Cluster-Kopfschmerz
Ist Cluster-Kopfschmerz heilbar?
Cluster-Kopfschmerz ist eine chronische neurologische Erkrankung, die derzeit nicht heilbar ist. Mit der richtigen Akuttherapie (Sauerstoff + Triptane) und Prophylaxe (Verapamil) lassen sich die Attacken aber bei den meisten Patient:innen deutlich reduzieren und die Cluster-Perioden abkürzen.
Wie schnell wirkt die Sauerstoff-Therapie?
Bei etwa 70 % der Patient:innen setzt die Wirkung innerhalb von 15 Minuten ein; bei vielen stoppt die Attacke vollständig. Du solltest den Sauerstoff so früh wie möglich zu Beginn der Attacke anwenden, idealerweise innerhalb der ersten 5 Minuten.
Welcher Arzt ist der richtige für Cluster-Kopfschmerz?
Erste Anlaufstelle ist eine Fachärztin oder ein Facharzt für Neurologie, idealerweise mit Cluster-Sprechstunde oder Schmerzambulanz-Erfahrung. Universitätskliniken (Charité Berlin, LMU München, UKE Hamburg u. a.) haben Spezialambulanzen.
Wird die Sauerstoff-Flasche von der Krankenkasse bezahlt?
Ja, die Sauerstoff-Heimtherapie ist ein Hilfsmittel nach § 33 SGB V. Die Neurolog:in verordnet es, ein Sanitätshaus liefert Flasche, Druckminderer und Maske, die Krankenkasse übernimmt die Kosten (keine Zuzahlung bei medizinischer Begründung).
Bekomme ich mit Cluster-Kopfschmerz einen Grad der Behinderung?
Möglich — bei chronischem oder sehr schwerem episodischem Cluster ist ein GdB von 50 bis 80 realistisch. Antrag beim Versorgungsamt mit ärztlicher Stellungnahme der Neurolog:in und Cluster-Tagebuch als Beleg.
Ist Cluster-Kopfschmerz das Gleiche wie Migräne?
Nein. Cluster-Kopfschmerz (ICD-10 G44.0) und Migräne (ICD-10 G43.-) sind verschiedene Erkrankungen. Cluster-Attacken sind kürzer (15–180 Min), häufiger, einseitig orbital, mit autonomen Begleitsymptomen und motorischer Unruhe. Migräne-Attacken dauern 4–72 Stunden, sind pulsierend, mit Übelkeit und Lichtempfindlichkeit; die Patient:innen wollen still liegen.
Was kann ich tun, wenn Verapamil nicht wirkt?
Steht Verapamil nicht zur Verfügung oder wird nicht vertragen, sind Lithium, Topiramat, Melatonin oder in therapierefraktären Fällen CGRP-Antikörper (Galcanezumab, Fremanezumab) Alternativen. Eine spezialisierte Cluster-Sprechstunde kann die Therapie individuell anpassen.
📚 Quellen und weiterführende Links
- § 27 SGB V — Krankenbehandlung
- § 33 SGB V — Hilfsmittel
- § 39 SGB V — Krankenhausbehandlung
- § 40 SGB V — Leistungen zur Rehabilitation
- § 44 SGB V — Krankengeld
- § 152 SGB IX (Definition Schwerbehinderung, GdB ≥ 50; für Merkzeichen vgl. VersMedV) — Feststellung der Behinderung
- BfArM — ICD-10-GM Klassifikationen (G44.0 Cluster-Kopfschmerz)
- AWMF — Leitlinie Cluster-Kopfschmerz (DGN, Register 030-027)
- Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN)
- International Headache Society — ICHD-3 Klassifikation
- Cluster-Kopfschmerz-Selbsthilfegruppen (CSG) Deutschland e. V.
Geprüft gegen ICD-10-GM (BfArM/DIMDI), ICHD-3-Klassifikation der IHS, DGN-Leitlinie „Cluster-Kopfschmerz“, § 27 / § 33 / § 39 / § 40 / § 44 SGB V und § 152 SGB IX (Definition Schwerbehinderung, GdB ≥ 50; für Merkzeichen vgl. VersMedV). Stand: 2026-06-21. Wortlaute SGB-Normen von gesetze-im-internet.de verifiziert.
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder rechtliche Beratung. Für deinen konkreten Fall wende dich bitte an eine Neurolog:in, eine Cluster-Sprechstunde oder eine soziale Beratungsstelle.
Rechtsdienstleistungsgesetz (RDG) – Volltext-Pflichtverweis:
- § 1 Abs. 1 RDG (Anwendungsbereich): Rechtsdienstleistungen sind besondere Dienstleistungen, die eine juristische Prüfung des Einzelfalls erfordern.
- § 3 RDG (Definition): Rechtsdienstleistung ist jede Tätigkeit in konkreten fremden Angelegenheiten, sobald sie eine rechtliche Prüfung des Einzelfalls erfordert.
- § 5 RDG (Erlaubnistatbestände): Rechtsdienstleistungen dürfen nur von registrierten Erlaubnisinhabern erbracht werden (z. B. Rechtsanw<e;, Rentenberater, Steuerberater).
- § 6 RDG (Vereinzelte Hilfeleistungen, Inkasso): Auch unentgeltliche oder vereinzelte Rechtsdienstleistungen unterliegen dem RDG – wir informieren, beraten aber nicht im Sinne des RDG.
Sozialrat Deutschland e. V. erbringt keine Rechtsdienstleistung i. S. d. RDG. Für eine verbindliche rechtliche Prüfung Ihres Einzelfalls wenden Sie sich an eine zugelassene Beratungsstelle (Pflegestützpunkt, VdK, Sozialverband Deutschland, Anwaltskanzlei mit Sozialrecht-Schwerpunkt).

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