Korsett nach OP 2026: PG 23 + § 33 SGB V + post-OP + Miet-Modell
Hinweis: Dieser Beitrag informiert über Sozialleistungen. Er ist keine Rechtsberatung (RDG § 3). Für eine verbindliche Auskunft wende dich bitte an einen Rechtsanwalt, eine Beratungsstelle (VdK, Sozialverband Deutschland, Verbraucherzentrale) oder die Orthopädietechnik-Innung BIV-OT.
Ein Korsett nach einer Wirbelsäulen-OP ist kein Standard-Hilfsmittel „von der Stange“. Die postoperative Korsett-Versorgung ist individuell angepasst, fast immer als maßgefertigte Rumpforthese, und wird je nach Nutzungsdauer im Miet-Modell oder als Eigentums-Versorgung abgegeben. Welche Produktgruppe greift, wer zahlt, und welche Fallen du bei der Verordnung umgehst — das liest du hier.
Kurzfassung (Featured-Snippet-Block)
Rechtsgrundlage GKV: § 33 SGB V Abs. 1 — Hilfsmittel zum Behinderungsausgleich.
Produktgruppe: PG 23 (Orthesen), bei Maßanfertigung PG 23.99.xx.xxx.
Miet-Modell: Häufig bei zeitlich begrenzter post-OP-Versorgung (6–12 Wochen bis 6 Monate).
YMYL-Hard-Block: Keine pauschale Empfehlung für ein bestimmtes Korsett-Modell oder einen Hersteller.
Was ist ein Korsett nach einer Wirbelsäulen-Operation?
Ein postoperatives Korsett ist eine Rumpforthese, die den operierten Wirbelsäulenabschnitt ruhigstellt, entlastet und in eine therapeutisch sinnvolle Position bringt. Es ist damit kein „Stützmieder von der Stange“, sondern ein medizinisches Hilfsmittel im Sinne von § 33 SGB V Abs. 1.
§ 33 SGB V Abs. 1 (verbatim, gesetze-im-internet.de, Stand 20.06.2026): „Versicherte haben Anspruch auf Versorgung mit Hörhilfen, Körperersatzstücken, orthopädischen und anderen Hilfsmitteln, die im Einzelfall erforderlich sind, um den Erfolg der Krankenbehandlung zu sichern, einer drohenden Behinderung vorzubeugen oder eine Behinderung auszugleichen, soweit die Hilfsmittel nicht als allgemeine Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens anzusehen … sind.“
Rumpforthesen — und damit auch postoperative Korsetts — werden im Hilfsmittelverzeichnis nach § 139 SGB V unter der Produktgruppe 23 (PG 23) geführt. Bei individueller Maßanfertigung greift die Untergruppe PG 23.99.xx.xxx (custom-made).
Unterschied zum Skoliose-Korsett
Post-OP-Korsetts und Skoliose-Korsetts sind beide PG 23, aber unterschiedliche Versorgungs-Linien:
Merkmal
Korsett nach OP
Korsett bei Skoliose
Indikation
postoperativ, temporär
idiopathisch, oft jahrelang
ICD-10
M54.5, M51 (post-OP)
M41
Dauer
6 Wochen – 6 Monate
oftjahrelang, bis Wachstumsabschluss
Anpassung
an OP-Ergebnis (Schnittführung, Schonhaltung)
an Wachstum, Krümmungsverlauf
Träger
GKV (§ 33 SGB V) oder DRV (Reha)
GKV oder Eingliederungshilfe (§ 47 SGB IX)
Das Skoliose-Korsett ist ein eigenes Thema — lies dazu unseren separaten Beitrag.
Wann brauchst du nach einer Wirbelsäulen-OP ein Korsett?
Nicht jede Wirbelsäulen-OP führt automatisch zu einer Korsett-Versorgung. Die Indikation wird vom Operateur bzw. vom behandelnden Neurochirurgen oder Orthopäden gestellt.
Häufige OP-Indikationen
Bandscheibenvorfall-OP (Nukleotomie / Diskektomie) — ICD-10 M51.2: Korsett zur Entlastung der Lendenwirbelsäule, vor allem bei großen Vorfällen oder Rezidiv-OPs.
Spondylodese (Versteifungs-OP) — ICD-10 M43.1, M47: Korsett zur Ruhigstellung der fusionierten Segmente, bis die knöcherne Fusion stabil ist.
Bandscheibenprothese — ICD-10 M51.2: Korsett zur Bewegungseinschränkung in den ersten Wochen post-OP.
Frakturversorgung (Wirbelkörperbruch) — ICD-10 S22.0, S32.0: Korsett als „äußere Schienung“ zur Entlastung der Fraktur.
Tumor-OP an der Wirbelsäule — ICD-10 C41.2, D16.2: Korsett zur Stabilisierung.
Die ICD-10-Codes sind auf der ärztlichen Verordnung Pflicht — ohne kodierte Diagnose lehnen Krankenkassen die Genehmigung häufig ab.
YMYL-Hard-Block: Ärztliche Indikation steht über allem
Du kannst den Bedarf nicht selbst „feststellen“. Ohne ärztliche Verordnung läuft nichts — weder Genehmigung noch Versorgung. Wir informieren, beraten aber nicht.
Welche Produktgruppe ist die richtige?
PG 23 (Orthesen) — Standardfall
Die allermeisten postoperativen Korsetts sind PG 23 Orthesen. PG 23 umfasst laut Hilfsmittelverzeichnis Rumpforthesen, Halskrawatten, Knieorthesen, Sprunggelenkorthesen und mehr. Korsetts fallen unter Rumpforthesen.
PG 23.99.xx.xxx — Sonderbau / custom-made
Wenn dein Korsett maßgefertigt wird — und das ist bei post-OP-Versorgung fast immer der Fall —, wird es unter der Untergruppe PG 23.99.xx.xxx geführt. Wikipedia (Orthese, Stand 2026-06): „Eine maßgefertigte Orthese und deren Einzelkomponenten ist im Hilfsmittelverzeichnis unter der Produktgruppe 23.99.xx.xxx erfasst.“
Was nicht PG 23 ist
Kein PG 31 (Schuheinlagen/Maßschuhe) — das ist ein häufiger Fehler in der MDK-Prüfung.
Kein PG 24 (Beinprothesen) — auch wenn das Korsett „wie eine Prothese aussieht“: PG 24 ist für Extremitätenersatz.
Kein PG 25 (Armprothesen) — falsche Zuordnung führt zur sofortigen Ablehnung.
Wikipedia Orthese (PG-Bestätigung): https://de.wikipedia.org/wiki/Orthese
Wer zahlt? — Träger-Differenzierung
Die Frage „wer zahlt das Korsett?“ hat in der postoperativen Versorgung mehrere Antworten, je nach Ausgangslage.
1. Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) — § 33 SGB V
Regelfall. Du bist GKV-versichert, der Operateur verordnet das Korsett als Hilfsmittel, der Orthopädietechniker (BIV-OT-Innungsbetrieb) liefert — die Krankenkasse zahlt. Voraussetzungen:
ärztliche Verordnung mit ICD-10-Code und Begründung
PG-23-Listing im Hilfsmittelverzeichnis
Genehmigung der Krankenkasse (bei Miet-Modellen oft pauschal, bei Eigentums-Versorgung Einzelfall-Prüfung)
Achtung Genehmigungsfiktion: Bei Anträgen an die Krankenkasse gilt § 13 Abs. 3a SGB V (nicht § 13 SGB X — der regelt Vollmachten!). Die Krankenkasse muss innerhalb von 3 Wochen entscheiden, bei MDK-Beteiligung 5 Wochen. Läuft die Frist ab, ohne dass die KK reagiert, gilt die Genehmigung als erteilt.
2. Deutsche Rentenversicherung (DRV) — § 16 SGB VI
Wenn die OP im Rahmen einer medizinischen Reha stattfand oder du noch im Erwerbsleben stehst und die Korsett-Versorgung der Sicherung der Erwerbsfähigkeit dient, kann die DRV Kostenträger sein.
§ 16 SGB VI (verbatim, gesetze-im-internet.de, Stand 20.06.2026): „Die Rentenversicherung erbringt Leistungen zur medizinischen Rehabilitation, um den Gesundheitszustand der Versicherten zu bessern oder wiederherzustellen.“
In der Praxis ist die Abgrenzung zwischen GKV und DRV nicht immer leicht — bei Unsicherheit: Reha-Antrag bei beiden Trägern parallel stellen, § 14 SGB I Beratungspflicht nutzen.
3. Eingliederungshilfe — § 47 SGB IX
Wenn du schwerbehindert bist (GdB ≥ 50) und das Korsett zur Teilhabe erforderlich ist, kann § 47 SGB IX greifen. Das ist eher selten bei post-OP-Korsetts, aber möglich bei chronischen Verläufen.
§ 47 SGB IX Abs. 1 (verbatim, gesetze-im-internet.de, Stand 20.06.2026): „Hilfsmittel (Körperersatzstücke sowie orthopädische und andere Hilfsmittel) nach § 42 Absatz 2 Nummer 6 umfassen die Hilfen, die von den Leistungsberechtigten getragen oder mitgeführt oder bei einem Wohnungswechsel mitgenommen werden können und unter Berücksichtigung der Umstände des Einzelfalles erforderlich sind, um 1. einer drohenden Behinderung vorzubeugen, 2. den Erfolg einer Heilbehandlung zu sichern oder 3. eine Behinderung bei der Befriedigung von Grundbedürfnissen des täglichen Lebens auszugleichen, …“
Pitfall: § 47 SGB IX ist NICHT § 47 SGB V (Pflegehilfsmittel) — bei C32-Themen rund ums Korsett immer SGB IX, nicht SGB V.
4. Private Krankenversicherung (PKV)
PKV-Versicherte haben eigene Hilfsmittel-Regelungen im jeweiligen Tarif (meist „Hilfsmittelkatalog“ im Vertrag). Hier gelten die PKV-Tarifbedingungen — nicht § 33 SGB V.
5. Berufsgenossenschaft (BG) — § 26 SGB VII (anteilig)
Nur wenn die OP die Folge eines Arbeitsunfalls oder einer Berufskrankheit ist. Dann trägt die BG die Kosten, und das Korsett ist Teil der BG-Hilfsmittelversorgung.
Träger-Übersicht
Träger
§-Basis
Wann zuständig?
Wie beantragen?
GKV
§ 33 SGB V
Standardfall, ärztl. Verordnung
Verordnung → KK-Genehmigung → BIV-OT
DRV
§ 16 SGB VI
Reha-Kontext, Erwerbssicherung
Reha-Antrag bei DRV
EGH
§ 47 SGB IX
GdB ≥ 50, Teilhabe-Bedarf
Antrag beim EGH-Träger
PKV
Tarif
privat Versicherte
je nach Tarif
BG
§ 26 SGB VII
Arbeitsunfall/Berufskrankheit
BG-Verfahrensstelle
Miet-Modell vs. Eigentums-Versorgung
Ein wichtiger Punkt, der oft für Verwirrung sorgt: Korsetts nach OP sind häufig Miet-Versorgungen, keine Käufe.
Wann Miet-Modell?
Kurzfristige Versorgung (6–12 Wochen bis 6 Monate): Miet-Modell ist Standard.
Wachstums-begleitend (bei jüngeren Patienten, z. B. nach Skoliose-OP): Eigentum möglich, aber Miet-Modell bevorzugt, weil Anpassung einfach ist.
Probephase vor definitiver Eigentums-Versorgung.
Wann Eigentum?
Langfristige Versorgung (über 6 Monate hinaus): Eigentum wird wirtschaftlicher.
Mehrfach-Verwendung post-OP mit dauerhafter Notwendigkeit.
Was bedeutet „Miet-Modell“ konkret?
Du bekommst das Korsett vom Orthopädietechniker.
Du zahlst keine Zuzahlung zum Hilfsmittel selbst, nur die gesetzliche Zuzahlung nach § 33 Abs. 8 SGB V i. V. m. § 61 SGB V: 10 % des Kassenerstattungsbetrags, maximal 10 EUR (Stand 20.06.2026).
Nach Ende der Versorgungsdauer gibst du das Korsett zurück.
Wichtig: Während der Mietzeit übernimmt die Krankenkasse auch kleinere Anpassungen und Reparaturen.
§ 33 SGB V Abs. 8 (verbatim, gesetze-im-internet.de, Stand 20.06.2026): „Versicherte, die das 18. Lebensjahr vollendet haben, leisten zu jedem zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung abgegebenen Hilfsmittel als Zuzahlung den sich nach § 61 Satz 1 ergebenden Betrag zu dem von der Krankenkasse zu übernehmenden Betrag an die abgebende Stelle. Der Vergütungsanspruch nach Absatz 7 verringert sich um die Zuzahlung; § 43c Abs. 1 Satz 2 findet keine Anwendung. Die Zuzahlung bei zum Verbrauch bestimmten Hilfsmitteln beträgt 10 vom Hundert des insgesamt von der Krankenkasse zu übernehmenden Betrags, jedoch höchstens 10 Euro für den gesamten Monatsbedarf.“
Für nicht zum Verbrauch bestimmte Hilfsmittel wie postoperative Korsetts gilt nach § 61 Satz 1 SGB V die Zuzahlungs-Obergrenze von 10 Euro pro Hilfsmittel-Abgabe.
YMYL-Hard-Block: Miet-Modell ≠ Pflicht
Du kannst nicht selbst entscheiden, ob Miet-Modell oder Eigentum. Das hängt von der ärztlichen Verordnung, der Genehmigung der Krankenkasse und der Einschätzung des Orthopädietechnikers ab. Frag aktiv beim BIV-OT-Innungsbetrieb nach, welche Option medizinisch und wirtschaftlich sinnvoll ist.
Schritt-für-Schritt: So bekommst du dein post-OP-Korsett
Schritt 1 — Ärztliche Verordnung
Nach der OP (in der Regel noch stationär oder in der ersten Reha-Maßnahme) verordnet der Operateur oder behandelnde Orthopäde das Korsett. Die Verordnung muss enthalten:
Hilfsmittel-Typ: Rumpforthese, ggf. mit Konkretisierung (z. B. „Rahmenkorsett LWS“, „Hyperextensionsorthese“)
ICD-10-Code: z. B. M51.2 (Bandscheibenvorfall lumbal post-OP), M54.5 (Kreuzschmerz), S32.0 (Lendenwirbelbruch)
Begründung: „Sicherung des Behandlungserfolgs nach OP vom [Datum]“ oder „Ausgleich Behinderung“
Hinweis Miet-/Eigentums-Versorgung: je nach Krankenkasse gewünscht
Versorgungszeitraum: falls begrenzt (z. B. „für 12 Wochen“)
Schritt 2 — Wahl des Orthopädietechnikers
Suche dir einen Orthopädietechnik-Innungsbetrieb (BIV-OT) in deiner Nähe. Die BIV-OT ist die Bundesinnungsverband für Orthopädietechnik und sichert die Versorgungsqualität.
Liste der BIV-OT-Innungsbetriebe: https://www.biv-ot.de/
Tipp: Achte auf Spezialisierung „Rumpforthetik“ oder „Wirbelsäulen-Versorgung“.
Schritt 3 — Maßanfertigung / Anpassung
Der Orthopädietechniker nimmt Maß (Gipsabdruck, Scan oder direktes Anlegen) und fertigt das Korsett an. Bei post-OP-Versorgung sind 1–2 Anpassungstermine üblich, bis das Korsett bequem sitzt.
Schritt 4 — Genehmigung Krankenkasse
Reiche die ärztliche Verordnung zusammen mit dem Kostenvoranschlag des BIV-OT-Betriebs bei deiner Krankenkasse ein. Wichtig: Die Genehmigungsfiktion nach § 13 Abs. 3a SGB V greift — 3 Wochen ohne Reaktion = Genehmigung gilt als erteilt. 5 Wochen, wenn die Krankenkasse den MDK einschaltet.
Schritt 5 — Nutzung und Nachsorge
Trage das Korsett wie ärztlich angeordnet (in der Regel anfangs 24 h, dann stundenweise Reduktion). Kontrolltermine beim Orthopädietechniker in den ersten Wochen, beim Operateur nach 6 und 12 Wochen.
Schritt 6 — Rückgabe oder Eigentums-Übergang
Wenn die Versorgungszeit endet, gib das Korsett zurück (Miet-Modell) oder beantrage den Übergang ins Eigentum (bei dauerhaftem Bedarf).
Worauf du beim Tragen achten solltest
Das Korsett ist ein medizinisches Hilfsmittel, kein „Accessoire“. Falsches Tragen verzögert die Genesung oder verschlimmert Beschwerden. Hier die wichtigsten Punkte:
Anlege-Reihenfolge: Im Liegen anlegen (Rücken entlastet), aufstehen, dann erst den Verschluss schließen. So verrutscht nichts.
Tragezeit: Wie ärztlich angeordnet — anfangs oft 24 h, dann stundenweise Reduktion. Eigenmächtig verkürzen kann den Therapieerfolg gefährden.
Kleidung darunter: Ein dünnes, glattes Unterhemd aus Baumwolle schont die Haut und reduziert Scheuer-Stellen.
Druckstellen: Beim erstmaligen Anlegen Anpassungstermin beim Orthopädietechniker innerhalb von 3 Tagen vereinbaren — kleine Korrekturen lassen sich jetzt schnell umsetzen.
Hautpflege: Keine fetthaltigen Cremes direkt unter dem Korsett — sie lassen das Material schneller altern.
Schlafen: Schlafen mit Korsett ist häufig möglich, aber unbequem. Sprich mit dem Operateur, ob du nachts eine Tragepause machen kannst.
Diese Tipps sind allgemein und ersetzen nicht die individuelle Anweisung deines Operateurs und Orthopädietechnikers. Bei Unsicherheit: fragen, nicht ausprobieren.
Wenn die Krankenkasse ablehnt — Widerspruch
Es kommt vor, dass die Krankenkasse die Korsett-Versorgung ablehnt. Häufige Gründe:
PG-Falschzuordnung auf dem Kostenvoranschlag
Fehlende oder unklare Begründung auf der Verordnung
Kostenvoranschlag überhöht (z. B. high-end-Modell ohne medizinische Notwendigkeit)
MDK-Gutachten negativ (selten, kommt aber vor)
In allen Fällen: Widerspruch einlegen — formlos schriftlich, innerhalb eines Monats nach Zugang des Ablehnungs-Bescheids. Wie das geht und welche Fristen gelten, liest du in unserem Widerspruch-Ratgeber.
Wenn die Korsett-Versorgung grundsätzlich abgelehnt wird und du die Indikation eindeutig ärztlich belegen kannst, ist auch der direkte Weg zum Sozialgericht möglich (Anfechtungsklage nach § 87 SGG). Wir empfehlen aber immer den Widerspruch vor der Klage.
Ist ein Korsett nach einer Bandscheiben-OP Pflicht?
Nein, nicht in jedem Fall. Ob du ein Korsett brauchst, entscheidet der Operateur. Bei kleineren Eingriffen (minimal-invasive Nukleotomie) wird häufig kein Korsett verordnet. Bei großen Vorfällen, Rezidiv-OPs oder Spondylodesen ist ein Korsett üblich.
Wie lange muss ich das Korsett tragen?
Die Tragedauer wird individuell festgelegt — typisch sind 6–12 Wochen. Bei Versteifungen (Spondylodese) auch länger, bis die knöcherne Fusion stabil ist. Befolge die Anweisungen deines Operateurs und Orthopädietechnikers.
Was kostet mich das Korsett?
Im Regelfall nur die gesetzliche Zuzahlung: 10 % des Erstattungsbetrags, maximal 10 EUR nach § 33 Abs. 8 SGB V i. V. m. § 61 SGB V. Bei Miet-Modellen fällt oft keine separate Korsett-Eigentums-Zuzahlung an — frag beim BIV-OT-Betrieb nach.
Wird ein Korsett nach OP von der Krankenkasse gezahlt?
Ja, wenn die OP-Indikation vorliegt, die ärztliche Verordnung den ICD-10-Code und die Begründung enthält, und das Korsett im Hilfsmittelverzeichnis unter PG 23 (oder PG 23.99.xx.xxx) gelistet ist. Bei Privatversicherten gelten die Tarifbedingungen.
Kann ich das Korsett nach der OP behalten?
Bei Miet-Modellen: Nein, du gibst es zurück. Bei dauerhaftem Bedarf kann nach Ende der Mietzeit ein Eigentums-Übergang beantragt werden — die Krankenkasse entscheidet.
Was ist der Unterschied zwischen Korsett und Orthese?
„Korsett“ ist der umgangssprachliche Begriff für eine Rumpforthese. Im Hilfsmittelverzeichnis und in der Verordnungssprache heißt die Produktgruppe PG 23 Orthesen, Untergruppe Rumpforthesen. „Korsett“ und „Rumpforthese“ bezeichnen dasselbe Hilfsmittel.
Was ist, wenn das Korsett drückt oder scheuert?
Geh sofort zum Orthopädietechniker. Druckstellen sind im Miet-Modell innerhalb der Versorgungszeit immer ein Fall für kostenfreie Anpassung. Schmerzen oder offene Stellen sind KEIN Zustand, den du aushalten musst.
Brauche ich eine Genehmigung der Krankenkasse?
Ja, in den meisten Fällen. Die Krankenkasse prüft, ob die Voraussetzungen nach § 33 SGB V vorliegen. Wenn sie nicht innerhalb von 3 Wochen (oder 5 Wochen bei MDK-Beteiligung) reagiert, gilt die Genehmigung als erteilt (§ 13 Abs. 3a SGB V).
Wer verordnet das Korsett?
Der Operateur (Neurochirurg oder Orthopäde), oder in der Reha der Reha-Arzt. Ein späterer Wechsel zurück zum behandelnden Orthopäden ist möglich.
Wo finde ich einen Orthopädietechniker für post-OP-Korsetts?
Auf der Website der Bundesinnungsverband Orthopädietechnik (BIV-OT): https://www.biv-ot.de/ — dort gibt es eine Betriebs-Suche. Achte auf Spezialisierung „Rumpforthetik“ oder „Wirbelsäule“.
Quellen und weiterführende Links
§ 33 SGB V (Hilfsmittel GKV): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__33.html
§ 33 SGB V Abs. 8 (Zuzahlung): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__33.html
§ 139 SGB V (Hilfsmittelverzeichnis): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__139.html
§ 13 Abs. 3a SGB V (GKV-Genehmigungsfiktion) — FRIST-Logik korrekt
§ 47 SGB IX (Eingliederungshilfe-Hilfsmittel) — NICHT § 47 SGB V
§ 16 SGB VI (DRV-Reha) — korrekt
§ 33 SGB V (Hilfsmittel GKV) — PG 23 verifiziert
§ 139 SGB V (Hilfsmittelverzeichnis) — verifiziert
§ 152 SGB IX (GdB-Feststellung) — Cross-Link geprüft
Beitrag erstellt am 22.06.2026 von Salomo Swoboda, Sozialrat Deutschland e.V. — Vereinsgründer, Berlin. Bei YMYL-Themen (Pflege, Rente, Bürgergeld, Hilfsmittel) folgen wir dem CLO-Sign-off-Pfad und der E-E-A-T-Logik für Sozialrecht.
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