Berufsunfähigkeit Pflegekasse: § 43 SGB V Abs. 4 — Anspruch und Berechnung

Berufsunfähigkeit Pflegekasse: § 43 SGB V Abs. 4 — Anspruch und Berechnung

Meta-Title (≤60 Z.): Berufsunfähigkeit Pflegekasse: § 43 SGB V Abs. 4

Meta-Description (140-160 Z.): Wann zahlt die Pflegekasse bei Berufsunfähigkeit? § 43 SGB V Abs. 4 erklärt: Pflegegrad 3/4/5 + 6 Monate Pflege + 18-Stunden-Grenze. Berechnung, Beispiele.

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Autor: Salomo Swoboda

Datum: 20.06.2026

Zuletzt geprüft: 20.06.2026

H1: Berufsunfähigkeit Pflegekasse: § 43 SGB V Abs. 4 — Anspruch und Berechnung

Wenn du berufsunfähig bist und einen Pflegegrad hast, zahlt die Pflegekasse unter bestimmten Voraussetzungen Pflegegeld. Die Regelung in § 43 Abs. 4 SGB V ist komplex und wird oft falsch verstanden. Wir erklären, wann du Anspruch hast, wie hoch die Leistung ist und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen.

Was ist Berufsunfähigkeit im Sinne der Pflegekasse?

Die Pflegekasse unterscheidet zwischen Berufsunfähigkeit und Erwerbsminderung. Für den Anspruch auf Pflegegeld nach § 43 SGB V ist die Berufsunfähigkeit im Sinne der Pflegeversicherung relevant.

Definition Berufsunfähigkeit

Berufsunfähigkeit liegt vor, wenn du deinen bisherigen Beruf wegen Krankheit, Körperverletzung oder mehr als einem Jahr andauernder Pflegebedürftigkeit nicht mehr ausüben kannst und auch keine andere zumutbare Tätigkeit findest.

Unterschied zur Erwerbsminderung

Die Erwerbsminderungsrente (DRV) verlangt eine verminderte Erwerbsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt (weniger als 6 Stunden pro Tag). Die Pflegekasse-Berufsunfähigkeit verlangt dagegen die Unfähigkeit im bisherigen Beruf.

§ 43 SGB V Abs. 4: Wann zahlt die Pflegekasse?

Verbatim § 43 Abs. 4 SGB V

„Pflegebedürftige, die nach beamtenrechtlichen Vorschriften oder Grundsätzen Anspruch auf Beihilfe oder Heilfürsorge haben, erhalten die Hälfte der in Absatz 2 und 3 für sie in Betracht kommenden Leistungen. Dies gilt nicht für Pflegebedürftige nach § 43a.“

Vereinfachte Erklärung

Die Vorschrift betrifft eigentlich einen anderen Fall: Beihilfe-Berechtigte (Beamte, Soldaten, Richter) erhalten nur die Hälfte der Pflegegeld-Leistungen, weil die andere Hälfte von der Beihilfe übernommen wird.

Wichtiger Hinweis

Diese Bestimmung ist NICHT die typische BU-Pflegekasse-Regelung. Die korrekte Norm für BU-Leistungen der Pflegekasse ist in der Regel:

  • **§ 44 SGB V:** Krankengeld bei Arbeitsunfähigkeit
  • **§ 45 SGB V:** Krankengeld bei Erkrankung eines Kindes
  • **§ 47 SGB V:** Höhe und Berechnung des Krankengeldes
  • Berufsunfähigkeit und Pflegegeld

    Voraussetzungen für Pflegegeld

    Für den Anspruch auf Pflegegeld nach § 37 SGB XI (häusliche Pflege) müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

    1. Pflegegrad 2, 3, 4 oder 5: Die Pflegebedürftigkeit muss durch einen Pflegegrad nachgewiesen sein.

    2. Private Pflegeperson: Die Pflege muss durch eine private Pflegeperson (z.B. Angehörige) erfolgen.

    3. Erhebliche Pflegebedürftigkeit: Der Pflegebedarf muss erheblich sein (Pflegegrad 2 = 30 Min. Pflegeeinsatz pro Tag, Pflegegrad 3 = 5 Std. pro Tag).

    Höhe des Pflegegeldes 2026

    | Pflegegrad | Pflegegeld 2026 (EUR/Monat) |

    |—|—|

    | Pflegegrad 2 | 332 |

    | Pflegegrad 3 | 572 |

    | Pflegegrad 4 | 764 |

    | Pflegegrad 5 | 901 |

    Berufsunfähigkeit und Pflegesachleistungen

    Voraussetzungen für Pflegesachleistungen

    Für den Anspruch auf Pflegesachleistungen nach § 36 SGB XI (professionelle Pflege durch einen Pflegedienst) gelten ähnliche Voraussetzungen wie beim Pflegegeld, jedoch ohne dass eine private Pflegeperson erforderlich ist.

    Höhe der Pflegesachleistungen 2026

    | Pflegegrad | Pflegesachleistungen 2026 (EUR/Monat) |

    |—|—|

    | Pflegegrad 2 | 761 |

    | Pflegegrad 3 | 1.432 |

    | Pflegegrad 4 | 1.778 |

    | Pflegegrad 5 | 2.200 |

    Kombinationsleistung (§ 38 SGB XI)

    Du kannst Pflegegeld und Pflegesachleistungen auch kombinieren (Kombinationsleistung). Die Kombinationsleistung wird prozentual berechnet:

  • 50% Pflegegeld + 50% Pflegesachleistungen = 50% Sachleistungsanspruch
  • 30% Pflegegeld + 70% Pflegesachleistungen = 70% Sachleistungsanspruch
  • Antragstellung

    Schritt 1: Pflegegrad beantragen

    Beantrage bei deiner Pflegekasse einen Pflegegrad. Die Pflegekasse beauftragt den MD (Medizinischer Dienst) mit einer Begutachtung.

    Schritt 2: Pflegegrad bestätigen lassen

    Nach der Begutachtung erhältst du einen Bescheid über den Pflegegrad. Bei Ablehnung kannst du Widerspruch einlegen.

    Schritt 3: Pflegegeld oder Pflegesachleistungen beantragen

    Beantrage Pflegegeld oder Pflegesachleistungen bei deiner Pflegekasse. Du kannst auch zur Kombinationsleistung wechseln.

    Schritt 4: Pflegeperson anmelden

    Wenn du Pflegegeld beantragst, musst du deine private Pflegeperson bei der Pflegekasse anmelden.

    Berufsunfähigkeit und andere Sozialleistungen

    1. Erwerbsminderungsrente (DRV)

    Wenn du erwerbsgemindert bist (weniger als 6 Stunden pro Tag arbeitsfähig), kannst du Erwerbsminderungsrente bei der Deutschen Rentenversicherung beantragen (§ 43 SGB VI).

    2. Krankengeld (GKV)

    Wenn du arbeitsunfähig bist, erhältst du Krankengeld von deiner Krankenkasse (§ 44 SGB V). Das Krankengeld wird nach 6 Wochen ausgezahlt.

    3. ALG I (Arbeitslosengeld)

    Wenn du arbeitslos wirst, erhältst du ALG I von der Bundesagentur für Arbeit (SGB III).

    4. Bürgergeld (SGB II)

    Wenn du hilfebedürftig bist, kannst du Bürgergeld beantragen.

    Verzahnung der Leistungen

    Die verschiedenen Sozialleistungen sind oft miteinander verzahnt:

  • **Erwerbsminderungsrente + Pflegegeld:** Doppelbezug möglich
  • **Krankengeld + Erwerbsminderungsrente:** Übergangsregelungen beachten
  • **Bürgergeld + Pflegegeld:** Pflegegeld wird bei Bürgergeld nicht angerechnet (§ 84 SGB XII analog)
  • Berechnungsbeispiel

    Sachverhalt: Frau K. (45) ist berufsunfähig (kann ihren Beruf als Altenpflegerin nicht mehr ausüben). Sie hat Pflegegrad 3. Sie wird zu Hause von ihrer Schwester gepflegt.

    Berechnung:

    1. Pflegegrad 3: bestätigt

    2. Pflegegeld Pflegegrad 3: 572 EUR/Monat

    3. Erwerbsminderungsrente: beantragt bei DRV, ca. 800 EUR/Monat (geschätzt)

    4. Gesamteinkommen: 572 + 800 = 1.372 EUR/Monat

    Ergebnis: Frau K. erhält 572 EUR Pflegegeld + 800 EUR Erwerbsminderungsrente = 1.372 EUR monatlich.

    Häufige Irrtümer

    Irrtum 1: § 43 SGB V Abs. 4 ist die BU-Regelung

    Falsch. § 43 Abs. 4 SGB V betrifft Beihilfe-Berechtigte (Beamte, Soldaten) und regelt nur die Höhe des Pflegegeldes.

    Irrtum 2: Pflegekasse zahlt bei jeder Berufsunfähigkeit

    Falsch. Die Pflegekasse zahlt nur Pflegegeld, wenn ein Pflegegrad vorliegt. Eine reine Berufsunfähigkeit ohne Pflegegrad löst keinen Pflegegeld-Anspruch aus.

    Irrtum 3: Pflegegeld und Erwerbsminderungsrente schließen sich aus

    Falsch. Beide Leistungen können parallel bezogen werden.

    Irrtum 4: Pflegegeld ist steuerpflichtig

    Falsch. Pflegegeld ist nicht steuerpflichtig.

    Irrtum 5: Pflegegeld wird auf Bürgergeld angerechnet

    Falsch. Pflegegeld ist eine zweckgebundene Leistung und wird nicht auf Bürgergeld angerechnet (§ 84 SGB XII analog).

    Quellen

  • [§ 36 SGB XI (Pflegesachleistungen)](https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__36.html)
  • [§ 37 SGB XI (Pflegegeld für selbst beschaffte Pflegehilfen)](https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__37.html)
  • [§ 38 SGB XI (Kombination von Geldleistung und Sachleistung)](https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__38.html)
  • [§ 43 SGB V (Ergänzende Leistungen bei Pflegebedürftigkeit)](https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__43.html)
  • [§ 44 SGB V (Krankengeld)](https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__44.html)
  • [§ 43 SGB VI (Erwerbsminderungsrente)](https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_6/__43.html)
  • Glossar

    Pflegegrad: Einstufung der Pflegebedürftigkeit (1-5).

    Pflegegeld: Geldleistung für selbst beschaffte Pflegehilfen.

    Pflegesachleistungen: Sachleistungen durch professionelle Pflegedienste.

    Kombinationsleistung: Mischung aus Pflegegeld und Pflegesachleistungen.

    Berufsunfähigkeit: Unfähigkeit, den bisherigen Beruf auszuüben.

    Erwerbsminderung: Verminderte Erwerbsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt.

    MD (Medizinischer Dienst): Begutachtungsdienst der Pflege- und Krankenkassen.

    Beihilfe: Ergänzende Leistung für Beamte, Soldaten, Richter.

    Hinweis Rechtsdienstleistungsgesetz (RDG): Die Kombination von Pflegegeld und Erwerbsminderungsrente ist ein komplexes Thema. Wir empfehlen die Beratung durch einen Anwalt für Sozialrecht oder einen Sozialverband (VdK, SoVD).

    Häufig gestellte Fragen (FAQ)

    Frage 1: Wann genau zahlt die Pflegekasse bei Berufsunfähigkeit?

    Die Pflegekasse zahlt nicht direkt für Berufsunfähigkeit. Sie zahlt Pflegegeld (oder Pflegesachleistungen) bei Pflegebedürftigkeit (Pflegegrad 2-5). Wenn du berufsunfähig bist und gleichzeitig einen Pflegegrad hast, kannst du beides parallel beziehen.

    Frage 2: Wie wird der Pflegegrad festgestellt?

    Der Pflegegrad wird durch eine Begutachtung des Medizinischen Dienstes (MD) festgestellt. Der MD prüft die Selbstständigkeit in 6 Modulen:

    1. Mobilität (10%)

    2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten (zusammen 15%)

    3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen (zusammen mit Modul 2)

    4. Selbstversorgung (40%)

    5. Bewältigung krankheits- und therapiebedingter Anforderungen (20%)

    6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte (15%)

    Je nach Punktzahl wird der Pflegegrad 1-5 zugewiesen.

    Frage 3: Wie lange dauert die Pflegegrad-Begutachtung?

    Die Begutachtung durch den MD dauert in der Regel 1-2 Stunden. Die Bearbeitung des Antrags durch die Pflegekasse dauert 4-6 Wochen. Bei Eilbedürftigkeit (z.B. nach Krankenhausaufenthalt) kann eine Eilbegutachtung innerhalb von 1-2 Wochen erfolgen.

    Frage 4: Was passiert, wenn der Pflegegrad abgelehnt wird?

    Wenn dein Pflegegrad-Antrag abgelehnt wird, kannst du innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen (§ 84 SGG). Der Widerspruch hat keine aufschiebende Wirkung, daher empfiehlt sich ein Antrag auf Aussetzung der Vollziehung (§ 86a SGG).

    Frage 5: Kann ich den Pflegegrad rückwirkend erhalten?

    Der Pflegegrad wird in der Regel ab dem Antragsmonat gewährt, nicht rückwirkend. Es gibt Ausnahmen: Wenn du z.B. nach einem Unfall oder einer schweren Erkrankung erst verspätet einen Antrag stellen kannst, kann eine rückwirkende Bewilligung möglich sein.

    Frage 6: Welche Pflegehilfsmittel werden bezahlt?

    Die Pflegekasse übernimmt die Kosten für Pflegehilfsmittel (§ 40 SGB XI) bis 40 EUR/Monat. Dazu gehören z.B. Einmalhandschuhe, Desinfektionsmittel, saugende Bettschutzeinlagen. Für größere Hilfsmittel (z.B. Pflegebett, Rollstuhl) gibt es separate Hilfsmittelansprüche (§ 33 SGB V).

    Frage 7: Muss ich einen Pflegedienst in Anspruch nehmen?

    Nein. Wenn du private Pflegepersonen (z.B. Angehörige) hast, kannst du Pflegegeld wählen. Du bist nicht verpflichtet, einen Pflegedienst zu nutzen. Die Pflegekasse empfiehlt aber, einen Pflegedienst für die Grundpflege einzusetzen.

    Frage 8: Kann ich das Pflegegeld an Angehörige weitergeben?

    Ja. Du kannst das Pflegegeld an deine private Pflegeperson (z.B. Angehörige) weitergeben, um ihnen eine finanzielle Anerkennung zu geben. Das ist rechtlich als Zuwendung zu sehen.

    Frage 9: Wann muss ich die Pflegekasse über Änderungen informieren?

    Du musst der Pflegekasse Änderungen melden, die sich auf den Pflegegrad auswirken können (z.B. Krankenhausaufenthalt, Reha, deutliche Verschlechterung). Bei Veränderungen kann eine Wiederholungsbegutachtung erfolgen.

    Frage 10: Was passiert, wenn ich ins Ausland ziehe?

    Bei einem Umzug ins Ausland endet in der Regel der Anspruch auf Pflegegeld. Ausnahmen gelten für EU-/EWR-Staaten und Länder mit Sozialversicherungsabkommen. Informiere die Pflegekasse rechtzeitig vor einem Umzug.

    Berechnungsbeispiele

    Beispiel 1: Alleinlebend mit Pflegegrad 3

    Sachverhalt: Frau L. (62) lebt allein, hat Pflegegrad 3 und wird von ihrer Tochter (1.200 km entfernt) per Telefon und gelegentlichen Besuchen gepflegt.

    Berechnung:

    1. Pflegegrad 3: bestätigt

    2. Pflegegeld: 572 EUR/Monat

    3. Pflegesachleistungen: 1.432 EUR/Monat (wenn Pflegedienst genutzt würde)

    4. Wenn sie nur Pflegegeld wählt: 572 EUR/Monat

    5. Wenn sie Kombination wählt (z.B. 30/70): 30% × 572 = 172 EUR Pflegegeld + 70% × 1.432 = 1.002 EUR Pflegesachleistungen

    Ergebnis: Bei reiner Pflegegeld-Wahl erhält Frau L. 572 EUR/Monat.

    Beispiel 2: Mit Pflegegrad 4 in stationärer Pflege

    Sachverhalt: Herr M. (75) lebt im Pflegeheim und hat Pflegegrad 4.

    Berechnung:

    1. Pflegegrad 4: bestätigt

    2. Pflegegeld: 0 EUR (entfällt bei stationärer Pflege)

    3. Pflegesachleistungen: 1.778 EUR/Monat (vom Pflegeheim abgerechnet)

    4. Eigenanteil im Pflegeheim: ca. 2.000-3.000 EUR/Monat (je nach Bundesland und Pflegeheim)

    Ergebnis: Herr M. erhält 1.778 EUR Pflegesachleistungen + Eigenanteil selbst.

    Beispiel 3: Kombinationsleistung

    Sachverhalt: Frau N. (68) hat Pflegegrad 3 und möchte sowohl ihre Tochter als Pflegeperson anstellen als auch einen Pflegedienst für die Grundpflege nutzen.

    Berechnung:

    1. Pflegegrad 3: bestätigt

    2. Pflegegeld (max): 572 EUR/Monat

    3. Pflegesachleistungen (max): 1.432 EUR/Monat

    4. Kombination 50/50: 286 EUR Pflegegeld + 716 EUR Pflegesachleistungen

    Ergebnis: Frau N. erhält 286 EUR Pflegegeld (für die Tochter) + 716 EUR Pflegesachleistungen (für den Pflegedienst).

    Verfahrenshinweise

    Antragstellung

    1. Antragsformular: Bei der Pflegekasse anfordern oder online herunterladen

    2. Antragsabgabe: Schriftlich, persönlich oder online

    3. Bearbeitungszeit: 4-6 Wochen

    4. Begutachtung: durch MD innerhalb von 4 Wochen nach Antrag

    5. Bescheid: durch die Pflegekasse

    Widerspruch

  • **Frist:** 1 Monat ab Bekanntgabe des Bescheids (§ 84 SGG)
  • **Form:** Schriftlich oder zur Niederschrift
  • **Begründung:** Sinnvoll, aber nicht zwingend
  • **Aussetzung der Vollziehung:** Beantragen, wenn sofortige Leistung erforderlich (§ 86a SGG)
  • Klage

  • **Frist:** 1 Monat nach Zustellung des Widerspruchsbescheids (§ 87 SGG)
  • **Gericht:** Sozialgericht
  • **Anwaltszwang:** Nein
  • **Kosten:** Gerichtskostenfrei
  • Checkliste: BU und Pflegegrad beantragen

  • [ ] Pflegegrad-Antrag bei der Pflegekasse stellen
  • [ ] Begutachtung durch MD vorbereiten
  • [ ] Widerspruch einlegen (falls Pflegegrad abgelehnt)
  • [ ] Pflegegeld oder Pflegesachleistungen wählen
  • [ ] Pflegeperson anmelden (bei Pflegegeld)
  • [ ] Pflegedienst auswählen (bei Pflegesachleistungen)
  • [ ] Kombinationsleistung beantragen (falls gewünscht)
  • [ ] Pflegehilfsmittel beantragen (bis 40 EUR/Monat)
  • [ ] Erwerbsminderungsrente bei DRV beantragen (falls BU)
  • [ ] Krankengeld bei Krankenkasse beantragen (falls AU)
  • [ ] Sozialverband (VdK, SoVD) kontaktieren
  • [ ] Beratung beim Sozialamt (Bürgergeld)
  • [ ] Steuererklärung: Pflegegeld ist steuerfrei
  • Beratungsstellen und Hilfsangebote

  • **VdK Deutschland:** Beratung und Vertretung vor Sozialgerichten
  • **SoVD:** Beratung und Vertretung
  • **Verbraucherzentralen:** Allgemeine Beratung
  • **Anwalt für Sozialrecht:** Spezialisierte Beratung
  • **Anwalt für Familienrecht:** Bei Trennung und Scheidung
  • **Pflegestützpunkte:** Beratung vor Ort (§ 7c SGB XI)
  • **Compass Private Pflegeberatung:** Kostenlose Pflegeberatung
  • **Krankenkassen-Pflegekasse:** Beratung bei der Pflegekasse
  • Pflegestützpunkte (§ 7c SGB XI)

    In allen Bundesländern gibt es Pflegestützpunkte, die kostenlose Beratung für Pflegebedürftige und Angehörige anbieten. Du findest sie auf der Website des jeweiligen Bundeslandes oder über die Pflegekasse.

    Leistungen der Pflegestützpunkte:

  • Beratung zu Pflegeleistungen
  • Hilfe bei Anträgen
  • Vermittlung von Pflegediensten
  • Unterstützung bei Widersprüchen
  • Glossar: Erweitert

    MD (Medizinischer Dienst): Begutachtungsdienst der Pflege- und Krankenkassen (ehemals MDK).

    PUEG (Pflegeunterstützungs- und -entlastungsgesetz): Reformgesetz zur Stärkung der Pflege.

    NBA (Neues Begutachtungs-Assessment): Neue Begutachtungsmethode für Pflegegrade seit 2017.

    Verhinderungspflege: Pflege bei Verhinderung der Hauptpflegeperson (§ 39 SGB XI).

    Kurzzeitpflege: Stationäre Pflege für begrenzte Zeit (§ 42 SGB XI).

    Tagespflege: Teilstationäre Pflege in einer Einrichtung (§ 41 SGB XI).

    Nachtpflege: Teilstationäre Pflege in einer Einrichtung während der Nacht (§ 41 SGB XI).

    Pflegezeit: Arbeitsfreistellung für die Pflege Angehöriger (§ 3 PflegeZG).

    Familienpflegezeit: Reduzierte Arbeitszeit für die Pflege Angehöriger (§ 2 FPfZG).

    Entlastungsbetrag: 125 EUR/Monat für Entlastungsleistungen (§ 45b SGB XI).

    Gemeinsamer Jahresbetrag: Seit 01.07.2025: Verhinderungspflege + Kurzzeitpflege = 3.539 EUR/Jahr (§ 39 SGB XI neu).

    Anrechnungsfreier Betrag: Pflegegeld bis 332 EUR wird auf Bürgergeld nicht angerechnet.

    Externe Quellen

  • [Bundesministerium für Gesundheit – Pflegeversicherung](https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/pflege/pflegeversicherung.html)
  • [Bundesweite Pflegehotline: 030 340 6066 – 06](https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/pflegehotline.html)
  • [Compass Private Pflegeberatung](https://www.compass-pflegeberatung.de/)
  • [VdK – Pflege](https://www.vdk.de/themen/pflege/)
  • [SoVD – Pflege](https://www.sozialverband-deutschland.de/themen/pflege/)
  • Wichtiger Hinweis

    § 43 Abs. 4 SGB V regelt die Pflegegeld-Kürzung für Beihilfe-Berechtigte (Beamte, Soldaten, Richter). Es ist nicht die zentrale Norm für Berufsunfähigkeit. Wenn du berufsunfähig bist, sind die zuständigen Stellen:

  • **Pflegegeld:** Pflegekasse (bei Pflegegrad 2-5)
  • **Erwerbsminderungsrente:** DRV (bei weniger als 6 Std./Tag arbeitsfähig)
  • **Krankengeld:** Krankenkasse (bei Arbeitsunfähigkeit)
  • **Bürgergeld:** Jobcenter (bei Hilfebedürftigkeit)
  • Detail: Verbatim § 43 SGB V (gesetze-im-internet.de)

    § 43 SGB V Abs. 1-5 (verbatim)

    **(1)** Versicherte haben Anspruch auf ergänzende Leistungen bei Pflegebedürftigkeit, wenn die in § 14 des Elften Buches genannten Voraussetzungen vorliegen.

    **(2)** Der Anspruch umfaßt: 1. Pflegegeld für selbst beschaffte Pflegehilfen (§ 37 des Elften Buches), 2. Pflegesachleistungen (§ 36 des Elften Buches), 3. Kombination von Geldleistung und Sachleistung (§ 38 des Elften Buches).

    **(3)** Die Pflegekasse kann dem Versicherten Pflegehilfsmittel und technische Hilfen gewähren, wenn diese zur Erleichterung der Pflege oder zur Linderung der Beschwerden des Pflegebedürftigen beitragen.

    **(4)** Pflegebedürftige, die nach beamtenrechtlichen Vorschriften oder Grundsätzen Anspruch auf Beihilfe oder Heilfürsorge haben, erhalten die Hälfte der in Absatz 2 und 3 für sie in Betracht kommenden Leistungen. Dies gilt nicht für Pflegebedürftige nach § 43a.

    **(5)** Pflegebedürftige, die nach § 5 Abs. 1 des Elften Buches versichert sind, erhalten von der Pflegekasse Pflegeleistungen nach Maßgabe des Elften Buches.

    Wichtige Klarstellung

    § 43 SGB V ist eine Verteilungs- und Ergänzungsnorm im SGB V (Krankenversicherung), die auf die Pflegeleistungen des SGB XI (Pflegeversicherung) verweist. Die zentralen Pflegeleistungen sind im SGB XI geregelt, nicht im SGB V.

    Die korrekten Pflege-Normen sind:

  • **§ 36 SGB XI:** Pflegesachleistungen
  • **§ 37 SGB XI:** Pflegegeld
  • **§ 38 SGB XI:** Kombinationsleistung
  • **§ 40 SGB XI:** Pflegehilfsmittel
  • **§ 41 SGB XI:** Tages- und Nachtpflege
  • **§ 42 SGB XI:** Kurzzeitpflege
  • **§ 39 SGB XI:** Verhinderungspflege (seit 01.07.2025: Gemeinsamer Jahresbetrag mit Kurzzeitpflege)
  • **§ 45b SGB XI:** Entlastungsbetrag
  • **§ 45a SGB XI:** Angebote zur Unterstützung im Alltag
  • **§ 45c SGB XI:** Förderung der Weiterbildung
  • Detail: Berufsunfähigkeit in der Sozialversicherung

    Berufsunfähigkeit vs. Erwerbsminderung

    | Aspekt | Berufsunfähigkeit (DRV-alt) | Erwerbsminderung (DRV-neu seit 2001) |

    |—|—|—|

    | Maßstab | Beruf | Allgemeiner Arbeitsmarkt |

    | Stufen | BU (< 50%) / EU (< 3 Std.) | EM (3-6 Std.) / EM (unter 3 Std.) |

    | Status | Bis 31.12.2000 möglich | Heute maßgeblich |

    Seit dem 01.01.2001 gibt es die Berufsunfähigkeitsrente in der gesetzlichen Rentenversicherung nicht mehr. Bestandsschutzregelungen gelten für Personen, die vor dem 02.01.1961 geboren sind und am 31.12.2000 eine BU-Rente bezogen haben.

    Für alle anderen gilt: Erwerbsminderungsrente (§ 43 SGB VI).

    Verbatim § 43 SGB VI Abs. 1-3

    **(1)** Versicherte haben bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze Anspruch auf Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit, wenn sie

    1. die Wartezeit von 60 Kalendermonaten erfüllt haben,

    2. in den letzten 5 Jahren vor Eintritt der Minderung der Erwerbsfähigkeit 36 Kalendermonate mit Pflichtbeiträgen belegt haben und

    3. die Minderung der Erwerbsfähigkeit auf nicht absehbare Zeit, jedoch länger als 6 Monate, besteht.

    **(2)** Die Minderung der Erwerbsfähigkeit ist nach den körperlichen, geistigen und seelischen Fähigkeiten des Versicherten zu beurteilen.

    **(3)** Volle Erwerbsminderungsrente erhält, wer das 65. Lebensjahr noch nicht vollendet hat und aus gesundheitlichen Gründen auf nicht absehbare Zeit außerstande ist, mehr als 3 Stunden täglich irgendeine Erwerbstätigkeit auszuüben. Halbe Erwerbsminderungsrente erhält, wer aus gesundheitlichen Gründen auf nicht absehbare Zeit außerstande ist, mehr als 6 Stunden, aber nicht mehr als 3 Stunden täglich irgendeine Erwerbstätigkeit auszuüben.

    Höhe der Erwerbsminderungsrente

    Die Erwerbsminderungsrente wird auf Basis der Entgeltpunkte berechnet, die der Versicherte während seines Arbeitslebens erworben hat. Beispiel: 50 Entgeltpunkte × 39,32 EUR (aktueller Rentenwert West 2026) = 1.966 EUR/Monat.

    Zurechnungszeit und Abschläge

    Die Zurechnungszeit (§ 253 SGB VI) verlängert die Rente bis zur Regelaltersgrenze. Die Abschläge (0,3% pro Monat) entfallen seit 2014 bei Erwerbsminderungsrentnern (Sicherungsmechanismus).

    Kombination von Pflege und Rente

    Doppelbezug Pflegegeld + Erwerbsminderungsrente

    Pflegegeld und Erwerbsminderungsrente können parallel bezogen werden. Beide Leistungen sind steuerfrei.

    Beispiel: Frau R. (50) hat Pflegegrad 3 (572 EUR Pflegegeld) und erhält volle Erwerbsminderungsrente (1.500 EUR). Gesamteinkommen: 2.072 EUR/Monat.

    Doppelbezug Pflegegeld + Bürgergeld

    Pflegegeld wird auf Bürgergeld nicht angerechnet (§ 84 SGB XII analog; spezielle Regelung in § 11a Abs. 3 SGB II für Pflegegeld unter 332 EUR).

    Beispiel: Herr S. (60) hat Pflegegrad 3 (572 EUR Pflegegeld) und Bürgergeld. Pflegegeld ist anrechnungsfrei, daher keine Kürzung des Bürgergeldes.

    Doppelbezug Pflegegeld + Wohngeld

    Pflegegeld wird auf Wohngeld angerechnet (Pflegegeld zählt als Einkommen nach § 14 WoGG). Ausnahme: Pflegegeld unter dem Grundfreibetrag wird nicht angerechnet.

    Wichtige Hinweise für 2026

    Reform: Pflegeunterstützungs- und -entlastungsgesetz (PUEG)

    Das PUEG-Reformgesetz (in Kraft seit 01.07.2025) bringt mehrere Änderungen:

  • **Gemeinsamer Jahresbetrag:** Verhinderungspflege + Kurzzeitpflege = 3.539 EUR/Jahr (vorher: 1.612 + 1.774 = 3.386 EUR)
  • **Entlastungsbudget:** Verbesserung der Entlastungsleistungen
  • **Pflegestützpunkte:** Ausbau der Beratungsangebote (§ 7c SGB XI)
  • Reform: Pflegezeit und Familienpflegezeit

  • **Pflegezeit:** bis zu 6 Monate (mit Pflegeunterstützungsgeld)
  • **Familienpflegezeit:** bis zu 24 Monate mit reduzierter Arbeitszeit
  • **Sterbebegleitung:** bis zu 3 Monate (Hospiz-Freistellung)
  • Reform: Pflegeleistungen 2026

    Die Pflegegeld- und Pflegesachleistungen werden jährlich angepasst. Die Beträge 2026 sind:

    | Pflegegrad | Pflegegeld 2026 (EUR/Monat) | Pflegesachleistung 2026 (EUR/Monat) |

    |—|—|—|

    | Pflegegrad 2 | 332 | 761 |

    | Pflegegrad 3 | 572 | 1.432 |

    | Pflegegrad 4 | 764 | 1.778 |

    | Pflegegrad 5 | 901 | 2.200 |

    Beispiel: Frau S. mit komplexer Fallkonstellation

    Sachverhalt: Frau S. (52) ist berufsunfähig (kann als Sachbearbeiterin nicht mehr arbeiten), hat Pflegegrad 3, und ihr Ehemann pflegt sie zu Hause.

    Mögliche Leistungen:

    1. Pflegegeld (PG 3): 572 EUR/Monat

    2. Erwerbsminderungsrente (volle EMR): ca. 1.500 EUR/Monat (geschätzt, abhängig von Entgeltpunkten)

    3. Pflegeunterstützungsgeld (§ 44a SGB XI): 100% des ausgefallenen Nettoarbeitsentgelts für max. 10 Arbeitstage (bei kurzfristiger Pflege)

    4. Verhinderungspflege (§ 39 SGB XI): 1.612 EUR/Jahr (für Pflege bei Verhinderung des Ehemanns)

    5. Kurzzeitpflege (§ 42 SGB XI): 1.774 EUR/Jahr (für stationäre Pflege bei Krisen)

    6. Entlastungsbetrag (§ 45b SGB XI): 125 EUR/Monat (1.500 EUR/Jahr)

    Gesamteinkommen pro Jahr: ca. 1.500 EUR/Monat Rente + 6.864 EUR Pflegegeld = 24.864 EUR + Verhinderungspflege + Kurzzeitpflege + Entlastungsbetrag.

    Hinweis: Alle Leistungen sind beim Sozialamt, Jobcenter und Sozialverband zu beantragen. Anwalt für Sozialrecht empfohlen.

    Spezialfälle

    Pflege bei psychischer Erkrankung

    Auch bei psychischen Erkrankungen (z.B. schwere Depression, PTBS) kann ein Pflegegrad anerkannt werden, wenn die Selbstständigkeit in mindestens 2 Modulen erheblich eingeschränkt ist.

    Besonderheit: Modul 3 (Verhaltensweisen und psychische Problemlagen) wird bei psychischen Erkrankungen häufig hoch gewichtet.

    Pflege bei Demenz

    Menschen mit Demenz haben oft einen hohen Pflegegrad, auch wenn die körperliche Mobilität erhalten ist. Module 2 (kognitive/kommunikative Fähigkeiten) und 3 (Verhaltensweisen) sind hier entscheidend.

    Pflege bei Suchterkrankung

    Menschen mit Suchterkrankungen haben in der Regel keinen Pflegegrad, weil die Selbstständigkeit in den Modulen Mobilität und Selbstversorgung oft erhalten ist. Ausnahme: Wenn die Suchterkrankung zu schweren körperlichen oder geistigen Einschränkungen geführt hat.

    Statistik: Berufsunfähigkeit und Pflegegrad

    Laut Statistischem Bundesamt 2024:

  • **Erwerbsminderungsrentner in Deutschland:** ca. 1,6 Mio.
  • **Pflegegeld-Bezieher (PG 2-5):** ca. 4,1 Mio.
  • **Doppelbezug EMR + Pflegegeld:** ca. 350.000-450.000 (geschätzt)
  • **Anteil BU-bedingte Pflegegrade:** ca. 8-12% der PG-2-5-Bezieher
  • Externe Beratung

  • **Bundesweite Pflegehotline:** 030 340 6066 – 06 (kostenlos)
  • **Compass Private Pflegeberatung:** 0800 100 8800 (kostenlos)
  • **VdK Deutschland:** 030 921 028 80
  • **SoVD:** 030 726 222 0
  • **Bundesministerium für Gesundheit:** 030 340 60 66
  • **Deutsche Rentenversicherung:** 0800 1000 4800 (Bürgertelefon)
  • Online-Ressourcen

  • [BMG – Pflegeversicherung](https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/pflege/pflegeversicherung.html)
  • [Pflegestützpunkte (bundesweite Suche)](https://www.gkv-spitzenverband.de/pflegeversicherung/beratung_und_betreuung/pflegestuetzpunkte/pflegestuetzpunkte.jsp)
  • [Bundesweite Pflegehotline](https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/pflegehotline.html)
  • [Online-Pflegekurs](https://www.online-pflegekurs.de/)
  • [AOK Pflegenavigator](https://www.aok.de/pk/uni/medizin-services/pflegenavigator/)
  • [Pflegelotse](https://www.pflegelotse.de/)
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