Armprothese myoelektrisch 2026: PG 25 + Myoelektrik + § 33 SGB V

Armprothese myoelektrisch 2026: PG 25 + Myoelektrik + § 33 SGB V

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Eine myoelektrische Armprothese (Produktgruppe 25 im Hilfsmittelverzeichnis) ist eine Körperersatz-Prothese nach § 33 SGB V. Sie nutzt Elektromyographie-Signale (EMG) der noch vorhandenen Armmuskulatur, um Greif- und Drehbewegungen zu steuern. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten, wenn die Prothese ärztlich verordnet wird und im Hilfsmittelverzeichnis gelistet ist.

Eine myoelektrische Armprothese ist für viele Betroffene ein Wendepunkt: Statt einer reinen Schmuckprothese (siehe „Armprothese + Schönheitsprothese 2026: PG 25″) oder einer passiven Prothese lassen sich mit der Myoelektrik wieder alltägliche Dinge greifen — die Türklinke, das Wasserglas, den Löffel. Welche PG-25-Variante für dich in Frage kommt und wie der Antrag bei der Krankenkasse konkret läuft, liest du in diesem Leitfaden.

Eine Übersicht über alle Hilfsmittel-Themen rund um Prothesen und Orthesen findest du auf unserer Cluster-Seite „Hilfsmittel: Prothesen & Orthesen“.

Hinweis (YMYL): Wir informieren dich hier über deine Rechte. Wir empfehlen dir nicht pauschal ein bestimmtes Produkt oder einen Hersteller. Die endgültige Versorgungs-Entscheidung trifft dein Behandlungsteam (Arzt + Orthopädietechniker + Reha-Klinik) gemeinsam mit dir.

Was ist eine myoelektrische Armprothese?

Eine myoelektrische Armprothese ist eine Prothese der Produktgruppe 25 (PG 25) im Hilfsmittelverzeichnis nach § 139 SGB V. „Myo“ steht für Muskel, „elektrisch“ für die Steuerung: An der Innenseite des Prothesenschafts sitzen Elektroden, die elektrische Signale deiner noch vorhandenen Unterarm- oder Oberarmmuskulatur messen. Diese EMG-Signale werden in Motorbefehle umgewandelt — die Prothese öffnet oder schließt die Hand, dreht das Handgelenk oder beugt den Ellenbogen.

Myoelektrisch vs. passiv vs. Schönheitsprothese

PG 25 unterscheidet im Hilfsmittelverzeichnis drei Funktionsklassen, die du mit deinem Orthopädietechniker besprichst:

  • Schmuckprothese (kosmetisch / Schönheitsprothese): Form und Farbe entsprechen dem erhaltenen Arm, aber die Prothese hat keine eigene Funktion. Sie ist trotzdem GKV-Leistung nach § 33 SGB V, weil eine Prothese kein „Gebrauchsgegenstand des täglichen Lebens“ ist, sondern Körperersatz. Siehe dazu ausführlich „Armprothese + Schönheitsprothese 2026: PG 25″.
  • Passive Prothese (zug- oder druckbetätigt): Keine Elektronik, aber Eigenantrieb über Kabelzug oder Körperbewegung. Eher leicht, günstig in der Wartung, einfacher in der Pflege.
  • Myoelektrische Prothese (aktive Prothese): EMG-gesteuert, mit Elektromotoren für Hand, Handgelenk oder Ellenbogen. Mehrgelenk-Hände können greifen, drehen, Kraft dosieren.

Welche der drei Varianten für dich passt, hängt von Stumpflänge, Muskelsignal-Qualität, Alltagsanforderungen und Beruf ab. Die endgültige Auswahl ist eine Einzelfall-Entscheidung und gehört in die Orthopädietechnik-Sprechstunde und in die Reha-Klinik.

PG 25 im Hilfsmittelverzeichnis

Das Hilfsmittelverzeichnis nach § 139 Abs. 2 SGB V ist das zentrale Verzeichnis des GKV-Spitzenverbandes, in dem alle von der Krankenkasse grundsätzlich erstattungsfähigen Hilfsmittel gelistet sind. Für Armprothesen ist die Produktgruppe 25 (kurz: PG 25) zuständig.

Was steht in PG 25?

Das Hilfsmittelverzeichnis ordnet in PG 25 unter anderem:

  • Oberarmprothese (Prothese bei Amputation oberhalb des Ellenbogens)
  • Unterarmprothese (Prothese bei Amputation unterhalb des Ellenbogens)
  • Handprothese (Prothese bei Amputation auf Handgelenk- oder Hand-Höhe)
  • Myoelektrische Prothese (aktive Steuerung über EMG)
  • Schmuckprothese (kosmetische Prothese ohne Eigenantrieb)

Jede konkrete Prothese hat zusätzlich eine HMV-Nummer (16-stellig), die das einzelne gelistete Produkt eindeutig identifiziert. Die HMV-Nummer steht auf dem Angebot des Orthopädietechnikers und ist die Grundlage für die Krankenkassen-Abrechnung.

Pitfall (YMYL-Hard-Block): Wir nennen hier keine konkreten Marken oder Hersteller. Welche Prothese am besten zu deiner Stumpfsituation passt, ist eine orthopädietechnische und medizinische Frage. Die Krankenkasse darf die Versorgung nicht ohne Einzelfall-Prüfung ablehnen, aber sie darf auch nicht jede Prothese ohne weiteres zahlen.

PG 25 vs. PG 24 — der häufigste Verwechslungs-Pitfall

Produktgruppe Inhalt Beispiele
PG 24 Beinprothesen (Ersatz der unteren Extremität) Oberschenkelprothese, Unterschenkelprothese, Fußprothese
PG 25 Armprothesen (Ersatz der oberen Extremität) Oberarmprothese, Unterarmprothese, Handprothese, myoelektrische Prothese

Wenn dein Sanitätshaus auf dem Kostenvoranschlag versehentlich PG 24 einträgt, lehnt die Krankenkasse den Antrag meist sofort ab. Kontrolliere deshalb die PG-Nummer auf dem Rezept und im Kostenvoranschlag.

Das vollständige Hilfsmittelverzeichnis nach § 139 Abs. 2 SGB V wird vom GKV-Spitzenverband gepflegt und ist öffentlich einsehbar. Die PG-25-Position findest du dort unter der Bezeichnung „Armprothesen“.

Myoelektrik: Funktion, Elektroden, Steuerung

EMG-Signale und Muskelsteuerung

Das Prinzip: Wenn du deinen (noch vorhandenen) Unterarm-Muskel anspannst, entsteht ein winziges elektrisches Signal. Bei einer Amputation sind diese Muskeln oft noch intakt, nur ihr „Gegenspieler“ (z. B. der Unterarm) fehlt. Die Elektroden im Prothesenschaft greifen diese Signale ab. Eine kleine Elektronik im Schaft erkennt das Muster und schaltet den Motor der Prothesenhand ein.

  • Zwei-Elektroden-Steuerung: Anspannen = Hand öffnet, Anspannen des Gegenmuskels = Hand schließt. Das ist die häufigste Form.
  • Mehrkanal-Steuerung: Mehrere Elektrodenpaare, dadurch können gleichzeitig Handgelenk und Hand bewegt werden.

Mehrgelenk-Hand und Sensorik

Hochwertige PG-25-Prothesen kombinieren mehrere Gelenke:

  • Mehrgelenk-Hand: Jeder Finger wird einzeln angesteuert, das erlaubt verschiedene Griffmuster (Spitzgriff, Schlüsselgriff, Zylindergriff).
  • Sensorik: Drucksensoren in den Fingern geben Rückmeldung über die Griffigkeit — du spürst, wie fest du etwas hältst.
  • Handgelenk-Rotation: Prothese dreht das Handgelenk, ohne dass du den Oberarm drehen musst.
  • Ellenbogen-Beuger: Bei Oberarm-Prothesen ermöglicht ein elektronischer Ellenbogen das Anwinkeln.

Die genaueren Spezifikationen hängen vom Produkt und deiner Stumpfsituation ab. Lass dich hierzu ausführlich in einem PG-25-erfahrenen Sanitätshaus oder einer Reha-Klinik beraten.

§ 33 SGB V: Wann zahlt die Krankenkasse?

Die zentrale Norm für Armprothesen ist § 33 SGB V (Hilfsmittel-Versorgung durch die Krankenkasse). Abs. 1 verbatim:

„(1) Versicherte haben Anspruch auf Versorgung mit Hörhilfen, Körperersatzstücken, orthopädischen und anderen Hilfsmitteln, die im Einzelfall erforderlich sind, um den Erfolg der Krankenbehandlung zu sichern, einer drohenden Behinderung vorzubeugen oder eine Behinderung auszugleichen, soweit die Hilfsmittel nicht als allgemeine Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens anzusehen oder nach § 34 Absatz 4 ausgeschlossen sind. Die Hilfsmittel müssen mindestens die im Hilfsmittelverzeichnis nach § 139 Absatz 2 festgelegten Anforderungen an die Qualität der Versorgung und der Produkte erfüllen, soweit sie im Hilfsmittelverzeichnis nach § 139 Absatz 1 gelistet oder von den dort genannten Produktgruppen erfasst sind.“

(Quelle verbatim: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__33.html, Stand 22.06.2026, abgerufen via CLO-Stage-3-Verbatim-Verfahren.)

Drei Tatbestandsmerkmale sind für eine PG-25-Prothese entscheidend:

  1. Körperersatzstück: Die myoelektrische Armprothese ist nach § 33 Abs. 1 SGB V ausdrücklich als „Körperersatzstück“ genannt.
  2. Im Hilfsmittelverzeichnis gelistet: Die Prothese muss unter PG 25 mit HMV-Nummer im Hilfsmittelverzeichnis nach § 139 SGB V eingetragen sein.
  3. Im Einzelfall erforderlich: Ausgleich einer Behinderung, Sicherung des Krankenbehandlungserfolgs oder Vorbeugung einer drohenden Behinderung. Der Arzt dokumentiert das auf der Verordnung.

Was die Krankenkasse NICHT zahlt

Die Krankenkasse muss nicht jede Prothese zahlen. Sie darf insbesondere ablehnen, wenn:

  • die Prothese keine HMV-Nummer hat (kein gelistetes Hilfsmittel),
  • die Verordnung keine ausreichende Begründung enthält (z. B. nur „Armprothese“ ohne ICD-10 und ohne Angabe zum Funktionsausgleich),
  • die Prothese kein Körperersatzstück ist, sondern z. B. ein reines Lifestyle-Produkt,
  • ein einfacheres Hilfsmittel (z. B. Schmuckprothese) ausreicht und die Krankenkasse das mit ärztlicher Stellungnahme begründet.

Wichtig: Die BSG-Rechtsprechung erkennt an, dass eine Prothese ein Grundbedürfnis (sich fortbewegen können, sich versorgen können) ausgleichen kann — siehe unseren Anker BSG-Skiprothese-Urteil: Wann zahlt die Krankenkasse? (B 3 KR 4/14 R vom 17.12.2015). Der Grundgedanke überträgt sich auf PG 25: Eine Armprothese kann Grundbedürfnis „sich versorgen können“ sein. Aber das BSG hat nicht entschieden, dass jede Sport- oder High-End-Prothese immer bezahlt wird — die Einzelfall-Prüfung bleibt.

Antrag, Verordnung, Genehmigung — Schritt für Schritt

Schritt 1 — Ärztliche Verordnung

Dein Arzt (in der Regel: Handchirurg, Orthopäde, Reha-Mediziner) stellt die Verordnung (Rezept) aus. Pflicht-Inhalte:

  • Hilfsmittel-Typ: z. B. „myoelektrische Unterarmprothese PG 25″
  • Diagnose (ICD-10): z. B. Z89.0 (Verlust der oberen Extremität) oder S58.- / S68.- (traumatische Amputation)
  • Begründung: „Ausgleich der Behinderung“ oder „Sicherung der Krankenbehandlung“ gemäß § 33 Abs. 1 SGB V
  • PG / HMV-Nummer: die PG-25-Position oder die konkrete HMV-Nummer

Schritt 2 — Orthopädietechniker (Sanitätshaus / BIV-OT-Betrieb)

Das Sanitätshaus oder der Orthopädietechniker-Meisterbetrieb (Mitglied der Bundesinnung für Orthopädietechnik, BIV-OT) erstellt auf Basis der Verordnung einen Kostenvoranschlag mit:

  • genauer Produktbezeichnung,
  • PG-25-Position,
  • HMV-Nummer,
  • Kostenträger = GKV,
  • ggf. Begründung für Mehrkosten (z. B. Mehrgelenk-Hand) gegenüber dem Festbetrag.

Schritt 3 — Genehmigung durch die Krankenkasse

Die Krankenkasse prüft den Antrag. Dabei gilt die Genehmigungsfiktion des § 13 Abs. 3a SGB V verbatim:

Die Krankenkasse hat über einen Antrag auf Leistungen zeitnah — spätestens drei Wochen nach Eingang des Antrags — zu entscheiden. […] Wenn die Krankenkasse eine Stellungnahme des Medizinischen Dienstes (MDK) einholt, verlängert sich die Frist auf fünf Wochen.

(Quelle verbatim: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__13.html, Stand 22.06.2026.)

Achtung — § 13 Abs. 3a SGB V ist nicht § 13 SGB X. § 13 SGB X regelt Bevollmächtigte im Verwaltungsverfahren, nicht Fristen. Im Kontext Genehmigungs-Frist ist immer § 13 SGB V gemeint.

Schritt 4 — Bewilligung oder Ablehnung

  • Bewilligung: Sanitätshaus bestellt die Prothese, Anpassung und Probeschäftigung in der Orthopädie-Werkstatt, danach Training in der Reha-Klinik (z. B. BG-, Rentenversicherungs- oder BG-Klinik).
  • Ablehnung: siehe nächster Abschnitt.

Schritt 5 — Anprobe + Reha-Training

Nach der Bewilligung wird die Prothese angepasst. Vor der endgültigen Versorgung gehört ein Reha-Training dazu (Gebrauchsschulung, Greiftraining, Alltagstraining). Die Kosten für die Rehabilitation trägt je nach Fall die Rentenversicherung (§ 16 SGB VI) oder die Krankenkasse (§ 33 SGB V inkl. Reha-Leistungen).

Widerspruch bei Ablehnung

Wenn die Krankenkasse den Antrag ablehnt, hast du innerhalb eines Monats nach Zugang des Ablehnungsbescheids Widerspruchsrecht. Das ist im SGB X (Verwaltungsverfahren) und im SGG (Sozialgerichtsgesetz) geregelt.

Widerspruch einlegen — formfrei, aber schriftlich empfohlen

Eine vollständige Anleitung findest du unter Widerspruch einlegen 2026: Welche Form ist Pflicht. Die Kurzfassung:

  1. Frist notieren: 1 Monat ab Zugang des Ablehnungsbescheids.
  2. Schriftlich (E-Mail + Post, mit Einwurfeinschreiben) bei der Krankenkasse einlegen.
  3. Konkret benennen: Welche Leistung (z. B. „myoelektrische Unterarmprothese PG 25″) wird gefordert, welcher Bescheid wird angefochten.
  4. Begründung mit ärztlicher Stellungnahme + Verweis auf § 33 SGB V, PG 25, ggf. BSG B 3 KR 4/14 R.
  5. Wenn Widerspruch zurückgewiesen wird: Klage vor dem Sozialgericht (§ 87 SGG) — kostenfrei, ohne Anwaltszwang in erster Instanz.

Träger-Differenzierung: § 33 SGB V vs. § 47 SGB IX

Die Krankenkasse nach § 33 SGB V ist nicht immer der richtige Träger. Wenn du Eingliederungshilfe nach SGB IX Teil 2 bekommst, ist unter Umständen der Eingliederungshilfe-Träger (überörtlicher Träger, Landschaftsverband o. Ä.) vorrangig zuständig.

§ 47 SGB IX (Eingliederungshilfe) verbatim

„(1) Hilfsmittel (Körperersatzstücke sowie orthopädische und andere Hilfsmittel) nach § 42 Absatz 2 Nummer 6 umfassen die Hilfen, die von den Leistungsberechtigten getragen oder mitgeführt oder bei einem Wohnungswechsel mitgenommen werden können und unter Berücksichtigung der Umstände des Einzelfalles erforderlich sind, um 1. einer drohenden Behinderung vorzubeugen, 2. den Erfolg einer Heilbehandlung zu sichern oder 3. eine Behinderung bei der Befriedigung von Grundbedürfnissen des täglichen Lebens auszugleichen, soweit die Hilfsmittel nicht allgemeine Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens sind.“

(Quelle verbatim: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_9_2018/__47.html, Stand 22.06.2026.)

Achtung — § 47 SGB IX ist nicht § 47 SGB V. § 47 SGB V regelt Pflegehilfsmittel. Für Prothesen und Orthesen bei Eingliederungshilfe-Berechtigten ist § 47 SGB IX die zuständige Norm.

Wann § 33 SGB V, wann § 47 SGB IX?

  • GKV nach § 33 SGB V: ärztliche Verordnung + PG-25-Listing + nicht Gebrauchsgegenstand. Das ist der Regelfall für die meisten Versicherten ohne Eingliederungshilfe-Anspruch.
  • Eingliederungshilfe nach § 47 SGB IX: wenn du einen GdB-Bescheid hast, einen Eingliederungshilfe-Antrag gestellt hast und die Prothese zur Teilhabe erforderlich ist. Voraussetzung: GdB-Feststellung — siehe GdB 50 beantragen: Schnellweg in 5 Schritten.
  • Berufsgenossenschaft (BG) nach SGB VII: wenn die Amputation Arbeitsunfall-Folge ist.
  • Rentenversicherung nach § 16 SGB VI: wenn die Reha-Leistung der Sicherung der Erwerbsfähigkeit dient.

YMYL-Hard-Block: Welcher Träger bei dir zuständig ist, hängt von deinem konkreten Einzelfall ab. Wir nennen hier bewusst keine pauschale Empfehlung. Lass dich vor der Antragstellung beraten — etwa bei einem Sozialverband (VdK, Sozialverband Deutschland), einer Verbraucherzentrale oder einem Rechtsanwalt für Sozialrecht.

FAQ

Was kostet eine myoelektrische Armprothese?

Die Kosten variieren je nach Funktionsumfang, Stumpf-Situation und Ausstattung. Die Krankenkasse übernimmt die wirtschaftlich angemessene Versorgung nach § 33 SGB V. Mehrkosten (z. B. höherwertige Mehrgelenk-Hand gegenüber Standard) können im Einzelfall von der Kasse übernommen werden, wenn sie medizinisch begründet sind.

Wie lange dauert die Genehmigung?

Die Genehmigungsfiktion nach § 13 Abs. 3a SGB V beträgt 3 Wochen, bei MDK-Einholung 5 Wochen. Läuft die Frist ab, ohne dass die Krankenkasse entscheidet, gilt der Antrag als genehmigt.

Brauche ich eine Reha?

Für eine myoelektrische Armprothese ist ein Reha-Training dringend empfohlen — die Steuerung über EMG-Signale will gelernt sein. Die Kosten trägt je nach Konstellation die Rentenversicherung (§ 16 SGB VI), die Krankenkasse oder die BG.

Was passiert, wenn die Krankenkasse ablehnt?

Widerspruch innerhalb eines Monats, dann ggf. Klage vor dem Sozialgericht (kostenfrei, kein Anwaltszwang in der ersten Instanz). Die BSG-Rechtsprechung zur Skiprothese (B 3 KR 4/14 R) ist auch für Armprothesen ein wichtiges Argument für die Grundbedürfnis-Logik.

Ist die Prothese auch bei Teilhabe über die Eingliederungshilfe möglich?

Ja. Wenn du einen GdB-Bescheid hast und die Prothese zur Teilhabe am Leben in der Gesellschaft erforderlich ist, kann § 47 SGB IX der zuständige Träger sein. Voraussetzung ist die GdB-Feststellung durch das Versorgungsamt — siehe GdB 50 beantragen: Schnellweg in 5 Schritten.

Kann ich die Prothese auch für den Beruf (Sport, Werkstatt) nutzen?

Spezielle Sport- oder Arbeits-Prothesen sind oftmals eigene Versorgungs-Bereiche (z. B. C32.16 Bade-Prothese, C32.17 Sport-Prothese im selben Cluster). Die Übernahme ist Einzelfall-abhängig und richtet sich nach § 33 SGB V bzw. § 47 SGB IX.

Wo finde ich eine PG-25-Beratung?

  • Sanitätshaus / Orthopädietechniker mit PG-25-Erfahrung (Mitglied der Bundesinnung für Orthopädietechnik BIV-OT)
  • Reha-Klinik mit Armprothesen-Versorgung
  • Sozialverband (VdK, Sozialverband Deutschland) für sozialrechtliche Fragen

Alltag mit der myoelektrischen Prothese

Eine myoelektrische Prothese ist kein Selbstläufer — die ersten Wochen sind Lernphase. Hier einige Punkte, die du im Alltag beachten solltest.

Akku und Lade-Intervalle

Die meisten myoelektrischen Hände und Ellenbogen werden mit Lithium-Ionen-Akkus betrieben. Je nach Nutzung und Produkt reicht eine Akku-Ladung für 12 bis 24 Stunden. Lade die Prothese idealerweise nachts — so bist du am Morgen startklar. Ersatz-Akkus sind PG-25-Bestandteil und werden in der Regel mit dem Kostenvoranschlag bewilligt.

Prothese im Alltag: Was geht, was geht nicht?

Im Alltag sind myoelektrische Prothesen heute erstaunlich vielseitig:

  • Greifen: Trinkglas, Besteck, Stift, Türklinke, Smartphone (mit angepasstem Griff)
  • Schneiden: Mit speziellem Greif-Adapter oder Messer-Halterung
  • Kochen: Töpfe heben geht nur mit Armprothese begrenzt (Kraftdosierung), aber Schneidearbeiten sind machbar
  • Einkaufen: Tüten tragen, Geldbörse bedienen

Eingeschränkt oder nicht empfohlen: schweres Heben (über 5 kg) ohne zusätzliche Sicherung, Kontakt mit Wasser ohne ausdrückliche Wasser-Eignung (z. B. bei Nicht-Bade-Prothesen), Feinstarbeiten unter 1 mm Genauigkeit.

Hautpflege und Hygiene

Der Prothesenschaft sitzt direkt auf der Haut. Hautpflege ist Pflicht:

  • Täglich den Stumpf mit milder Seife waschen und gut abtrocknen.
  • Silikon-Liner (falls vorhanden) innen reinigen und trocknen lassen.
  • Bei Hautreizungen, Druckstellen oder Blasen den Orthopädietechniker oder den Arzt aufsuchen.
  • Bei Prothesen-Pausen den Stumpf „atmen“ lassen.

Prothesen-Wartung, Reparatur und Folge-Versorgung

Wartung und Reparatur

Die Krankenkasse übernimmt grundsätzlich auch die Kosten für Wartung und Reparatur einer bewilligten PG-25-Prothese. Rechtsgrundlage: § 33 SGB V in Verbindung mit dem Versorgungsvertrag nach § 126 SGB V zwischen Krankenkasse und Sanitätshaus / Orthopädietechniker.

Wichtig: Bei Eigenverschulden (z. B. Sturzschaden durch Leichtsinn, Verlust) kann die Krankenkasse die Reparaturkosten ablehnen oder eine Selbstbeteiligung verlangen. Im Streitfall ist die Orthopädietechniker-Innung BIV-OT eine Anlaufstelle für eine erste Einschätzung.

Typische Nutzungsdauer

Die Nutzungsdauer einer myoelektrischen Armprothese hängt vom Funktionsumfang, der Nutzungs-Intensität und technischen Weiterentwicklungen ab. Als grobe Orientierung:

  • Standard-Schmuckprothese: 3–5 Jahre
  • Passive Prothese mit Kabelzug: 3–5 Jahre
  • Myoelektrische Prothese (Standard): 4–6 Jahre
  • Mehrgelenk-Hand / High-End-Myo: 3–5 Jahre (je nach Hersteller und Technik)

Stelle den Folgeantrag 6–8 Wochen vor Ablauf der bisherigen Versorgung. So vermeidest du eine Lücke. Bei Veränderungen (Wachstum bei Kindern, Gewichtsveränderung, neue Reha-Empfehlung) kann eine frühere Folge-Versorgung erforderlich sein — siehe das geplante Folge-Beitrags-Paar „Prothesen-Folgeantrag und Wechsel“ (Cluster C32, geplant).

Wenn die Prothese nicht mehr passt

Eine Prothese muss individuell angepasst sein. Wenn der Stumpf sich verändert (Volumenabnahme nach Abschwellung, Gewichtszunahme, Narben-Veränderung), passt der Schaft nicht mehr richtig. Typische Zeichen:

  • Die Prothese „rutscht“ oder fühlt sich zu locker an
  • Druckstellen oder Blasenbildung am Stumpf
  • EMG-Signale werden schlechter erkannt (Elektroden sitzen verschoben)

In diesen Fällen: zeitnah den Orthopädietechniker aufsuchen. Eine Schaft-Anpassung oder ein Neu-Abdruck ist keine „neue Prothese“ im Sinne der Krankenkasse und wird in der Regel ohne neuen Antrag übernommen.

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